Haiti

Chirurgische Versorgung in Port-au-Prince, mobile Hilfe in anderen Städten

Dialysebehandlung im General Hospital für Erbebenopfer, die am so genannten Crush-Syndrom leiden, bei dem starke Muskelverletzungen zu Nierenversagen und zum Tod führen können.

Der Schwerpunkt der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen für die Erdbebenopfer liegt nach wie vor auf Operationen in den Einrichtungen der Organisation in den größeren Krankenhäusern von Port-au-Prince. Zudem behandeln die Teams Patienten auch in anderen Städten. Mobiler Hilfe in der Hauptstadt, die Wasserversorgung und die Planung nachoperativer Pflege stellen die Teams vor neue Herausforderungen.

Mehr als 900 Patienten wurden bereits in den chirurgischen Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen behandelt. Die Anzahl von Patienten mit Nierenversagen infolge des sogenannten Crush-Syndroms, bei dem starke Muskelverletzungen zu Nierenversagen und zum Tod führen können, nimmt zu - sie erhalten lebensrettende Dialyse.

Medizinische Hilfe dorthin bringen, wo sie noch fehlt

In einigen Stadtteilen von Port-au-Prince arbeitet Ärzte ohne Grenzen jetzt auch mit mobilen Kliniken. Die Mitarbeiter sind in den Bezirken Carrefour Feulle und Delmas 77 unterwegs, um Menschen ausfindig zu machen, die dringend eine medizinische Behandlung benötigen. Ein weiteres Projekt wurde gestartet, um 7.000 Menschen, die durch das Erdbeben obdachlos geworden sind, mit Trinkwasser zu versorgen. Auch außerhalb der Hauptstadt gehen Teams in Gebiete, in denen medizinische Hilfe noch fehlt. In Leogane führen Teams Operationen und allgemeinmedizinische Konsultationen durch, während mobile Teams Regionen wie Grand Goave und Dufort besuchen. Dort wurden bereits 20 Menschen ausfindig gemacht, die dringende Operationen benötigen.

Es ist bereits jetzt klar, dass ein hoher Bedarf an Spezialisten für die langfristiger Nachbehandlung existiert. So werden unter anderem Physiotherapie und psychologische Unterstützung gebraucht. Ärzte ohne Grenzen ist dabei, entsprechende Teams für die längerfristige Nachversorgung zusammenzustellen.

Die Nachversorgung der Patienten wird lange dauern

"Es gibt so viele Menschen mit großen Wunden, offenen Brüchen und zerschmetterten Gliedmaßen. Je schneller man die Verletzungen behandeln kann, umso besser ist es für die Patienten", so Xavier Lassalle, medizinischer Berater von Ärzte ohne Grenzen. "Es wird aber Monate dauern, die Menschen nachzuversorgen. Die meisten Verletzten haben infizierte Wunden und werden sich mehreren Folgeoperationen unterziehen müssen, bis die Infektion abgeheilt ist. Viele werden zudem danach orthopädische und rekonstruktive Chirurgie benötigen."

Das Nachbeben vom Mittwoch hatte auch Auswirkungen auf die Einrichtungen, in denen Ärzte ohne Grenzen derzeit arbeitet: Im Carrefour Krankenhaus - einer zentralen Anlaufstelle für Chirurgie und allgemeinmedizinische Versorgung - ist das Team dabei, in der benachbarten Schule Platz für die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen zu schaffen. Es hatte sich herausgestellt, dass das Hauptgebäude des Krankenhauses nicht mehr völlig sicher ist. Zudem wurden auf dem Gelände des Krankenhaus zusätzliche Zelte errichtet. Techniker haben nach dem schweren Nachbeben auch die Stabilität des Choscal- und des Pacot-Krankenhauses überprüft: Das Choscal-Krankenhaus ist sicher genug, um dort weiterhin Operationen durchzuführen. Dennoch bleiben die Patienten aus Angst vor weiteren Nachbeben lieber in Zelten vor dem Krankenhaus. Beim Pacot-Krankenhaus besteht die Gefahr eines Einsturzes, daher organisiert das Team den Transfer der Patienten an einen anderen Ort. Der Aufbau des aufblasbaren Krankenhaues von Ärzte ohne Grenzen geht voran - die Helfer bereiten sich auf die logistische Herausforderung vor, diejenigen Patienten, die noch operiert werden müssen, in die neuen Abteilungen dieses 100-Betten-Krankenhauses zu verlegen.