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5 Fakten über die Ernährungskrise im Sudan

Im Sudan haben Millionen Menschen keinen sicheren Zugang zu Lebensmitteln. Der Krieg, der seit mehr als 3 Jahren tobt, zerstörte Lebensgrundlagen, mehrfache Vertreibung sowie die Belagerung von Orten durch die Kriegsparteien verschärfen die Ernährungskrise. Ärzte ohne Grenzen unterstützt Gesundheitseinrichtungen, versorgt Menschen, die vor der Gewalt fliehen können, und behandelt in vielen Einrichtungen mangelernährte Kinder.

1. Mehr als jede*r Dritte hat nicht genug zu essen 

Fast 19,5 Millionen Menschen im Sudan litten zwischen Februar und Mai 2026 laut Integrated Food Security Phase Classification (IPC), der internationalen Skala zur Bewertung von Ernährungskrisen, unter akuter Ernährungsunsicherheit. Das entspricht rund 41 Prozent der sudanesischen Bevölkerung. Akut ernährungsunsicher bedeutet: Menschen müssen zu extremen Mitteln greifen, um sich und ihre Familien mit Lebensmitteln zu versorgen – zum Beispiel Mahlzeiten auslassen, Besitz verkaufen oder fliehen.

Die IPC bewertet Ernährungskrisen weltweit nach einem einheitlichen System. Die Skala reicht von Phase 1 „minimal“ bis Phase 5 „Katastrophe/Hungersnot“. Im Sudan befanden sich zwischen Februar und Mai 2026 mehr als 5 Millionen Menschen in Phase 4, also in einer akuten Notlage. Fast 135.000 Menschen waren sogar in Phase 5 eingestuft, also von einer Hungersnot betroffen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im Sudan handelt es sich nicht um Lebensmittelknappheit, sondern um eine schwerwiegende Ernährungskrise. In einzelnen Gebieten hat sie das Ausmaß einer Hungersnot erreicht.

2. Andauernde Kämpfe zerstören die Grundlagen für sichere Ernährung 

Schon vor 2023 gab es bei der Versorgung der Bevölkerung mit ausreichend Nahrung Probleme. Eine schwere Wirtschaftskrise, stark steigende Lebensmittelpreise, Dürren und Extremwetter infolge des Klimawandels hatten dazu geführt, dass viele Menschen nicht genug zu essen hatten. Doch seit Beginn des Kriegs verschärft sich die Lage massiv.

Lebensmittel werden für die meisten unerschwinglich. Ernten und landwirtschaftliche Infrastruktur wurde vielerorts zerstört. Menschen müssen vor Gewalt fliehen, können nicht mehr arbeiten und auch nicht ihre Felder bestellen. Damit verlieren ganze Familien jegliche Lebensgrundlage.

Wenn Ackerland verloren geht, Märkte bombardiert werden oder nicht erreichbar sind, Orte von Nahrungslieferungen abgeschnitten werden und Vorräte fehlen, wird Ernährungsunsicherheit zur direkten Kriegsfolge. Dann bedeutet der Krieg nicht nur akute Lebensmittelengpässe, sondern den Verlust der Grundlagen, von denen man sich und andere langfristig hätte ernähren können.

Ein Mann sitzt auf einem Stuhl mit dem Blick in die Kamera
Mohammed, al-Faschir

"Wir mussten Ambaz essen. Das sind Rückstände gepresster Ölsaaten, die bei der Ölproduktion übrigbleiben. Ambaz half den Menschen die Situation zu überstehen, aber eigentlich ist es Tierfutter."

3. Hunger als Waffe

Hunger wird im Sudan auch gezielt als Druckmittel eingesetzt, etwa durch Belagerungen, blockierte Hilfslieferungen, das Zerstören von Märkten oder das Abschneiden von Versorgungswegen.

Tawila nahe al-Faschir ist zu einem wichtigen Zufluchtsort für Menschen aus Nord-Darfur geworden. In al-Faschir hatten die RSF-Milizen die Menschen gezielt über Monate von der Versorgung von außen abgeschnitten. Weder Nahrung noch medizinische oder humanitäre Hilfe gelangte in die Stadt. Bei Untersuchungen jener Menschen, die unter Lebensgefahr aus der Stadt ins ca. 60 Kilometer entfernte Tawila flohen, haben wir in unserer Klinik hohe Mangelernährungsraten festgestellt. Besonders bei Kindern sowie schwangeren und stillenden Frauen waren die Zahlen alarmierend.

Zwischen Mai 2025 und Mai 2026 hatten wir mehr als 45.000 schwangere und stillende Frauen untersucht. Rund 37 Prozent waren akut mangelernährt, 9 Prozent schwer. Im gleichen Zeitraum haben wir mehr als 1.800 schwer mangelernährte Kinder in unser stationäres therapeutisches Ernährungszentrum aufgenommen.

