Direkt zum Inhalt
Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in Äthiopien

Jetzt spenden

Spendenbetrag

Meine Spende wird dort eingesetzt, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird.

Die aktuelle Situation in Äthiopien

Seit November 2020 wird in der Region Tigray im Norden Äthiopiens gekämpft. Hunderttausende Menschen mussten deshalb ihre Heimat verlassen. Seither leben sie als Vertriebene im eigenen Land oder sind in den benachbarten Sudan geflohen. Oft mangelt es ihnen an Nahrung und Wasser; medizinische Versorgung fehlt. Plünderung und mutwillige Beschädigung haben das einst relativ gut funktionierende Gesundheitssystem in Tigray zerstört. Auch in anderen Teilen des Landes wie in Gambela oder der Somali-Region sind Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Menschen sind mangelernährt, erkranken an Malaria oder werden von Giftschlangen gebissen.

Zurzeit müssen wir leider auf Anordnung der äthiopischen Behörden alle Hilfsprojekte in den Regionen Amhara, Gambela und Somali sowie im Westen und Nordwesten von Tigray aussetzen. Patient*innen mussten deshalb kurzfristig aus Kliniken entlassen werden. Das bedeutet, dass die Menschen in den betroffenen Gebieten nun noch weniger Zugang zu medizinischer Versorgung haben als ohnehin bereits. Im Westen und Nordwesten von Tigray ist die Lage für die Menschen äußerst prekär und unberechenbar. Besorgt sind wir auch um die vielen südsudanesischen Geflüchteten in der Region Gambela.

Wie wir in Äthiopien helfen

  • Wir bieten Geflüchteten und Vertriebenen medizinische und psychologische Hilfe und leisten Geburtshilfe.
  • Wir betreiben mobile Kliniken in Kleinstädten und Dörfern, in denen das Gesundheitssystem nicht funktioniert, sowie an Orten, an denen sich viele Vertriebene aufhalten.
  • Wir behandeln Cholera, Masern und Malaria sowie vernachlässigte Gesundheitsprobleme wie die Folgen von Schlangenbissen und die Infektionskrankheit Kala-Azar.

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Jetzt spenden

Warum wir in Äthiopien helfen

Image
Mitarbeiter behandelt eine Patientin in mobiler Klinik in der Somali-Region
Unser Mitarbeiter Hussein Abdirahman behandelt eine Patientin in unserer mobilen Klinik im Dorf Hogdugaag.
©Susanne Doettling/MSF

In Äthiopien leben rund 800.000 Geflüchtete aus benachbarten Ländern. Dazu kommen fast zwei Millionen Menschen, die innerhalb des Landes vertrieben wurden, wie zuletzt in Tigray. Es fehlt ihnen oft an Grundlegendem: Nahrungsmitteln, sicheren Unterkünften, sauberem Wasser und medizinischer Versorgung.

Bereits vor Ausbruch der Kämpfe in Tigray waren in Äthiopien eine Million Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Wiederkehrende Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Dürre, wie in der Somali-Region, führen zu Ernteausfällen. Kampfhandlungen machen vielerorts das Einbringen der Ernte unmöglich und zuletzt zerstörte eine Heuschreckenplage die Ernte in einigen Regionen Äthiopiens. Besonders schwierig ist die Situation für die Menschen in ländlichen Gebieten.

Neben Mangelernährung, Flucht und Vertreibung ist in einigen Regionen das Risiko besonders hoch, an einer vernachlässigten Krankheit wie Kala-Azar zu erkranken oder von einer Schlange gebissen zu werden. Wir sind in verschiedenen Regionen des Landes im Einsatz, um den Menschen in dieser Situation zu helfen. Dazu zählen Tigray, Gambella, die Somali-Region und Amhara.

Ärzte ohne Grenzen arbeitete zum ersten Mal im Jahr 1984 in Äthiopien.

