Direkt zum Inhalt
Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in der Ukraine

Unterstützen Sie unsere weltweite Nothilfe!

Jetzt spenden

Die aktuelle Situation in der Ukraine

„Tausende Menschen leben in vom Krieg zerstörten Häusern, und sind nun mit Temperaturen konfrontiert, die in Teilen des Landes bis zu Minus 20 Grad erreichen können”, sagt unser Landeskoordinator Christoph Stokes. “Wenn die Energie- und Wasserversorgung ausfällt, können auch Krankenhäuser und Gesundheitszentren nur schwer funktionieren. Der Zugang der Menschen zur Gesundheitsversorgung wird noch schlechter." 

Der Krieg in der Ukraine hat laut Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bisher mehr als 15,5 Millionen Menschen zur Flucht ins Ausland gezwungen. Doch auch innerhalb der Ukraine stecken Millionen Vertriebene fest -  dazu gehören vor allem Ältere, Menschen mit Behinderung und jene, denen die Mittel für die Reise in die Westukraine oder ins Ausland fehlen.

In der Ukraine sind derzeit rund 700 unserer Mitarbeiter*innen im Einsatz. Da sich die Lage in den Kampfgebieten schnell ändert, beobachten wir kontinuierlich die Dynamiken, um unsere Mitarbeiter*innen zu schützen und unsere Aktivitäten an die Bedürfnisse der Menschen in Not anzupassen.

So helfen wir in der Ukraine

  • Wir liefern medizinische und humanitäre Hilfsgüter.
  • Wir schulen und beraten Personal in Krankenhäusern im Umgang mit Kriegsverletzten und Notfällen, in denen eine große Zahl an Verletzten innerhalb kurzer Zeit eingeliefert wird.
  • Wir evakuieren Patient*innen mit einem medizinischen Zug aus überlasteten Kliniken nahe der Front.
  • Wir unterstützen bei der Versorgung von Überlebenden sexualisierter Gewalt.
  • Wir versorgen Menschen in mobilen Kliniken.
  • Wir sorgen dafür, dass Menschen mit chronischen Krankheiten ihre Behandlung fortsetzen können.
  • Wir bieten Physiotherapie zur Rehabilitation für Kriegsverletzte an.

Unterstützen Sie unsere weltweite Nothilfe!

Jetzt spenden

Immer wieder kommt es zu Angriffen auf zivile Infrastruktur in der Ukraine. Im April 2022 wurden unsere Mitarbeiter*innen Zeug*innen eines Angriffs auf eine Klinik in Mykolajiw. Unsere dringende Forderung lautet: Zivilist*innen und humanitäre Helfer*innen müssen geschützt werden! Fliehende brauchen sichere Fluchtwege und den Zugang zu humanitärer Hilfe – nicht nur in für humanitäre Korridore ausgewiesenen Zeiten. 

Hilfsgüter liefern und medizinisches Personal schulen

Seit Kriegsbeginn herrscht ein Mangel an Medikamenten. Wir statten deshalb sowohl Notaufnahmen als auch Intensivstationen mit dringend benötigten Hilfsgütern aus. Auch Haushalts- und Hilfsgüter werden dort zur Verfügung gestellt und es besteht die Möglichkeit, psychologische Beratungen in Anspruch zu nehmen. Insbesondere für Menschen, deren Verletzungen das Risiko langfristiger Einschränkungen mit sich bringen, bieten wir auch Physiotherapie an. 

