Demokratische Republik Kongo

Cholera in verschiedenen Städten Katangas ausgebrochen

Täglich 40 Neuerkrankte nimmt die Cholerabehandlungsstation in Lubumbashi zur Zeit auf.

Die Zahl der Cholerapatienten steigt in mehreren Städten Katangas an. Die Provinz im Südwesten ist die wichtigste Bergbauregion der Demokratischen Republik Kongo. In den Städten Lubumbashi und Likasi behandeln die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen Cholerapatienten und unterstützen die lokalen Gesundheitsstationen.

 D.R. Kongo 2008: Täglich 40 Neuerkrankte nimmt die Cholerabehandlungsstation in Lubumbashi zur Zeit auf.
Seit Anfang Januar hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 1.700 Patienten in den Städten Lubumbashi, Bukama und Likasi behandelt. Die Kranken stammen alle aus den ärmeren Vierteln der Städte, in denen schlechte sanitäre Verhältnisse und eine hohe Bevölkerungsdichte zum Ausbruch dieser extrem ansteckenden Krankheit geführt haben. "Die Situation in Lubumbashi ist genauso wie in Likasi", so Bertrand Perrochet, Koordinator des Notfallteams. "Die Gesundheitsbehörden haben nicht angemessen reagiert, um den Ausbruch zu vermeiden. In nur wenigen Tagen waren die wichtigsten Krankenhäuser im Distrikt Kenia in Lubumbashi sowie in Likasi überfordert. Es gab weder genügend Betten noch wurden die Gebäude ausreichend desinfiziert."

Cholera führt zu schwerem Durchfall, Erbrechen und einem allgemeinen Schwächezustand. Die Bakterien werden über den Stuhlgang von Infizierten oder über deren Erbrochenes ausgeschieden und so durch verunreinigtes Wasser übertragen. Wenn Cholera nicht behandelt wird, können die Kranken relativ schnell an Austrocknung sterben. Unbehandelt endet Cholera bei der Hälfte der Fälle tödlich. Die Behandlung sieht entweder die Gabe von intravenösen Infusionen oder oraler Rehydrationslösungen vor, die Mineralien und Glukose enthalten.

Zusätzliche Behandlungszentren eingerichtet

Die Logistiker von Ärzte ohne Grenzen haben gleichzeitig die Bedingungen im Cholerabehandlungszentrum in Lubumbashi verbessert und eine neue Station in einem anderen Stadtviertel dieser 1,3 Millionen Einwohner zählenden Stadt aufgebaut. "Dank dieses zweiten Zentrums konnten wir die Behandlung der Patienten in beiden Vierteln sicherstellen", so Bertrand Perrochet. "Zuletzt haben wir täglich durchschnittlich etwa 25 neue Patienten in jeder Station behandelt."

In Likasi, einer Stadt mit mehr als 300.000 Einwohnern, sieht sich ein zweites Notfallteam mit einer ähnlichen Lage konfrontiert: Viele Patienten sind in schlechtem Zustand und werden in einem Krankenhaus behandelt, das nicht über die notwendige Infrastruktur verfügt, um die Kranken angemessen zu versorgen. "In den vergangenen drei Wochen haben 400 Patienten in dem einzigen funktionierenden Behandlungszentrum in Likasi um Hilfe gebeten", erklärt Bertrant Perrochet. "Als wir dort mit unserer Arbeit begannen, kamen täglich rund 60 Kranke in das Zentrum, das nur über eine Kapazität von 35 Betten verfügt. Es gab weder genügend Platz noch Betten. Außerdem mangelte es an Wasser und Rehydrationslösungen. Ganz zu schweigen von den katastrophalen hygienischen Bedingungen."

Ärzte ohne Grenzen hat daher temporäre Strukturen aufgebaut, um die Patienten versorgen zu können und den Druck vom Krankenhaus in Likasi zu nehmen. Die hygienischen Bedingungen sowie die Trinkwasserversorgung wurden zudem stark verbessert. Innerhalb einer Woche wurden bereits 170 Patienten behandelt.

Das Notfallteam von Ärzte ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo reagiert fast das ganze Jahr über auf Choleraepidemien in der Provinz Katanga. Dass diese `Krankheit der Armen´ ironischerweise im Herzen der Wirtschaftsmetropole Lubumbashi sowie in einer der größeren Städte der Bergbauprovinz Katanga ausbricht, verdeutlicht, wie es um die gesundheitliche Lage in der Demokratischen Republik Kongo steht. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen bleiben vor Ort und werden ihren Einsatz entsprechend anpassen, sollte sich die Lage verschlechtern.

15 Mitarbeiter des Notfallteams von Ärzte ohne Grenzen arbeiten zurzeit in Lubumbashi und Likasi. Das Team besteht aus Ärzten, Pflegepersonal, Logistikern und Gesundheitshelfern. In den ersten zwei Wochen im Januar behandelten die Mitarbeiter zudem Cholerapatienten in Bukama, etwa 400 Kilometer nördlich von Lubumbashi. Der Ausbruch der Krankheit ist dort bereits unter Kontrolle, so dass Ärzte ohne Grenzen die Aktivitäten an die örtlichen Behörden übergeben konnte.