Pakistan

Ärzte ohne Grenzen leistet Hilfe in den von Überschwemmungen betroffenen Gebieten

In den Gebieten, in denen die Menschen vor den Fluten Zuflucht gesucht haben, gibt es nur ungenügende sanitäre Einrichtungen und wenig Wasser.

Nachdem heftige Monsunregen und der Zyklon Yemyin Ende Juni schwere Überschwemmungen in Pakistan ausgelöst haben, ist die Lage für die Bevölkerung immer noch sehr ernst. Mehr als 350.000 Menschen leben derzeit in Lagern. Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius und Mangel an sauberem Trinkwasser stellen eine Bedrohung für die Menschen dar. Da viele Straßen zerstört sind, stellt der Hilfseinsatz für Ärzte ohne Grenzen eine große logistische Herausforderung dar.

Am 26. Juni brach der Zyklon Yemyin mit heftigen Regenfällen und starkem Wind über den Süden Pakistans herein. Nachdem es vier Tage lang in den Provinzen Sindh und Belutschistan sintflutartig geregnet hat, sind geschätzte 2,5 Millionen Menschen von der Flutkatastrophe betroffen. Über 300 Menschen starben und hunderttausende sind obdachlos. Allein in Belutschistan wurden 19 von 29 Bezirken von den schwerwiegenden Überschwemmungen zerstört. Menschen in etwa 1.500 Dörfer leiden unter den durch die Überflutungen verursachten Schäden, 188 Menschen werden vermisst.

Die Wassermassen haben nicht nur die Trinkwasservorräte verschmutzt, sondern auch die Stromversorgung lahmgelegt. Außerdem wurden Häuser vernichtet, die Infrastruktur stark beschädigt und die Landwirtschaft großflächig zerstört.

Ärzte ohne Grenzen hilft mit mobilen Kliniken und hat ein Zentrum für die Behandlung von wässrigem Durchfall eingerichtet. Teams kümmern sich um die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und verteilen lebenswichtige Hilfsgüter wie Zelte, Decken, Hygienesets und Nahrungsmittel.

Brücken und Straßen sind verschwunden

Bei den Versuchen, die Betroffenen zu erreichen, kommt es zu ernsthaften logistischen Schwierigkeiten. "Das größte Problem sind die Straßen", sagt Tom Roth, der für Ärzte ohne Grenzen als Landeskoordinator in Pakistan ist. "Mit dem Auto zu reisen ist extrem schwierig, weil die Fahrzeuge im schlammigen Boden stecken bleiben. Brücken und ganze Straßen sind komplett verschwunden. Obwohl das Wasser zurückgegangen ist, sind viele Dörfer immer noch von jeglicher Hilfe abgeschnitten. Darüber hinaus sind viele Ernten durch die großflächigen Überschwemmungen zerstört worden. Obwohl es einige Lieferungen mit Nahrungsmitteln in die betroffenen Gegenden gab, sind wir besorgt, wie sich das anhaltende Problem der Nahrungsmittelbeschaffung in den nächsten Monaten entwickeln wird."

"Weil viele Menschen aus unsicheren Quellen Wasser trinken, behandeln wir nun viele Patienten mit wässrigem Durchfall", sagt Tony Marchand, Koordinator des Nothilfeeinsatzes von Ärzte ohne Grenzen in Turbat. Die Symptome ähneln der schweren, hochansteckenden Durchfallerkrankung Cholera. "In den Gebieten, in denen die vertriebenen Menschen in Zelten Zuflucht gefunden haben, gibt es nur mangelhafte sanitäre Einrichtungen, die Temperaturen erreichen oft 50 Grad und es gibt wenig Wasser. Hier ist die Situation äußerst ernst", betont Marchand.

Sauberes Trinkwasser für 60.000 Menschen

Ärzte ohne Grenzen hat 19 Laster nach Turbat, Pasni und Ormara geschickt. Die Mitarbeiter verteilen wichtige Hilfsgüter an die Familien, einschließlich Nahrungsmitteln, Kochutensilien, Hygienesets, Decken und Plastikbehälter. An einem der ersten Tage behandelte ein Ärzte ohne Grenzen-Team 270 Patienten, die an Durchfall oder Hautinfektionen erkrankt waren. Vier Menschen starben in Turbat an wässrigem Durchfall. Daraufhin eröffnete die Organisation ein spezielles Zentrum zur Behandlung dieser Erkrankung. Die Mitarbeiter kümmern sich im Durchschnitt täglich um 50 Betroffene. Darüber hinaus versorgen Teams in Ormara und Pasni Stadt 60.000 Menschen mit sauberem Trinkwasser.

In den Gegenden nahe der iranischen Landesgrenze haben die Ärzte ohne Grenzen-Teams ebenfalls mobile Kliniken bereitgestellt, die gezielt zu entlegenen und abgeschnittenen Orten aufbrechen. In anderen abgelegenen Regionen, wie zum Beispiel Biraja in Jhal Magsi, versuchen Teams die Menschen, die keinen Zugang zu medizinischer Behandlung haben, zu erreichen. Bislang konnte Ärzte ohne Grenzen 1.807 Patienten behandeln. Hiervon waren 85 Prozent Kinder, die unter fünf Jahre alt sind.

Die Mitarbeiter bieten auch medizinische Versorgung an, um das Gesundheitsministerium zu unterstützen. In Turbat verfügt Ärzte ohne Grenzen über Vorräte an Medikamenten und Materialien, um 50.000 Menschen für drei Monate zu behandeln. Zusätzlich stellt Ärzte ohne Grenzen dem Krankenhaus in Turbat zwei Krankenwagen, Ärzte und Krankenschwestern zur Verfügung.