Image
Tankred Stöbe Hilfe Ukraine
©Barbara Sigge

Wir hören Tag und Nacht entfernte Raketeneinschläge. Das normale Leben gibt es nicht mehr. Gerade älteren, chronisch kranken Patient*innen, die zwischen den Fronten gefangen sind, können wir mit Medikamenten helfen, wenn sie es schaffen, zu uns zu gelangen. 
- Dr. Tankred Stöbe 

Darüber hinaus haben wir Mitarbeiter*innen zahlreicher ukrainischer Krankenhäuser darin geschult, eine Vielzahl an Verletzten zu behandeln, die gleichzeitig eingeliefert werden (Triage). In der Umgebung von Kyjiv schulen und beraten wir zu psychischer Gesundheit. So brauchen zum Beispiel Bahnangestellte, die traumatisierte und verletzte Menschen aus hart umkämpften Gebieten evakuieren, häufig eine professionell begleitete Aufarbeitung des Erlebten.  

Eine Intensivstation im Zug

Für die Evakuierung von Patient*innen aus den stark umkämpften Gebieten haben wir in Zusammenarbeit mit der ukrainischen Bahn und dem Gesundheitsministerium einen medizinischen Zug entwickelt. Während der 20- bis 30-stündigen Fahrt überwachen Pflegepersonal und Ärzt*innen kontinuierlich die Patient*innen.

Eine Intensivstation im Zug

Mit einem medizinisch ausgestatteten Zug evakuieren wir verletzte und traumatisierte Menschen aus den stark umkämpften Gebieten im Osten der Ukraine. Bislang wir mehr als 2,607 Patient*innen und 78 Waisenkinder transportiert. Wie funktioniert so ein Zug?

Mobile Hilfe in Cherson und Mykolajiw

Image
Menschen warten in Kherson vor einer mobilen Klinik.
Patient*innen warten in Cherson auf eine Behandlung in einer unserer mobilen Kliniken.

Insbesondere ältere Menschen und Patient*innen mit chronischen Krankheiten bleiben häufig in stark umkämpften Städten und Dörfern allein zurück - ohne jegliche medizinische Versorgung. Seit der ukrainischen Gegenoffensive im September 2022 leisten wir in den südlichen Regionen Cherson und Mykolajiw in mobilen Teams medizinische Nothilfe. So können wir auch diese Menschen erreichen. Zu den häufigsten körperlichen Beschwerden zählen Bluthochdruck, Asthma und Diabetes. Auch psychische Belastungen treten verstärkt auf.

Sicherung der Versorgung im Osten 

In Luhansk und Donezk war der Bedarf an medizinischer Hilfe auch vor Februar 2022 besonders groß, da die Bevölkerung hier schon seit acht Jahren dem Krieg ausgesetzt ist. 

In der Oblast Donezk unterstützen wir Krankenhäuser und Gesundheitszentren unter anderem bei der medizinischen Grundversorgung, bei der Behandlung von chronischen Krankheiten und bei der Traumabehandlung. Außerdem statten wir einige Krankenhäuser mit Solaranlagen, Generatoren und Wasservorräten aus. So kann das dortige medizinische Personal die Arbeit auch dann fortsetzen kann, wenn die Strom- oder Wasserversorgung unterbrochen ist.  

Einige medizinische Einrichtungen unterstützen wir auch bei der Vorbereitung auf einen möglichen Massenzustrom von Verwundeten und beim Ausbau ihrer Kapazitäten für Notfallmedizin. Da lokale medizinische Angestellte zunehmend unter Burnout-Symptomen leiden, bieten wir außerdem Trainings in diesem Bereich an.  

Um die Menschen zu erreichen, die zurückgeblieben und teilweise aufgrund ihres hohen Alters nicht mehr mobil sind, greifen wir auf die Hilfe von Freiwilligen vor Ort zurück. Gemeinsam arbeiten wir daran, die Wärmeversorgung für diese Menschen sicherzustellen und ihre derzeitigen katastrophalen Lebensbedingungen zu verbessern.

Aufnahmezentren in Saporischschja 

Auch in Saporischschja unterstützen wir Vertriebene, die zu Tausenden aus Mariupol und anderen umkämpften Gebieten kommen. Die Stadt ist für viele Geflüchtete aus dem Südosten der Ukraine die erste Station. Mobile Teams sind im Hauptaufnahmezentrum und in mehr als 30 weiteren Unterkünften aktiv und versorgen die Menschen medizinisch, psychologisch sowie mit Hilfsgütern. 

