Die Situation in den Palästinensischen Gebieten
Systematische Gewalt, gezielte Angriffe auf Zivilist*innen und medizinische Infrastruktur, Blockade und Instrumentalisierung von humanitärer Hilfe: Im Gazastreifen ereignet sich seit über 2 Jahren eine menschengemachte Katastrophe.
Auch im Westjordanland wird der Raum, in dem die Palästinenser*innen ihr Leben gestalten können, immer kleiner: Einsätze des israelischen Militärs, Beschlagnahmung von Wohnungen, Zerstörung von wichtiger Infrastruktur, zunehmend brutalere Siedlergewalt ohne Konsequenzen und unsicherer Zugang zu Gesundheitsversorgung prägen den Alltag.
Seit Oktober 2023 wurden im Gazastreifen mehr als 72.300 Menschen getötet und mehr als 172.200 verletzt – im Westjordanland waren es im gleichen Zeitraum mehr als 1.000 Tote und 11.500 Verletzte. (OCHA, 15.04.2026) Unsere Teams leisten lebensrettende Nothilfe, solange uns das unter den zunehmenden Einschränkungen möglich ist.
So helfen wir
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1989 in den Palästinensischen Gebieten aktiv. Aktuell sind wir dort mit mehr als 1.600 palästinensischen Mitarbeiter*innen im Einsatz, unsere internationalen Mitarbeitenden unterstützen von unserem Standort in Amman, Jordanien, aus.
Seit dem brutalen Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und der darauffolgenden systematischen Gewalt gegen die Palästinenser*innen - bis hin zum Genozid - haben wir:
Wir fordern
Unabhängige humanitäre Hilfe zulassen und massiv ausweiten!
Die Einfuhr von Gütern uneingeschränkt möglich machen!
Den Waffenstillstand einhalten!
Medizinisches Personal, Patient*innen und Gesundheitseinrichtungen schützen!
- Systematische ethnische Gewalt und Zwangsvertreibung im Westjordanland stoppen!
Eine menschengemachte Katastrophe
Wir spüren, wie der Raum, in dem wir leben, uns bewegen und unser Leben gestalten können, immer kleiner wird – während die Welt zuschaut.
Yasmin Mohammad, Gesundheitsberaterin in Hebron
Häufig gestellte Fragen
Wir arbeiten im Gazastreifen an ca. 20 Standorten und im Westjordanland an 4 Orten. Ärzte ohne Grenzen betreute 2025 jedes fünfte Krankenhausbett im Gazastreifen, war bei jeder dritten Geburt beteiligt und stellte 700 Millionen Liter Trinkwasser zur Verfügung. Gleichzeitig übersteigt der Bedarf bei weitem das, was wir leisten können.
Am 31. Dezember ist unsere Registrierung für die Arbeit im Gazastreifen und im Westjordanland ausgelaufen (siehe nächster Punkt). Aktuell setzen wir unsere Arbeit fort, so gut es geht – auf Basis unserer Registrierung bei den palästinensischen Behörden. Wir sehen allerdings bereits erste Auswirkungen auf unsere Aktivitäten. Seit Anfang Januar werden wir von den israelischen Behörden daran gehindert, internationales Personal und Hilfsgüter in die Palästinensischen Gebiete zu bringen.
Die Mengen an Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern, die sich derzeit noch im Gazastreifen befinden, reichen bei Weitem nicht aus, um den enormen Bedarf zu decken.
Unsere Registrierung bei den israelischen Behörden für die Arbeit im Gazastreifen und im Westjordanland ist am 31. Dezember 2025 ausgelaufen und wurde nicht erneuert. Unsere Teams leisten auf Basis unserer weiterhin gültigen palästinensischen Registrierung weiter dringend benötigte Hilfe vor Ort, allerdings erschwert die fehlende Registrierung bei den israelischen Behörden unsere Arbeit, da wir u.a. keine Hilfsgüter mehr in den Gazastreifen einführen können und auch unser internationales Personal nicht in den Gazastreifen und das Westjordanland einreisen kann.
Hier finden Sie alle wichtigen Informationen rund um unsere Registrierung in den besetzten Palästinensischen Gebieten.
Unsere palästinensischen Mitarbeitenden im Gazastreifen und im Westjordanland leisten weiterhin lebensnotwendige Hilfe, die durch Spenden ermöglicht wird. Wie in anderen Kontexten auch, gilt: Sollte sich zeigen, dass wir Spenden nicht entsprechend dem angegebenen Spendenzweck verwenden können, nehmen wir Kontakt mit Ihnen auf.
Ärzte ohne Grenzen hatte ursprünglich am 20. Januar 2026 die schwierige Entscheidung getroffen, alle nicht lebensnotwendigen medizinischen Aktivitäten im Nasser-Krankenhaus, der größten noch funktionierenden medizinischen Einrichtung im Gazastreifen, auszusetzen. Grund sind Bedenken hinsichtlich der Verwaltung der Einrichtung, der Wahrung ihrer Neutralität und Sicherheitsverstöße. Ab dem 13. April 2026 nehmen unsere Teams im Gazastreifen die Kernaktivitäten im Nasser-Krankenhaus wieder auf.
Hier finden sie alle wichtigen Informationen rund um unsere Aktivitäten im Nasser-Krankenhaus.
