Japan

Psychologenteam arbeitet mit Tsunami- und Erdbeben-Opfern

Nach dem Gespräch mit einer Psychologin von Ärzte ohne Grenzen zeigt diese Frau Fotos ihres vermissten Kindes.

Bitte beachten Sie: Die Hilfsprojekte von Ärzte ohne Grenzen in Japan sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausfinanziert. Eine Ausweitung der Hilfsmaßnahmen von unserer Seite ist nicht geplant. In Japan sind jetzt in erster Linie Wiederaufbaumaßnahmen notwendig, die mehrheitlich durch die japanischen Behörden und Hilfsorganisationen im Entwicklungsbereich abgedeckt sind. Daher kann Ärzte ohne Grenzen zweckgebundene Spenden für Japan nicht mehr annehmen. Wir freuen uns aber über freie Spenden, die es uns ermöglichen, in anderen akuten Notfällen wie z.B. in Libyen oder der Elfenbeinküste schnell und effektiv zu helfen. Vielen Dank dafür!

Ein Team von sechs japanischen Psychologen hat seine Arbeit mit Überlebenden des schweren Erdbebens und des Tsunamis im Nordosten des Landes aufgenommen. Ärzte ohne Grenzen hatte einen Tag nach dem Beben und den Flutwellen ein Team in die betroffenen Gebiete geschickt und arbeitet seither kontinuierlich in diesem Gebiet.

Mithilfe kleiner und sehr mobiler Teams ermittelte Ärzte ohne Grenzen Menschen, die die massive nationale Hilfe noch nicht erreicht hatte und errichtete mobile Kliniken. Das Hauptanliegen des zwölfköpfigen Teams war die Behandlung chronischer Krankheiten bei Menschen, deren übliche Behandlung durch die Naturkatastrophe am 11. März unterbrochen worden war.

Zusätzlich zu den mobilen Kliniken in Minami Sanriku in der Präfektur Miyagi und in Taro in der Präfektur Iwate evaluierte das Team den weiteren Bedarf an Hilfe. Die Evaluierung ergab, dass der medizinische Bedarf von den nationalen Ärzten weitgehend abgedeckt wurde, aber Ärzte ohne Grenzen im Bereich der psychologischen Hilfe verstärkte Unterstützung anbieten konnte.

"Menschen haben eindringliche Erinnerungen an das Ereignis"

"Obwohl einige Menschen über Bewältigungsstrategien verfügen und mit der Situation, in der sie sich plötzlich befinden, umgehen können, gibt es andere, für die diese Bewältigung schwieriger ist", erklärte Ha Young Lee, Koordinatorin des psychologischen Teams von Ärzte ohne Grenzen, das am Dienstag die betroffene Region erreichte.

"Die Menschen haben eindringliche Erinnerungen an das Ereignis, Flashbacks, Alpträume. Es passiert, dass Menschen sich zurückziehen und sich nicht mitteilen. Manche von ihnen können nicht schlafen und essen. All diese Dinge können sie sehr verändern und großes Leid verursachen", so Ha Young.

Ha Young hat bereits nach dem Tsunami im Jahr 2005 in Banda Aceh und in einem Projekt für Flüchtlinge aus Nordkorea in Seoul für Ärzte ohne Grenzen gearbeitet. Sie wird ein Team bestehend aus sechs Psychologen des Japanischen Verbands klinischer Psychologen koordinieren.

Aktivitäten konzentrieren sich auf Kinder und ältere Menschen

Zu Beginn plant das Team seine Aktivitäten auf Kinder und ältere Menschen zu konzentrieren. Das erste Team, das am Dienstag ankam, bleibt zwei bis drei Wochen.

"Kinder sind besonders verwundbar. Für sie kann es schwierig sein zu verstehen, was vor sich geht. Sie haben nur eingeschränkt Raum, ihre Gefühle frei auszudrücken. Sie haben die Möglichkeit verloren, zu lernen und zu spielen", sagt Ha Young. "Wir werden uns ansehen, welche Art von Bewältigungsmechanismen bereits in der Gemeinschaft selbst entstanden sind und werden unsere Aktivitäten darauf aufbauen", erklärt die psychologische Koordinatorin.

Seit dem Start des Nothilfeeinsatzes am Tag nachdem Japan von Erdbeben und Tsunami getroffen wurde, hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 1.000 medizinische Behandlungen durchgeführt. Die Mehrheit der Patienten war älter als 60 Jahre und litt vor allem unter Bluthochdruck und Infektionen der oberen Atemwege.

Ärzte ohne Grenzen wird die Evaluierungen in den Provinzen Miyagi und Iwate, in denen die Teams arbeiten, fortsetzen und die Hilfsaktivitäten laufend an die Bedürfnisse der Bevölkerung anpassen.