Die Menschen sind schwer traumatisiert und viele haben die Hoffnung aufgegeben, in ihr altes Leben zurückkehren zu können. Auch im September 2022 nahmen die täglichen Bombardements in Saporischschja kein Ende. Infolgedessen kam es zu Schwierigkeiten insbesondere mit der Wasserversorgung. Deshalb versorgten wir sowohl eine Entbindungsklinik als auch Gesundheitszentren mit Trinkwasser. 

Unser Mitarbeiter Sasha Sholokov brachte seine Familie im Ausland in Sicherheit, bevor er in die Ukraine zurückkehrte: "Jetzt kann ich nicht mehr nach Mariupol zurückkehren. Unser Haus wurde am 28. Februar zerstört. Deshalb muss ich mir ein neues Leben aufbauen."

Psychologische Hilfe für Vertriebene in Dnipro 

Mit der psychologischen Unterstützung, die unsere Teams anbieten, wollen wir den Menschen helfen, ein Gefühl von Kontrolle zurückzuerhalten.
- Lina Villa, unsere psychosoziale Beraterin

Anya und ihre Familie mussten aus ihrer Heimat Wolnowacha in der Ostukraine fliehen: "Wir möchten in Sicherheit leben. Genau wie vor dem 24. Februar. Aber jetzt gibt es ein Leben "vorher" und ein Leben "nachher"."

In Dnipro helfen wir in mehr als 40 Unterkünften Menschen, die aus Donezk und Luhansk geflohen sind. Unter den Menschen, für die wir psychologische Unterstützung leisten, sind auch Überlebende sexualisierter Gewalt. Viele der Vertriebenen entscheiden sich dazu, längerfristig in der Region zu bleiben. Deshalb helfen unsere Teams dabei, die Basisgesundheitsversorgung wieder aufzubauen.   

Hilfe in weiteren Landesteilen 

Auch im Westen des Landes stellen wir eine medizinische Grundversorgung zur Verfügung. In Uschhorod, Iwano-Frankiwsk und in Kryvyi Rih betreiben wir mobile Kliniken. Mithilfe dreier Krankenwagen stellen unsere Teams außerdem den Transport verletzter Patient*innen in der Region sicher. Außerdem sind unsere Teams in der nördlichen Ukraine aktiv, so zum Beispiel in Schytomyr und Charkiw. Wir arbeiten in der Ukraine von 17 Orten aus und sind auch in den Nachbarländern Belarus, Polen und Russland präsent.

Zuletzt aktualisiert: 02.01.2023

Auf der Flucht vor dem Krieg

Zu Fuß, in Autos und Bussen fliehen Menschen vor den Kämpfen Ukraine. Es sind vor allem Frauen, Kinder und Ältere, die ihr Zuhause verlassen. Viele sind erschöpft und traumatisiert. Wir helfen den Fliehenden – teilweise auch auf beiden Seiten der Grenzen.

Unsere Hilfe in der Ukraine im Jahr 2021

  • 2.670 ambulante Sprechstunden 

  • 2.130 psychologische Einzelgespräche 

  • 660 Neubehandlungen gegen Hepatitis C 

  • 26 Neubehandlungen gegen resistente Tuberkulose 

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1999 Hilfe in der Ukraine an. 

Image
Soziale Unterstützung eines Patienten durch Ärzte ohne Grenzen Mitarbeitende in der Ukraine
Krankenpfleger*innen, Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen sind Teil unserer Betreuungssysteme für Patient*innen, die an verschiedenen Formen von Tuberkulose erkrankt sind.
©Oksana Parafeniuk/MSF
  • 77.8
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 68
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 179
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 6.2
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: WHO (2019), MSF International Activity Report 2021 (2022)