Tschad

Ärzte ohne Grenzen unterstützt Dörfer im Kampf gegen Mangelernährung

Mahamat Adoum ist sieben Monate alt. Seine Mutter brachte ihn in das 12 Kilometer von ihrem Dorf entfernte Kinderkrankenhaus von Ärzte ohne Grenzen, weil er erbrach und Durchfall hatte.

Seit 2010 ist Ärzte ohne Grenzen unter anderem in der Region Hadjer-Lamis im Westen des Tschad präsent. Nun bereitet sich die Hilfsorganisation auf den Höhepunkt der Nahrungsmittelkrise in einem der Länder der Sahelzone vor. Einheimische Gesundheitsberater unterstützen die Projekte, in dem sie rechtzeitig auf Engpässe reagieren und Nahrungsmittel für mangelernährte Kinder ausgeben.

Stolz steht Mahamad Adam vor dem Lager, das er verwaltet. Es besteht aus einem einzigen Raum, dessen vier Wände aus getrocknetem Schlamm errichtet wurden. Das Vordach aus Astwerk spendet zumindest ein wenig Schatten. Im Inneren befinden sich Vorräte an angereicherter Erdnusspaste. Dieses Produkt hat sich im Kampf gegen Mangelernährung bei Kindern immer wieder bewährt.

Gesundheitsberater helfen

Mahamad Adam ist für sein Dorf Michetiré und die angrenzenden Orte etwa hundert Kilometer nördlich von N'Djamena zuständig. Während mehrerer Stunden pro Woche macht er dort die Kinder ausfindig, die von schwerer akuter Mangelernährung betroffen sind und versorgt sie mit der nährstoffhaltigen Paste. Neben ihm sind rund zehn weitere Helfer in der Region von Hadjer Lamis im Einsatz.

"Wenn ich an die Tür klopfe, werde ich eigentlich immer freundlich empfangen. Die Leute sind froh über diesen neuen Service", erzählt er. Die Gesundheitsberater sind das erste Glied in der Betreuungskette, die Ärzte ohne Grenzen im Mai 2011 in Zusammenarbeit mit dem tschadischen Gesundheitsministerium gebildet hat.

Ambulante Gesundheitszentren

Die Menschen haben auch die Möglichkeit, zu einem der vier ambulanten Gesundheitszentren zu kommen, die Ärzte ohne Grenzen in der Region eingerichtet hat. Dort werden die Kinder von einer Pflegefachkraft untersucht. Wenn ihr Gesundheitszustand - abgesehen von ihrem unterdurchschnittlichen Gewicht - nicht wirklich alarmierend ist, können sie in ihr Dorf zurückkehren und sich von den lokalen Gesundheitsberatern mit Erdnusspaste versorgen lassen. Falls eine medizinische Komplikation auftritt, werden sie in das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Massakory geschickt, das sich am anderen Ende dieser Betreuungskette befindet.

Im Jahr 2010 hat die internationale medizinische Organisation einen Notfalleinsatz gestartet, um mit der schweren Nahrungsmittelkrise im ganzen Land fertig zu werden. Mehr als 19.000 Kinder wurden in Hadjer Lamis medizinisch versorgt. Als die Krise vorbei war, blieb Ärzte ohne Grenzen in der kleinen Stadt Massakory. Sie richtete dort direkt neben dem allgemeinen Krankenhaus des tschadischen Gesundheitsministeriums eine Kinderklinik mit 170 Betten ein.

Schwieriger Sommer?

Anfang März war die Klinik von Ärzte ohne Grenzen bereits vollständig ausgelastet, obwohl der Höhepunkt der Nahrungsmittelkrise erst für Juli erwartet wird. Die meisten Patienten werden in Zusammenhang mit Mangelernährung eingewiesen. In den verschiedenen Zelten, in denen die Kinder langsam wieder an Nahrung gewöhnt werden, gibt es schon fast keinen Platz mehr.

Die Geschichten der Patienten gleichen sich oft. "Mein Kind ist 16 Monate alt. Es fing an, sich zu übergeben und hatte Durchfall. Außerdem hatte es Ödeme. Ich habe es hierher gebracht. Jetzt geht es ihm wieder besser. Es ist viel lebendiger und fängt wieder an zu spielen, auch wenn es noch weit von seinem normalen Gewicht entfernt ist", erzählt eine Mutter.

Neue Wege

Muss man den wachsenden Zustrom von Kindern in die Klinik als Vorzeichen für ein weiteres schwieriges Jahr deuten? "Die Region Hadjer Lamis ist noch nicht von einer Nahrungsmittelkrise betroffen", antwortet Jacques Etienne, der Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Tschad. "Aber wie in der gesamten Sahelzone sind auch hier die letzten Ernten sehr gering ausgefallen, und wenn nichts dagegen unternommen wird, kann sich die Situation schnell verschlechtern."

Die Aktivitäten der Gesundheitshelfer in den Dörfern sollen das Krankenhaus entlasten. Im Augenblick steigt jedoch die Zahl der registrierten Kinder nicht weiter an, im Gegenteil. Trotzdem hat Ärzte ohne Grenzen damit begonnen, einem möglichen plötzlichen, starken Anstieg der Mangelernährung entgegenzuwirken und eine andere Variante angereicherter Erdnusspaste zu verteilen. In den nächsten Monaten werden Tausende von Kindern zwischen sechs Monaten und zwei Jahren mit dieser Paste versorgt. Eine Studie soll die Wirksamkeit solcher Verteilungsaktionen untersuchen. Zudem sind mehrere Impfkampagnen vorgesehen, um den teuflischen Kreislauf aus Krankheiten und Mangelernährung zu durchbrechen.