Unsere Hilfe in Äthiopien

Die Zerstörung der Gesundheitseinrichtungen in der Region Tigray ist immens, die Versorgungslage der Menschen macht uns große Sorgen. Wir leisten umfangreich Hilfe - nicht nur medizinisch.

Im November 2020 kam es im Norden Äthiopiens zu Kämpfen im Bundesstaat Tigray. Hunderttausende Menschen mussten aufgrund der militärischen Eskalation fliehen. Sie leben seither als Vertriebene im eigenen Land oder flohen in den benachbarten Sudan. Ihre Versorgungslage –  ist besorgniserregend. Wir helfen den Menschen sowohl auf äthiopischer wie auf sudanesischer Seite in großem Umfang. Außerdem sind wir unter anderem in der Region Gambela im Einsatz, wo wiederum viele Geflüchtete aus dem Sudan in Camps leben. 

Bereits vor Ausbruch der Kämpfe in Tigray waren dort eine Million Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Eine Heuschreckenplage hatte die Ernteerträge reduziert. Die Kampfhandlungen haben es dann zudem vielerorts unmöglich gemacht, die Ernte einzubringen. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge benötigen weitere 1,3 Millionen Menschen in den Bundesstaaten Tigray, Amhara und Afar Hilfe. Besonders schwierig ist die Lage in ländlichen Gebieten.  

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Tigray: Zerstörtes Gesundheitssystem macht umfangreiche Hilfe nötig 

“Wir beobachten seit Beginn der Krise, dass Menschen vertrieben werden, aber nie waren es so viele“, sagt unsere Nothilfekoordinatorin Esperanza Santos. „Diejenigen, die ihre Häuser verlassen mussten, wurden bisher von den Bewohner*innen der aufnehmenden Orte unterstützt. Doch das hat sich geändert. Sie sind in die Städte im Zentrum und im Osten von Tigray geflohen.” So hat sich die Zahl der Menschen in den provisorischen Camps in der Stadt Axum innerhalb eines Monats auf 77.000 verfünffacht, in Adwa auf 117.000 verdreifacht und in Shire auf 35.000 verdoppelt. “Es ist eine extrem besorgniserregende Situation, da wir keine angemessene Reaktion der internationalen Organisationen darauf bemerken, wie die grundlegenden Bedürfnisse dieser Menschen gestillt werden können, dazu gehören vor allem Wasser, sanitäre Anlagen, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung“, berichtet Santos. 

„Die derzeitige Situation gleicht einem Pulverfass“ 

Unser Notfallkoordinator Ozan Agbas in Shire ist ebenfalls alarmiert: „Die derzeitige Situation gleicht einem Pulverfass. Wir sind außerdem besorgt, dass während der bevorstehenden Regenzeit Krankheiten wie Cholera, Malaria und Durchfallerkrankungen ausbrechen könnten. Es gibt schon jetzt Fälle von Malaria. Gerade die Kinder sind in keinem guten Ernährungszustand. Außerdem wurden diese Menschen in den vergangenen Monaten nicht mehr geimpft.“  

Agbas erzählt weiter: „Viele wurden in der westlich gelegenen Region zwei oder drei Mal vertrieben, bevor sie in Shire ankamen. Sie sprachen von schweren Gewalttaten, die sie erlebt hätten oder bezeugen könnten. Einige von ihnen sagten uns, dass ihnen direkt befohlen wurde, zu gehen. Andere sagen, dass ihnen in der Nacht ein Zettel unter der Tür durchgeschoben worden sei, in dem sie aufgefordert worden seien, ihr Zuhause innerhalb von 24 Stunden zu verlassen.“ Im März wurde auch eines unserer Teams Zeuge einer Erschießung von Zivilisten in Tigray und selbst angegriffen. 