Auch von anderen Orten berichten uns Patient*innen immer wieder davon, wie Nahrung als Druckmittel eingesetzt wird.

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Eine Familie sitzt im Schatten zusammen
Die Familie Abdulrahman wartet vor dem Rokero Krankenhaus in Zentral-Darfur. Sie ist gekommen, um ihre mangelernährte Tochter im stationären therapeutischen Ernährungszentrum behandeln zu lassen.
© Aurélie Lécrivain/MSF

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4. Die Ernährungskrise ist auch eine Gesundheitskrise 

Lebensmittelhilfen sind absolut notwendig, aber würden allein nicht ausreichen. Menschen, die unter Mangelernährung leiden, sind bereits durch dauerhaft fehlende Nährstoffe erkrankt und brauchen medizinische Untersuchungen, therapeutische Nahrung, möglicherweise zusätzliche Behandlungen (bspw. bei Infektionen) und regelmäßige Kontrollen.

Mangelernährung steht zudem in Wechselwirkung mit anderen Krankheiten. Ist das Immunsystem durch Mangelernährung bereits geschwächt erkranken Menschen leichter. Infektionen verschlimmern wiederum die Mangelernährung, weil der Körper mehr Energie benötigt oder Nährstoffe schlechter aufnehmen kann.

Im al-Damasin-Krankenhaus, das im süd-östlichen Bundesstaat Blauer Nil liegt und das von uns unterstützt wird, wurden zwischen Juli und September 2025 fast 2.000 schwer mangelernährte Kinder behandelt - viele erkrankten gleichzeitig an Cholera.

Und es gibt weitere Krankheiten, die sich aufgrund des vielerorts zusammengebrochenen Gesundheitssystems ausbreiten: Wir beobachten Masernausbrüche in Darfur, Hepatitis E im Bundesstaat al-Dschasira sowie Cholera in Khartum und Weißer Nil.

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5. Kinder, Schwangere und Stillende sind besonders von Mangelernährung bedroht 

Portrait einer Mutter mit ihrem Kind
Kawthat, Süd-Darfur

"Als wir ankamen, war das Gesundheitszentrum voller Mütter mit mangelernährten Kindern. Bei meinem Sohn wurde schwere Mangelernährung festgestellt. Er erhielt Ernährungsunterstützung und wurde täglich kontrolliert."

Für schwangere und stillende Frauen ist Mangelernährung besonders gefährlich, weil sie das Risiko für Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt erhöht und die Gesundheit der Mutter schwächt. Gleichzeitig kann sie die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen und zu niedrigem Geburtsgewicht, Frühgeburten oder Wachstumsstörungen führen.  

Auch Kinder unter 5 Jahren sind besonders gefährdet: Mangelernährung schwächt das ohnehin noch nicht so starke Immunsystem und macht die Kinder anfälliger für Infektionen. Und: Mangelernährte Kinder sind nicht nur krank, sondern erleiden Entwicklungsschäden, die sie für den Rest ihres Lebens mit sich tragen.  

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Zwei Frauen laufen mit ihren Kindern auf dem Rücken hinter einem Wagen her
Zwei Frauen machen sich mit ihren Kindern nach der Verteilung von Lebensmittelpaketen in Süd-Darfur mit einem Eselskarren auf den Heimweg.
© Abdoalsalam Abdallah

Um Mangelernährung zu diagnostizieren, wiegen unsere Mitarbeiter*innen die Kinder. Auch körperliche Untersuchungen und die Messung des Oberarmumfangs mit einem MUAC-Band gehören dazu. Die Farbskala des MUAC-Bands lässt zuverlässig und schnell erkennen, ob ein Kind gefährdet, mangelernährt oder akut mangelernährt ist. Je nach Schweregrad werden die Kinder ambulant mit therapeutischer Spezialnahrung oder stationär behandelt. 

Laut OCHA brauchen 2026 im Sudan 5 Millionen Kinder unter 5 Jahren sowie 3,4 Millionen schwangere und stillende Frauen Unterstützung im Bereich Ernährung. 

Was jetzt nötig ist

Die Menschen im Sudan brauchen dringend Unterstützung, auch in umkämpften Gebieten. Humanitären Helfer*innen muss ungehinderter Zugang zu den Menschen gewährleistet werden. Ebenso wie eine Ausweitung der medizinischen Hilfe, braucht es eine Ausweitung der finanziellen Mittel, um Ernährungsprogramme und andere notwendigen Hilfsangebote zu etablieren und besonders gefährdete Menschen, wie Kinder, Schwangere oder Stillende zu erreichen.