Sri Lanka

Ärzte ohne Grenzen leistet medizinische Unterstützung für Tausende Vertriebene

77.000 Menschen aus der ehemaligen Konfliktzone im Norden Sri Lankas sind in nur fünf Tagen in dem Gebiet um die Stadt Vavuniya angekommen. Viele von ihnen benötigen dringend medizinische Unterstützung. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind Tag und Nacht aktiv.

Ungefähr 16.000 Menschen haben seit dem 16. Mai täglich den Checkpoint Omanthai passiert, der sich nahe der ehemaligen Frontlinie befindet. Ein vierköpfiges Team von Ärzte ohne Grenzen identifiziert in Omanthai die schwer Verletzten und Kranken, um sie umgehend in das Krankenhaus zu bringen. Andere Patienten werden stabilisiert.

„Wir behandeln so viele Menschen wie möglich direkt vor Ort, da das Krankenhaus vollkommen überbelegt ist,“ erklärte Alexa ter Horst, Ärztin von Ärzte ohne Grenzen, die in Omanthai arbeitet. „Es ist jedes Mal eine schwierige Entscheidung: Behandeln wir die Patienten vor Ort oder schicken wir sie in die Vertriebenenlager, in denen sie dann behandelt werden, oder schicken wir sie direkt in das Krankenhaus, in dem sich bereits vier Patienten ein Bett teilen?“

Jeden Tag werden durchschnittlich 20 Patienten in das Krankenhaus eingeliefert, nahezu 150 Patienten werden täglich von einem dreiköpfigen Team in der Klink nahe Omanthai behandelt. „Einer von uns geht durch die langen Reihen und überweist diejenigen in das Krankenhaus, die am schwersten verletzt sind,“ sagte Alexa ter Horst. „Die meisten Menschen, die aus der ehemaligen Konfliktzone kommen, haben Schusswunden. Viele von ihnen wurden in der Konfliktzone bereits chirurgisch behandelt. Einige Wunden sind alt und verheilt, andere bluten noch immer stark – entweder weil die Wunde frisch ist oder sich wieder geöffnet hat.“

Es ist schwierig, sich auf der Unfallstation im Krankenhaus in Vavuniya zu bewegen, da überall Menschen sind. Das Krankenhaus hat über 400 Betten, mittlerweile sind aber mehr als 1.900 Patienten untergebracht. Ärzte ohne Grenzen unterstützt die Mitarbeiter vom Gesundheitsministerium bei der Behandlung der Kranken und Verletzten.

„Ich habe in den letzten Tagen mehr als 30 chirurgische Eingriffe täglich vorgenommen,“ sagte Matthew Deeter, einer der beiden Chirurgen von Ärzte ohne Grenzen in Vavuniya. „Normalerweise mache ich fünf Operationen am Tag. Manchmal operieren meine Kollegen und ich am gleichen Patienten. Einer amputiert das Bein, der andere den Arm, oder einer behandelt die Wunden an den Füßen, und der andere die an der Brust. Die meisten Verletzungen sind leicht, aber viele Patienten haben mehr als nur eine Verletzung – einige haben 20 Verletzungen, verursacht durch eine Bombenexplosion.“

Die Priorität für Ärzte ohne Grenzen ist derzeit, die Verletzten zu behandeln, die aus der ehemaligen Kampfzone kommen. Ärzte ohne Grenzen leistet nicht nur im Krankenhaus in Vavuniya medizinische Hilfe, sondern unterstützt auch das Krankenhaus in der Stadt Pompaimadhu, ungefähr 10 Kilometer nordwestlich von Vavuniya. Darüber hinaus hat die Organisation im Lager Manik Farm, außerhalb von Vavuniya, ein Feldkrankenhaus errichtet, um nahezu 160.000 Vertriebenen in den umliegenden Lagern mit Nothilfe zu versorgen.