Wir sind zutiefst erschüttert über die Gewalt und die Massaker der Hamas und verurteilen die Angriffe auf Israel und die Geiselnahmen. Wir haben zudem alle Konfliktparteien wiederholt aufgefordert, den Schutzstatus medizinischer Einrichtungen zu respektieren, eine ausreichende Versorgung der Menschen mit humanitärer Hilfe sicherzustellen und auf einen Waffenstillstand hinzuarbeiten. Als medizinische Hilfsorganisation haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, über das zu berichten, was wir in den Gebieten, in denen wir tätig sind, direkt beobachten. Deshalb haben wir uns immer wieder zu dem anhaltenden Genozid im Gazastreifen geäußert. Wir erheben unsere Stimme, wenn wir unerträgliches Leid und Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen sehen. Gleiches gilt, wenn wir miterleben, wie Menschen der Zugang zu medizinischer Versorgung verweigert wird und Kriegsparteien es versäumen, Zivilist*innen zu schützen.
Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium im Gazastreifen
Wie überall auf der Welt, wo wir arbeiten, kooperieren wir auch im Gazastreifen mit den lokalen Gesundheitsbehörden. Das von der Hamas geführte Gesundheitsministerium im Gazastreifen ist Teil der zivilen Verwaltung. Wir arbeiten aber auch dort strikt nach den humanitären Prinzipien der Neutralität und Unparteilichkeit und bieten medizinische Versorgung ausschließlich basierend auf dem Bedarf an. Das Gesundheitsministerium kann uns keine Weisung geben. Wir machen ein Angebot, beispielsweise für die Errichtung eines provisorischen Krankenhauses oder die Übernahme der Aktivitäten auf einer Station eines bestehenden Krankenhauses, und das wird dann von allen Seiten akzeptiert - also vom palästinensischen Gesundheitsministerium und auch von den israelischen Behörden.
Aktuelle Vorwürfe der israelischen Regierung
Die israelische Regierung wirft drei unseren Mitarbeitern „Verbindungen zur Hamas” vor. Alle drei wurden getötet und der Verdacht wurde unserer Organisation erst nach ihrem Tod gemeldet. Sofern die israelischen Behörden über verlässliche Informationen über eine Beteiligung von Mitarbeitenden von Ärzte ohne Grenzen an militärischen Aktivitäten verfügten, haben sie diese vor deren Tod niemals an uns weitergegeben. So haben wir weder darauf reagieren noch die Situation prüfen können.
Wir würden niemals wissentlich Personen beschäftigen, die an militärischen Aktivitäten beteiligt sind – das widerspricht unseren grundlegenden Werten und unserer Ethik. Für Hilfsorganisationen wäre ein Mitarbeiter mit Verbindungen zu bewaffneten Gruppen ein enormes Risiko und absolut inakzeptabel. Eine solche Person würde die anderen Mitarbeitenden und unsere Patient*innen gefährden - und ihre Sicherheit hat für uns oberste Priorität. Es ist in unserem ureigenen Interesse, nicht als Konfliktpartei gesehen zu werden. Um derartiges zu verhindern, gibt es bei uns klare Prozesse bei der Einstellung von Mitarbeitenden, bei denen Lebensläufe und Kompetenzen überprüft werden. Im Gazastreifen kommen noch weitere Prüfungen hinzu. Als humanitäre Organisation sind wir zur Unparteilichkeit verpflichtet. Unsere Prinzipien und Werte sind in der Charta von Ärzte ohne Grenzen festgehalten und alle Mitarbeitenden müssen sich ihr schriftlich verpflichten. Bei Verstößen reagieren wir schnell und konsequent.
Wir verwenden diesen Begriff nicht leichtfertig. Was unsere Teams im Gazastreifen seit Oktober 2023 sehen und erleben, lässt für uns jedoch keine andere Schlussfolgerung mehr zu, als dass die palästinensische Bevölkerung dort vorsätzlich vernichtet werden soll. Wir sehen: gezielte Angriffe der israelischen Armee auf Zivilist*innen, ziviles Leben (Schutzunterkünfte, Schulen) und zivile Infrastruktur (Wasseraufbereitungsanlagen, Nahrungsmittelproduktion) im Gazastreifen; die fast vollständige Zerstörung der medizinischen Infrastruktur; die politisch gewollte Blockade dringend benötigter Hilfsgüter, insbesondere von Nahrungsmitteln, Mitteln zur Wasseraufbereitung und medizinischen Gütern; die gewaltsame Vertreibung und damit Umsiedlung der Menschen durch sogenannte Evakuierungsbefehle; und die Instrumentalisierung von humanitärer Hilfe für militärische und politische Zwecke. All diese Maßnahmen entziehen den Palästinenser*innen in Gaza systematisch die Lebensgrundlagen und greifen sie gezielt an. Wir halten es für unsere moralische und humanitäre Pflicht, das klar zu benennen. Deshalb sprechen wir von Genozid – und auch ein Waffenstillstand bedeutet nicht unbedingt dessen Ende.
Ein Genozid kann auch mit anderen Mitteln begangen werden, beispielsweise durch die Verweigerung von Lebensgrundlagen wie Zugang zu Nahrung, Wasser, medizinischer Versorgung und sicherer Unterkunft. Eine genaue Beobachtung der humanitären Hilfe und Anzeichen einer möglichen Wiederaufnahme der Gewalt ist jetzt unerlässlich.
Zuletzt aktualisiert am 22. April 2026
So können Sie helfen
Wir bieten Ihnen vielseitige Möglichkeiten, unsere humanitäre Arbeit zu unterstützen.