Viele haben monatelang keine Ärzt*in gesehen – Unsere Hilfe im Überblick 

Wir haben in Shire eine dritte Klinik eingerichtet, in der unsere Mitarbeiter*innen eine Basisgesundheitsversorgung anbieten und Schwangere, Kleinkinder und ihre Mütter behandeln sowie psychologische Unterstützung leisten. Mobile medizinische Teams besuchen die 14 informellen Vertriebenen-Camps und leisten insbesondere Hilfe für die Neuankommenden. Wir haben Trinkwassertanks installiert und Toiletten gebaut sowie Hygieneartikel und andere Hilfsgüter verteilt. Ähnliche Projekte gibt es auch für die Vertriebenen in den Städten Sherero, Axum, Adwa, Abi Adi und Adigrat.  

Wir versorgen auch vertriebene Menschen am Fluss Tekeze per Lastwagen mit Trinkwasser, die dort auf ihren Transport in eine der Städte warten. Im Tigray gibt es allerdings noch immer Regionen, zu denen bislang weder wir noch andere Organisationen Zugang erlangen konnten.  

Unterstützung für äthiopische Geflüchtete im Sudan 

Mehr als 60.000 Menschen sind aus Tigray in den Sudan geflohen. Dort unterstützen wir die Menschen u.a. in Camps. Besonders am Grenzübergang in Hamdayet ist die Versorgung mit Unterkünften, Nahrung, Wasser und Sanitäranlagen unzureichend. Dort drohen in der aufkommenden Regenzeit Überschwemmungen und damit auch die vermehrte Verbreitung von Infektionskrankheiten. Es ist ein Rennen gegen die Zeit, rechtzeitig Latrinen und eine ausreichende Wasserversorgung aufzubauen.  

Region Gambella: Situation von Geflüchteten aus dem Südsudan 

Wir machen uns auch Sorgen um Geflüchtete in einer andere Region Äthiopiens: Tausende aus dem Südsudan geflüchtete Menschen harren in Aufnahmezentren in der Region Gambella aus. Die Bedingungen, unter denen sie dort leben, sind erschreckend. Grundlegende Hilfe fehlt, vor allem aber Nahrungsmittel. Wir unterstützen die Menschen mit medizinischen Angeboten. Auch dort ist eine weitere Verschlechterung der Lage Regenzeit zu befürchten. 

9. April 2021 

*Name auf Wunsch geändert.  

Unsere Hilfe in Äthiopien im Jahr 2019 (in Auszügen)

  • 355.100 ambulante Sprechstunden
  • 15.100 stationäre Aufnahmen
  • 14.700 psychologische Einzelgespräche
  • 1.280 pädiatrische Aufnahmen in stationäre Ernährungsprogramme
  • 5.890 Entbindungen

2019 bekämpften wir in Äthiopien Epidemien, leisteten medizinische Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene und behandelten Schlangenbisse sowie Kala Azar.

Im April beendeten wir unsere Aktivitäten für Vertriebene im Westen des Landes und starteten in Gedeo, im Süden, ein Nothilfeprojekt aufgrund von schwerer Mangelernährung bei Kindern und stillenden Müttern. In den Regionen Somali, Amhar und Benishangul-Gumuz betreuten wir medizinische Kurzzeiteinsätze.

In der Dolo-Zone, Region Somali, waren wir mit 18 mobilen Kliniken tätig, in der Stadt Dolo übergaben wir alle Aktivitäten im September. In der Region Gambella unterstützten wir das Krankenhaus, die Lager Kule, Tierkidi und Nguenyyiel sowie das Aufnahmezentrum Pamdong. Zum Jahresende stoppten wir unsere Aktivitäten in den Lagern Nguenyyiel und Tierkidi. In der Region Tigray versorgten wir eritreische Asylsuchende im Lager Hitsats mit psychologischer Hilfe. In der Region Amhara behandelten wir Patient*innen gegen Kala Azar und Schlangenbisse.

Ärzte ohne Grenzen leistete erstmals 1984 Hilfe in Äthiopien.