Simbabwe

Behandlung zuhause - Hoffnung für Patienten mit resistenter Tuberkulose

Lorraine Zemba konnte dank medikamentöser Behandlung zu Hause von resistenter Tuberkulose geheilt werden.

Die resistente Tuberkulose nimmt immer mehr zu im Süden Afrikas, einerseits weil dort HIV/Aids weit verbreitet ist, andererseits weil die Tuberkulose hochansteckend ist. Sie kommt selbst im ländlichen Simbabwe vor, wo Ärzte ohne Grenzen in Buhera im Osten des Landes ein Projekt zur Bekämpfung der resistenten Tuberkulose betreibt.

Dringende Schritte sind nötig, um die Übertragung einzudämmen, bevor sich die Krankheit so stark ausgebreitet hat, dass sie nicht mehr in Schranken gehalten werden kann.
Lorraine Zemba wohnt abgelegen auf dem Land, im Dorf Takawira weitab von der Hauptstraße. Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass sie sich mit resistenter Tuberkulose angesteckt hat? Gewöhnlich leiden Patienten an resistenter Tuberkulose, die ihre medikamentöse Behandlung nicht sorgfältig einhielten und daher gegenüber den Erstlinien-Antibiotika eine Resistenz aufbauten. Aber das war bei Lorraine nicht der Fall. Sie hatte die Behandlung abgeschlossen und war geheilt von einer Tuberkulose, die vier Jahre zurücklag. Die meisten Patienten von Ärzte ohne Grenzen in Buhera waren, bevor sie an der resistenten Form litten, nicht zuvor an Tuberkulose erkrankt. Sie hatten nur das Pech, mit dem resistenten Bakterium in Kontakt zu kommen, wenn jemand, der damit infiziert war, in ihrer Gegenwart hustete.

Daneben gibt es noch einen anderen Faktor, warum die resistente Tuberkulose im Süden Afrikas zugenommen hat: Lorraine ist, wie jeder sechste Erwachsene in Simbabwe, HIV-positiv. Da das HI-Virus das Immunsystem des Menschen schwächt, ist es ein Türöffner für andere Infektionen wie resistente Tuberkulose, woran ein gesunder Mensch nicht unbedingt erkrankt. Die Kombination der beiden Infektionskrankheiten ist sehr gefährlich. "Die resistente Tuberkulose ist eine ganz neue Epidemie und verlangt eine neue Strategie, neue Hilfsprogramme, neue Medikamente und neue Ansätze in der Gesundheitspolitik," erklärt Eric Goemaere, Experte für HIV und Tuberkulose bei Ärzte ohne Grenzen.

Babys stecken sich bei ihren Müttern an

Lorraine und ihr Mann Isaak sind Kleinbauern, sie bauen in der Nähe ihres Hauses Süßkartoffeln, Gemüse und Mais an. Als Lorraine an resistenter Tuberkulose erkrankte, hing ihr Leben an einem seidenen Faden. Sie musste sich von ihrem zweijährigen Sohn fernhalten - ihr kranker Atem, selbst ein leises Flüstern, hätten ihm den Tod bringen können. "Als der Arzt von Ärzte ohne Grenzen erklärte, was resistente Tuberkulose ist, dachte ich, es gebe keine Hoffnung mehr und Lorraine werde sterben,"  erinnert sich Isaak. "Sie konnte nicht essen, weil sie wunde Stellen im Mund hatte, und sie war stark abgemagert, nur noch Haut und Knochen. Da ich mich um unser kleines Kind kümmern musste, konnte ich nicht arbeiten und meine Familie ernähren. Freunde rieten mir, eine andere Frau zu nehmen, doch dann bekamen wir Hilfe von Ärzte ohne Grenzen, und auch die Familie von Lorraine stand uns bei, deshalb tat ich das nicht."

Der Kampf gegen resistente Tuberkulose dauert lange

Die Behandlung von resistenter Tuberkulose ist mühselig und dauert ganze zwei Jahre. Wie in den meisten Ländern der Welt darf auch in Simbabwe nur medizinisches Fachpersonal Medikamente abgeben und die täglichen Injektionen verabreichen, welche während der ersten sechs MonateTeil der Behandlung resistenter Tuberkulose sind. Lorraine musste jeden Tag in die nächstgelegene Klinik gehen, die sieben Kilometer von ihrem Haus entfernt ist, sofern sie die Abkürzung durch die Savanne nahm. Jeden Tag musste Lorraine zwei Stunden im Dunklen zu Fuss gehen, um pünktlich um 7 Uhr in der Frühe in der Klinik zu sein. Eine Kraftanstrengung, geschwächt durch die Krankheit und sich die Lunge aus dem Leib hustend. "Aber dann wurde mir bei Ärzte ohne Grenzen gesagt, ich könne nun die Behandlung zu Hause fortsetzen, und das war eine Riesenerleichterung", sagt sie. Lorraine ist jetzt offiziell geheilt, und ihre Behandlung zuhause war eine wichtige Voraussetzung für sie, überhaupt so weit zu kommen.

Ärzte bringen Medikamente nach Hause

Als 2012 bei Lorraine die Diagnose gestellt wurde, hatte Ärzte ohne Grenzen nur ein Fahrzeug und machte damit die Runde bei den Patienten mit resistenter Tuberkulose: Von 8 Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags, ungefähr 350 km Fahrt auf unbefestigten Wegen, um zu  einen kleinen Hütte hier und zu jenem niedrigen Backsteinhaus dort zu gelangen. Aussteigen, Maske überziehen zum Schutz vor Ansteckung, Spritze setzen, überwachen, ob der Patient oder die Patientin die verschriebenen Pillen schluckt, in den Wagen springen, und nichts wie los zum nächsten Patienten. "Klar, es war hart, aber jetzt, wo wir zwei Fahrzeuge haben für unsere Runden, ist es einfacher", lacht Simbarashe Kamba, Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen, die von Beginn an dabei war.

Mehr Fälle dank verbesserter Diagnosemethode

Resistente Tuberkulose kam früher in Buhera selten vor; in manchen Jahren gab es überhaupt keinen Fall, manchmal einen, selten zwei. Da plötzlich, Mitte 2011, gab es von Monat zu Monat einen neuen Fall, manchmal sogar mehr. Was war der Grund? Ärzte ohne Grenzen hatte in Buhera ein neues Gerät eingesetzt, mit dem sich resistente Tuberkulose leicht nachweisen lässt, GeneXpert. Das nationale Gesundheitsprotokoll empfiehlt mittlerweile, dass jeder HIV-Patient mit verdächtigem Husten mit GeneXpert auf Tuberkulose getestet wird. Statistisch gesehen stellt Buhera mit 38 diagnostizierten Fällen von resistenter Tuberkulose innerhalb von drei Jahren im ländlichen Simbabwe eine Ausnahme dar. In den Nachbardistrikten sind nur ganz wenige Fälle nachgewiesen, in einigen gar keine. Aber sie verfügen auch nicht über GeneXpert. "Der grosse Unterschied ist, dass wir aktiv nach resistenter Tuberkulose Ausschau halten. Und wer genau hinschaut, der findet ," lautet das Fazit von Dr. Ye Htun Naing, Arzt von Ärzte ohne Grenzen in Buhera.

Ärzte ohne Grenzen arbeitete erstmals im Jahr 2000 in Simbabwe. Heute überwiegen die Bekämpfung von HIV/Aids und Tuberkulose.