Honduras

Dengue-Epidemie gefährdet vor allem Kinder

Das Gesundheitszentrum El Carrizal ist eines der vier von Ärzte ohne Grenzen in Tegucigalpa unterstützten. Oft ist kaum jemand dort, denn es liegt im gefährlichsten Viertel der Stadt, und sowohl das Personal als auch die Patienten haben Angst, ausgeraubt, gekidnappt oder sogar ermordet zu werden, wenn sie dort hingehen.

In San Pedro Sula, der zweitgrößten Stadt Honduras', grassiert das Hämorrhagische Denguefieber. Die Zahl der Fälle hat sich im Vergleich zum Vorjahr bereits verdreifacht. Diese Form des Denguefiebers, das durch Moskitos übertragen wird, kann tödlich verlaufen - insbesondere Kinder sind gefährdet. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben einen Notfalleinsatz gestartet. Die Organisation unterstützt zudem die Gesundheitsbehörden im wichtigsten öffentlichen Krankenhaus im Nordosten des Landes.

"Die Epidemie stellt für die Bevölkerung eine große Gefahr dar", warnt der medizinische Koordinator von Ärzte ohne Grenzen, Dr. Luis Neira: "Seit wir hier tätig sind, haben wir konstant Patienten mit Dengue. Unser Schwerpunkt liegt bei der Behandlung von Kindern unter 15 Jahren." Drei von vier Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden, einschließlich der schwersten Fälle, sind Kinder. Mariana, eine Großmutter, die mit ihrer kranken Enkelin ins Krankenhaus gekommen ist, erzählt: "Ich kam aus dem vier Stunden entfernte Azacualpa hierher. Meine Enkelin war während mehrerer Tage krank, aber das lokale Gesundheitszentrum konnte ihr nicht helfen." Marianas Enkelin hatte Denguefieber mit Komplikationen und wurde schließlich in die Intensivstation überwiesen, die das Team von Ärzte ohne Grenzen im Mario Catarino Rivas-Krankenhaus in San Pedro Sula eingerichtet hat.

Tödliche Erreger

Das Denguefieber, das in Mittelamerika endemisch ist, ist eine Viruserkrankung, die durch Moskitos übertragen wird. Die meisten Fälle verlaufen relativ mild mit Symptomen, die denen einer Grippe ähneln. Bei schweren Erkrankungen kann jedoch ein hämorrhagisches Denguefieber mit inneren Blutungen auftreten oder das Dengue-Schocksyndrom, das zu Kreislaufversagen führt - Krankheitsformen, die tödlich verlaufen können. In Honduras gibt es vier Serotypen des Dengue-Virus. "Die vier Typen zirkulieren", erklärt Neira, "und das Risiko, sich anzustecken, ist besonders hoch während der Regenzeit zwischen Mai und November. In dieser Zeit vermehren sich die Moskitos, die für die Übertragung der Krankheit verantwortlich sind."

Rechtzeitige Diagnose und Behandlung sind lebensrettend

Es gibt keine spezifische Behandlung gegen das Denguefieber, aber eine rechtzeitige Diagnose und angemessene Behandlung reduzieren die Zahl der Todesfälle. Das honduranische Gesundheitssystem befindet sich jedoch in einer Krise, es fehlt oftmals sowohl an medizinischem Material wie an qualifiziertem Personal. Deshalb ist es häufig schwierig, die Krankheit rechtzeitig festzustellen und zu behandeln. "Das Problem liegt darin, dass die Leute mit vielen Hürden kämpfen müssen, bevor sie Zugang zu einer angemessenen Behandlung haben", erklärt Neira.

Ein Ärzte ohne Grenzen-Team hat medizinisches Personal in Gesundheitszentrum in der Umgebung von San Pedro Sula daher geschult, damit es Fälle von Dengue rechtzeitig erkennen kann und diese umgehend in ein Krankenhaus überweist. Das Team stellte außerdem sicher, dass alle Kinder unter 15 Jahren im Mario Catarino Rivas-Krankenhaus eine kostenlose Behandlung erhalten. In drei der Kinderabteilungen der Klinik richtete es eine spezielle Dengue-Einheit ein, in denen medizinische Mitarbeiter der Organisation das Krankenhauspersonal unterstützen und schulen. In den zwei Monaten seit Beginn dieses Einsatzes hat das Team in der Notfallabteilung des Krankenhauses mehr als 520 Kinder behandelt - ein Viertel von ihnen jünger als fünf Jahre. Ärzte ohne Grenzen überwacht den Krankheitsausbruch weiterhin für den Fall, dass ein verstärkter Einsatz erforderlich sein wird.

Neben diesem Notfalleinsatz ist Ärzte ohne Grenzen auch in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa tätig. In einigen der gefährlichsten Vierteln der Stadt befasst sich die Organisation mit den medizinischen Auswirkungen von Gewalt. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit mehr als 40 Jahren in Mittelamerika und leistet Hilfe nach Naturkatastrophen, bei Notfällen oder anderen medizinischen und humanitären Krisen.