Griechenland

Ärzte ohne Grenzen setzt Arbeit in Internierungslager für nicht registrierte Migranten auf Lesbos fort

Untersuchung vor dem Auffanglager auf der Insel Lesbos: Ärzte ohne Grenzen hat die Aktivitäten wieder aufgenommen.

Ärzte ohne Grenzen hat die Aktivitäten im Auffanglager für nicht registrierte Migranten im Ort Pagani auf der Insel Lesbos wieder aufgenommen. Das Projekt konzentriert sich auf die Bereitstellung von psychologischer Hilfe für die Menschen, die in dem Lager festgehalten werden. In der ersten Augustwoche hat ein Team von Ärzte ohne Grenzen begonnen, mit einem Psychologen und einem Übersetzer in dem Lager zu arbeiten. Dort sind mehr als 800 Menschen untergebracht.

"Wir haben einen dringenden Bedarf an psychologischer Hilfe für viele Inhaftierte im Lager festgestellt. Die meisten von ihnen haben eine sehr schwierige und gefährliche Fahrt überstanden, um Griechenland zu erreichen, und sind mit einer ungewissen Zukunft konfrontiert", sagt Micky van Gerven, Landeskoordinatorin der Projekte für Migranten von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland. "Mit dem großen Zustrom nicht registrierter Migranten und der Entscheidung, sie für einen längeren Zeitraum festzuhalten, ist die Situation für die Menschen im Lager im Augenblick sehr schwierig. Mehr als 800 nicht registrierte Migranten, einschließlich Kindern und Schwangeren, leben dicht gedrängt in dem Lager, das für etwa 400 Menschen gebaut wurde."

Ärzte ohne Grenzen hat im Auffanglager von Pagani bereits von Juni bis September 2008 gearbeitet. Während dieser vier Monate hat ein Team von Ärzte ohne Grenzen Basisgesundheitsversorgung durchgeführt und den Menschen psychologische Unterstützung angeboten. Außerdem haben die Mitarbeiter Bauarbeiten durchgeführt, um die Lebensbedingungen zu verbessern. Dennoch hatte das Team große Schwierigkeiten, Zugang zum Lager und den Migranten zu bekommen, die dringend medizinische und psychologische Hilfe benötigten. Infolgedessen entschied sich Ärzte ohne Grenzen im September 2008, die Aktivitäten auszusetzen.

 

Verschlimmerung der Situation in den Lagern ist zu erwarten

Die Entscheidung von Ärzte ohne Grenzen, die Aktivitäten in Pagani fortzusetzen, folgte einer Einwilligung der nationalen und lokalen Autoritäten zur Zusammenarbeit und ihrer Verpflichtung, Ärzte ohne Grenzen Zugang zu den Migranten im Lager zu gewährleisten, damit die Mitarbeiter psychologische Hilfe anbieten können.

In den vergangenen Monaten hat Griechenland seine Reaktion auf die nicht registrierten Migranten im Land deutlich verstärkt. Täglich sind sie von der Polizei verhaftet worden, und die Auffanglanger sind überfüllt. "Die Entscheidung der griechischen Regierung, den Zeitraum der Internierung für nicht registrierte Migranten auf bis zu sechs Monate zu verlängern, wird die Situation in den Lagern definitiv verschlimmern. Wir können bestätigen, dass diese bedürftigen Menschen dringend zusätzliche Hilfe benötigen", sagt Micky van Gerven.

Trotz der Zerstörung des Lagers für Migranten in Patras, verfolgt Ärzte ohne Grenzen weiter die Situation der nicht registrierten Migranten in der Stadt und arbeitet mit mobilen Kliniken. Wenn nötig verteilen die Teams Gebrauchsgegenstände wie Hygienematerialien, Schlafsäcke und Behälter für Nahrungsmittel.

Ende August wird Ärzte ohne Grenzen beginnen, psychologische Hilfe in zwei oder mehreren Übergangslagern in Evros und Rodopi im Norden Griechenlands anzubieten.