  • 68.5
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 64.7
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 890
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 15.5
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Unsere Hilfe in Äthiopien 2020

  • 79.600 ambulante Sprechstunden

  • 6.360 stationäre Aufnahmen

  • 5.210 psychologische Einzelgespräche

  • 4.010 Entbindungen

  • 38 pädiatrische Aufnahmen in stationäre Ernährungsprogramme

Image
Patient*innen und Mitarbeiter im Gespräch.
Ayana ist mit ihrem fünfjährigen Sohn aus Dansha nach Shire geflohen. Hier werden die beiden von unserem Mitarbeiter beraten.
©Claudia Blume/MSF

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Jetzt spenden

Gambella: Hilfe für Geflüchtete aus dem Südsudan

In der Hoffnung auf einen sicheren Ort zum Leben und ausreichend Nahrung verlassen viele Südsudanes*innen ihre Heimat in Richtung Äthiopien. Allein in der Region Gambella leben mehr als 337.000 südsudanesische Geflüchtete. Bereits seit mehreren Jahren versorgen wir diese Menschen in den Camps in Kule und Tierkidi. Seit Februar 2021 leisten wir außerdem in Pagak medizinische Hilfe.

Image
Südsudan: Zwillingen mit Mangelernährung Gamella
Kuichang Reau kam mit ihren mangelernährten Zwillingen in unsere Klinik.
©Susanne Doettling/MSF

Mehr als 10.000 Asylbewerber*innen sind aus dem Südsudan nach Pagak geflohen: Sie leben in heruntergekommenen Gebäuden, sie schlafen im Freien ohne jeglichen Schutz. Die hygienischen Bedingungen sind schlecht. Da die wenigen verfügbaren Latrinen oft überfüllt sind, verrichten viele Menschen ihre Notdurft im Freien. Allein im Februar und März 2021 behandelten unsere Teams 1.233 Kinder mit akutem wässrigem Durchfall. Hinzu kommen Malaria und Atemwegsinfekte. Da die Menschen so eng zusammenleben, ohne Masken und angemessene Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle, können sich Covid-19 und andere übertragbare Krankheiten schnell verbreiten.

Tigray: Vertrieben und allein gelassen

Es gibt keine Lebensmittel im Dorf. Unsere Felder sind geplündert worden. Einige unserer Frauen wurden vergewaltigt. Wir sind seit zwei Monaten im Wald und haben noch immer Angst,“

berichtet uns ein Bauer aus der Umgebung von Shire.  

Image
Frau und Kind im Vertriebenencamp in Shire.
Einer unserer Mitarbeiter spricht mit einer Frau und ihrem Kind in einem der Vertriebencamps in Shire, Tigray.
©Claudia Blume/MSF

Wegen der anhaltend instabilen Sicherheitslage in der Region Tigray bleiben die Menschen mit ihren wenigen Habseligkeiten, die sie auf der Flucht mitnehmen konnten, in Notunterkünften. Oder verstecken sich auf Baustellen, in der Natur oder in den Räumlichkeiten alter Schulen oder auf dem Campus der Universität in Shire. Teilweise sind die Hygieneverhältnisse schlecht und sie müssen auf dem Boden schlafen.

Das einst relativ gut funktionierende Gesundheitssystem in Tigray wurde weitgehend zerstört. Nach Ausbruch der Kämpfe begannen wir daher damit fünf Krankenhäuser und zahlreiche Gesundheitsstationen mit Material auszustatten. An 25 Orten haben wir seit Beginn der Kämpfe mit mobilen Teams mehr als 10.000 Patient*innen behandelt. Zudem haben unsere Teams Hilfsgüter verteilt, die Wasserversorgung verbessert, Sanitäranlagen aufgebaut und psychologische Hilfe geleistet.

In den Kliniken haben wir beobachtet, dass viele unserer Patient*innen infolge von Atemwegserkrankungen sterben. Mangels Tests können wir jedoch nicht überprüfen, ob sie infolge einer Infektion mit dem Coronavirus sterben. Viele Menschen sind durch die Flucht, die erlebte Gewalt und den Verlust von Familienmitgliedern und die schlechten Lebensbedingungen traumatisiert. So bieten wir beispielsweise Beratungs- und Aufklärungsgespräche für Vertriebene an, die sexualisierte Gewalt erfahren haben.

Die Situation in Tigray ist auch für humanitäre Helfer*innen gefährlich: Ende Juni 2021 wurden drei Mitarbeiter*innen von Ärzte ohne Grenzen in Tigray ermordet. Wir trauern um unsere Kolleg*innen und mussten unsere Hilfe in der betroffenen Region aus Sicherheitsgründen einschränken. Wir verurteilen diesen Angriff auf das Schärfste und werden nicht nachlassen, um herauszufinden, was geschehen ist.

