Zentralafrikanische Republik

Auf der Flucht vor den Banditen

Zentralafrikanische Republik: Auf der Flucht vor den Banditen
Während auf nationaler Ebene noch über ein Friedensabkommen zwischen Rebellengruppen und Regierung verhandelt wird, einigten sich im Januar 2008 die Volksarmee für die Wiederherstellung der Republik und der Demokratie (APRD) und die Zentralafrikanischen Streitkräfte (FACA) auf einen Waffenstillstand für die nordwestliche Kabo-Region.

Tausende Familien kehrten in ihre Heimat zurück. Doch die Gewalt ist weiterhin präsent im Alltag der Bevölkerung.

Traditionell ziehen zahlreiche Nomadenstämme auf der Suche nach Weideland in die nördliche Zentralafrikanische Republik. Mit der örtlichen Bevölkerung treiben sie Handel mit Nahrungsmitteln. Gelegentlich jedoch brechen Konflikte aus, wenn das Vieh durch landwirtschaftlich genutzte Landstriche getrieben wird.

Vor allem aber machen bewaffnete Banditen, auch bekannt als die „Zaraguinas“, die Region unsicher. Sie nutzen das Fehlen von Autoritäten in der Region und die Schutzlosigkeit der Menschen aus. In den letzten Jahren mehrten sich immer brutalere Übergriffe.

Die „Zaraguinas“ überfallen Fahrzeuge, plündern Dörfer, zünden Häuser an, vergewaltigen Frauen und erschießen Männer.  Die Auswirkungen dieser neuen Form von Gewalt auf die Bevölkerung ähneln denen des Bürgerkriegs: die Vertreibungen gehen weiter.

Kabo ist eine kleinstädtische Siedlung von 10.000 Einwohnern im Norden der Zentralafrikanischen Republik, rund 60 Kilometer von der Grenze zum Tschad entfernt.

Der Ort profitiert von der Waffenruhe und bleibt von den Überfällen der „Zaraguinas“ verschont. So ist er für Tausende Menschen aus der weiteren Umgebung zu einem zeitweiligen Zufluchtsort geworden.

Pauline und ihr Mann Nestor verließen mit ihren sieben Kindern nach einem Angriff der „Zaraguinas“ ihr Dorf. Drei Tage lang versteckten sie sich ohne Nahrung und Wasser im Busch, bevor sie Kabo erreichten. Ihre Tochter Alphonsine (Mitte) wurde auf der Flucht am Bein verletzt.

Innocent ist erst fünf Jahre alt  –  und dennoch musste er bereits drei Mal fliehen. Die ersten beiden Male suchte die Familie im Busch und an anderen Orten in der Nähe ihres Dorfes Balteze Schutz. Der Waffenstillstand machte es ihnen möglich, jetzt nach Kabo zu gelangen.

Die örtlichen Behörden haben im Zentrum Kabos ein Gelände zur Verfügung gestellt, auf dem die Vertriebenen untergebracht werden. An diesem Ort sind die Familien in Sicherheit. Mit der Zeit organisieren sie sich in Nachbarschaften und stellen damit ein Stück Struktur ihrer Herkunftsorte wieder her.

Inés Yaya wurde diese Parzelle zugeteilt; hier errichtet sie eine Hütte für ihre vier Kinder.

Die Frauen tragen oft die gesamte Last. Sie kümmern sich um die Kinder und bearbeiten das Land, um die Familie zu ernähren.

Die Lebensbedingungen sind keineswegs optimal. Die Einwohnerzahl von Kabo hat sich in den letzten Monaten auf fast 20.000 verdoppelt, und es muss dringend mehr dafür getan werden, dass alle Neuankömmlinge untergebracht werden können.

Denn nicht nur Vertriebene kommen hier an, sondern auch Rückkehrer aus dem Tschad, die im Nachbarland nicht die erhoffte Hilfe fanden.

Ärzte ohne Grenzen und andere Hilfsorganisationen versorgen die Menschen mit Nahrung, Trinkwasser, Baumaterialien sowie Hygieneartikeln und medizinischer Hilfe.

Die Helfer versuchen, einem Anstieg der Mangelernährung und der Verbreitung von Krankheiten vorzubeugen. Die Regenzeit verschlechtert die Lebensbedingungen weiter und erhöht die Gefahr, dass Epidemien wie Cholera ausbrechen.

Seit Anfang 2008 setzt Ärzte ohne Grenzen sich auf nationaler und internationaler Ebene dafür ein, dass mehr humanitäre Hilfe die Vertriebenen in Kabo erreicht. Ungeachtet dieser Bemühungen mangelt es noch immer an einer effektiven Verwaltung des Lagers und der offiziellen Registrierung der Vertriebenen.

Zudem werden die Wanderungsbewegungen der Bevölkerung nicht ausreichend beobachtet: Dabei könnte dies helfen, die humanitäre Hilfe besser auf den Bedarf vor Ort abzustimmen.

Wie überall am Rande der südlichen Sahelzone, leben in Kabo unterschiedliche Kulturen und Religionen in einer zerbrechlichen Harmonie. Suleiman (weiß gekleidet), Vorsitzender der Bauern in Kabo und eine Bezugsperson für seine Gemeinde, vermittelt bei Interessenkonflikten zwischen beiden Seiten.

Dala Aberca, Anführer der Mbororo-Viehhirten, will sich in Kabo ansiedeln - wegen der Sicherheitslage, aber auch weil es hier Zugang zu Gesundheits- und Bildungsangeboten gibt.

Die Stadt ist im Wandel: Für die Vertriebenen bleibt Kabo nur eine vorläufige Zuflucht, sie träumen von der Rückkehr nach Hause. Doch traditionell nomadisch lebende Viehhirten beginnen, hier sesshaft zu werden. Sie alle versuchen jetzt, miteinander zu leben.