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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe im Tschad

  • 55.7
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 52.8
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 330
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 11.7
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Der Tschad gehört nicht nur zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Menschen sind betroffen von den Folgen zahlreicher Konflikte und den Auswirkungen des Klimawandels. Insbesondere die gewaltsamen Konflikte im Gebiet um den Tschadsee und die Instabilität in Teilen der Nachbarländer, wie Libyen, Niger, Nigeria, Kamerun, Sudan und Zentralafrikanische Republik, führen zu einer seit Jahren angespannten Sicherheitslage. Im Jahr 2020 lebten nach UN-Angaben zudem mehr als 900.000 Geflüchtete und Vertriebene im Land. Unser Augenmerk gilt der medizinischen Unterstützung dieser Menschen, aber auch der Bevölkerung. Wichtig ist beispielsweise die Arbeit in der Vorbeugung und Behandlung von Epidemien wie Masern und Malaria. Hinzugekommen ist nun auch die Covid-19-Pandemie. 

 

Unsere Hilfe im Tschad 2020

  • 60.700 Masernimpfungen
  • 165.700 ambulante Sprechstunden
  • 91.800 Malariabehandlungen
  • 20.200 Behandlungen von mangelernährten Kindern

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 1981 medizinische Hilfe in Tschad. 

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Kein Ende der Masern-Epidemie im Tschad

Da das Gesundheitssystem des Landes aufgrund der seit 2015 schwierigen wirtschaftlichen Lage unzureichend ausgestattet ist, haben hochansteckende Kinderkrankheiten wie Masern ein leichtes Spiel. Die Masern-Epidemie, die 2018 ausbrach, hat das Land bis heute fest im Griff - vor allem in den südlichen Regionen. Im Februar 2020 schickten wir daher ein Notfallteam in den Süden des Tschads, in den Bezirk Beboto. Nach Aussagen der Behörden hatten sich die Masernfälle dort in nur wenigen Wochen verdoppelt. Unser Pfleger Ngueremi Yary Roger berichtete nach der Ankunft in Beboto, dass einige Familien drei oder vier Kinder durch Masern verloren hatten und entweder keine medizinische Hilfe in Anspruch genommen oder auf traditionelle Medizin zurückgegriffen hatten. Wir arbeiteten daher eng mit den Behörden zusammengearbeitet, um über die Vorbeugung von Masern aufzuklären und über unser Angebot zu informieren, erkrankte Kinder kostenlos in unseren Gesundheitszentren zu behandeln. Außerdem stellten wir dem Gesundheitsbezirk medizinische Kits und Masern-Impfstoffe zur Verfügung und behandelten die Masern-Patient*innen. 

Hilfe bei Malaria und Mangelernährung

Im Bezirk Kyabé, ebenso im Süden des Tschads, betreute unser Team zudem eine Masern-Impfkampagne für rund 60.000 Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. Da viele von ihnen unter Malaria und Mangelernährung litten, behandelten wir die Kinder auch gegen diese Krankheiten.

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Menschen die sich um einen Baum versammeln um eine Impfung gegen Masern zu erhalten
Eine unserer Impfkampagnen im Bezirk Kyabé.

©Félix Guillou/MSF

Eine Besonderheit des Bezirks Kyabé ist es, dass er in einem ländlichen Grenzgebiet liegt. Die Bevölkerung lebt weit zerstreut, darunter auch nomadisch lebendeViehzüchter. Wir mussten sehr viel mit den Menschen sprechen und sie über die Krankheit informieren, um herauszufinden, in welchen temporären Lagern die Nomaden gerade lebten und in welchen Gebieten sie sich niedergelassen hatten. Nur so konnten wir ihre Kinder impfen.

Moha Zemrag, Projektkoordinator in Kyabé 

Tödliche Wechselwirkung von Krankheiten

An der Situation in Kyabè wird deutlich, dass Kinder im Tschad oftmals von mehreren Krankheiten gleichzeitig betroffen sind, was für sie besonders gefährlich werden kann. Wenn ein Kind beispielsweise an Mangelernährung leidet, kann sich durch eine Maserninfektion der Ernährungszustand zusätzlich verschlechtern. Gleichzeitig verringert sich bei mangelernährten Kindern die Immunität, was wiederum einen schwereren Verlauf der Masernerkrankung nach sich zieht. Das Sterblichkeitsrisiko steigt durch die Wechselwirkungen der beiden Erkrankungen. Daher unterstützten wir im Zeitraum Juni bis September 2020, wie in den Jahren zuvor auch, in der Hauptstadt N'Djamena ein stationäres Ernährungszentrum für schwer mangelernährte Kinder. In diesem Zeitraum sind die Nahrungsmittelvorräte der Familien oft aufgebraucht. In Moissala setzen wir uns nach wie vor sehr dafür ein, dass Frauen und Kinder einen besseren Zugang zu medizinischer Versorgung im Krankenhaus erhalten. Unsere Teams haben hier auch eine saisonale Malaria-Chemotherapie-Kampagne gestartet, da die Tropenkrankheit verheerende Auswirkungen auf andere Kinderkrankheiten hat. 

Masern-Bekämpfung hat höchste Priorität im Tschad 

Der Ausbruch der Covid-19-Pandemie führte dazu, dass die Bekämpfung anderer tödlicher Krankheiten teilweise in den Hintergrund rückte. Wir erinnerten aufgrund der Situation in verschiedenen Ländern daran, wie wichtig die Aufrechterhaltung der Bekämpfung anderer Epidemien und Erkrankungen ist. So auch im Frühsommer 2020 im Tschad: 

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Ein mit Band abgetrennter Bereich, wo Menschen an Tischen sitzen, drum herum weitere Menschen
Nachdem das Gesundheitministerium im Februar 2020 vor ansteigenden Masern-Fällen warnte, impfte Ärzte ohne Grenzen 25.177 Kinder in Beboto.
©Julia Sohn/MSF

Auch wenn die Covid-19-Pandemie aktuell die volle Aufmerksamkeit der Regierung und der Geberländer auf sich zieht, bleibt unsere oberste Priorität die Bekämpfung der Masern-Epidemie.

Tschad-Landeskoordinator Seidina Ousseini 

Zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie haben wir dem Farcha-Krankenhaus in N'Djamena einen Sauerstoffkonzentrator zur Verfügung gestellt, den schwerkranke Patient*innen benötigen. Zudem stellten wir medizinische und logistische Hilfe zur Verfügung sowie Masken und andere Hilfsgüter, um die Verbreitung des Virus zu verhindern.

 

29.07.2021