Somali-Region: Mobile Kliniken für Nomad*innen

Image
Gemeindevorsteher und Mitarbeiterin im Gespräch
Der 75-jährige Hassan ist einer der Gemeindevorsteher im Dorf Ton-Habalan. Er berichtet unserer Mitarbeiterin, dass es den Menschen in seiner Gemeinschaft an Wasser und Nahrung fehlt.
©Susanne Doettling/MSF

Mit mobilen Kliniken können wir Menschen in entlegenen Gebieten medizinisch versorgen, so wie in der Somali-Region im Osten Äthiopiens. Denn auf der Suche nach fruchtbarem Boden und Weideland ziehen die Menschen in der Region umher. An etwa 15 Orten sind wir mit unseren mobilen Kliniken regelmäßig vor Ort. Zusätzlich haben wir ein Netzwerk aus “Tee-Teams” aufgebaut. Sie übernehmen die Aufgabe eines dynamischen, gemeindebasierten Kontroll- und Reaktionssystems. Ihren Namen haben die Tee-Teams vom süßen, schwarzen Tee, der traditionell mit Kamelmilch bei somalischen Treffen serviert wird.

Die “Tee-Teams” sind im engen Austausch mit den Gemeinschaften und unseren Teams. Dank ihrer Arbeit erfahren wir frühzeitig davon, wenn Krankheiten ausbrechen oder plötzlich vermehrt Kinder sterben, ohne dass die Ursachen für ihren Tod bekannt sind. Epidemien können so früh erkannt werden und unsere Teams medizinisch helfen. Ein erstes Anzeichen für einen Cholera-Ausbruch sind eine plötzlich erhöhte Zahl von Durchfallerkrankten, die oft – gerade bei Kindern – zum Tode führt, weil der starke Durchfall zu Dehydrierung führt. Die Aufgabe der “Tee-Teams” ist es, uns auf solche Fälle aufmerksam zu machen.

Behandlung von Kala-Azar und Schlangenbissen

Die vernachlässigte Tropenkrankheit Kala-Azar ist im nördlichen Teil Äthiopiens endemisch und für die Betroffenen oft tödlich. In unserem Projekt in Abdurafi widmen wir uns der Krankheit. Mit einer klinischen Studie wollen wir gemeinsam mit den äthiopischen Gesundheitsbehörden und nationalen und internationalen Universitäten bessere Behandlungsmethoden finden. Wegen der Krise in Tigray mussten wir die Studie jedoch vorübergehend aussetzen.

Image
Kala-Azar-Patient*in wird von zwei Mitarbeiter*innen untersucht.
Dr. Ernest Nshimiyimana und Leya Haileyesus untersuchen Kala-Azar-Patient*innen in unserem Gesundheitszentrum in Abdurafi.
©Susanne Doettling/MSF

Eine weitere Gefahr für die Menschen in Äthiopien sind Schlangenbisse. Allein 2020 behandelten wir in Abdurafi durchschnittlich 60 Patient*innen pro Monat, die von Schlangen gebissen wurden. Mit Antiseren können wir Betroffenen helfen, entscheidend ist eine schnelle Behandlung. Doch oft sind die Wege bis zur nächsten medizinischen Einrichtung weit, sodass die Menschen stundenlang unterwegs sind, bevor sie Hilfe bekommen.

Wir sehen die Auswirkungen auf die Betroffenen, ihre Familien und ihre Gemeinden: Wer überlebt, trägt oft schwere körperliche Folgen davon und wird ausgegrenzt. Hilfe gibt es für die Betroffenen viel zu wenig. Gegengifte sind oft teuer oder schlicht nicht verfügbar. Denn für viele Pharmaunternehmen ist die Herstellung der Seren kein lukratives Geschäft. Nicht alle Betroffenen benötigen ein Gegengift: Manche Patient*innen behandeln wir mit Schmerzmitteln, Bluttransfusionen oder dem Hochlagern von betroffenen Gliedmaßen und versorgen Wunden und Folgeerkrankungen.

Weltweit werden jährlich rund 2,7 Millionen Menschen von Giftschlangen gebissen. 100.000 sterben daran und weitere 400.000 tragen bleibende Gewebeschäden und Behinderungen davon.

 

12. September 2021