Elfenbeinküste

Ärzte ohne Grenzen behandelt nach den jüngsten Gewaltausbrüchen Verletzte in Abidjan

Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen werden Verletzte im Krankenhaus Abodo Süd behandelt.

Am 17. März behandelten Teams von Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit dem ivorischen Gesundheitsministerium 66 Verwundete im Krankenhaus Abobo Süd, nachdem gewaltsame Auseinandersetzungen im dicht besiedelten Vorort-Gebiet von Abidjan ausgebrochen waren. Das Krankenhaus ist die einzig noch funktionierende medizinische Einrichtung in Abobo.

"Die Patienten - Männer, Frauen sowie Kinder - erlitten Schusswunden und Verletzungen durch Granatsplitter", berichtet Mego Terzian, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. "Acht von den 66 eingelieferten Patienten verstarben kurz nach ihrer Ankunft im Krankenhaus. Neun weitere Tote wurden hierher gebracht, so dass wir insgesamt 17 registrierte Todesfälle in diesem Krankenhaus zu verzeichnen haben."

Ein Großteil der Menschen ist im Konflikt gefangen

In den letzten Wochen haben die zunehmend intensiveren Auseinandersetzungen schwerwiegende Folgen für die Bevölkerung gehabt. Ein Großteil der Menschen ist im Konflikt gefangen. Seit Ende Februar leistet Ärzte ohne Grenzen medizinische Nothilfe im Krankenhaus Abobo Süd und steht dabei in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium. In den zwei Wochen vor dem 16. März behandelten die Teams 129 Patienten. Doch es ist nicht einfach für die betroffenen Menschen, Hilfe aufzusuchen, denn sie haben Angst, ihre Häuser zu verlassen. Aufgrund der Straßenblockaden, die von jungen Männern errichtet wurden, ist es gefährlich, sich in der Stadt zu bewegen.

Die Kämpfe haben zudem viele Menschen zur Flucht gezwungen. In den letzten Wochen haben Vertriebene aus Abidjan provisorische Lager an 24 Orten in und außerhalb der Stadt errichtet. Tausende weitere Menschen sind bei Gastfamilien untergebracht. Im Westen des Landes ist die Situation ähnlich: Viele Menschen haben im benachbarten Liberia Zuflucht gesucht und das lokale Gesundheitspersonal hat die Gesundheitseinrichtungen verlassen. Zudem herrscht ein Mangel an Medikamenten.

Sanktionen führen zu Mangel an Medikamenten und medizinischem Material

Die unsichere Lage erschwert den Zugang zur Bevölkerung, insbesondere in den Gebieten nahe der Konfliktzone. "In einem solchen Kontext müssen die Patienten Zugang zu medizinischer Hilfe haben und die medizinischen Teams müssen ihre Arbeit verrichten können. Es ist dringend notwendig, dass die Neutralität des medizinischen Personals sowie der Gesundheitseinrichtungen und Ambulanzen respektiert werden", sagt Terzian.

Zudem haben die wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen gegen die Elfenbeinküste seitens der internationalen Gemeinschaft sowie Transportprobleme zu einem Mangel an Medikamenten und medizinischem Material geführt. In vielen Regionen fehlt es in den Gesundheitsposten an Medikamenten für die Basisversorgung und für die Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen. Die Lieferung von medizinischem Material an die verschiedenen Gesundheitseinrichtungen durch Ärzte ohne Grenzen ist daher enorm wichtig, kann aber nicht alle Bedürfnisse im Land abdecken.

Ärzte ohne Grenzen ist eine humanitäre Organisation, die unabhängige medizinische Hilfe leistet und sich dabei strikt an das Prinzip der Neutralität hält. Die Hilfseinsätze in der Elfenbeinküste werden ausschließlich durch private Spenden finanziert, um eine vollkommene Unabhängigkeit zu gewährleisten. Im Westen des Landes bietet Ärzte ohne Grenzen in Duékoué, Guiglo und Bangolo Basisgesundheitsversorgung an und unterstützt verschiedene Krankenhäuser. Auch in der Region Nimba in Liberia leistet die Organisation medizinische Hilfe.