Tiné/Berlin, 5. Juni 2026. Seit Anfang Mai haben sich Drohnenangriffe rund um Tina im Sudan nahe der Grenze zum Tschad verstärkt. Ärzte ohne Grenzen verzeichnet eine besorgniserregende Zahl neuer Patient*innen in unterstützen Krankenhäusern in der tschadischen Grenzstadt Tiné. In den vergangenen Wochen berichteten Anwohner*innen von nahezu täglichen Angriffen, die den Rapid Support Forces (RSF) zugeschrieben werden; an manchen Tagen soll es bis zu sechs Angriffe gegeben haben.
Seit Anfang Mai hat Ärzte ohne Grenzen 116 Verletzte behandelt. Zwischen dem 17. und 26. Mai wurden 69 Verwundete aufgenommen. Am 24. Mai traf ein Angriff eine belebte Cafeteria auf dem Markt von Tina im Sudan; 35 Verletzte wurden eingeliefert. Drei Menschen wurden bei ihrer Ankunft im Krankenhaus für tot erklärt, weitere sollen noch am Ort des Angriffs gestorben sein. Unter den Verletzten und Toten befinden sich zunehmend Frauen und Kinder.
Wir nehmen Patientinnen und Patienten auf, die nach stundenlanger Flucht oft in äußerst kritischem Zustand bei uns ankommen. Die Verletzungen sind häufig schwer – darunter Verbrennungen und Explosionsverletzungen. Kürzlich haben wir ein Kind mit schweren Verbrennungen im Gesicht sowie an Armen und Beinen behandelt. Jede Verzögerung beim Transport verringert die Überlebenschancen der Schwerverletzten.
Issiaka Abdou, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Tschad
Die wiederholten Angriffe verschärfen die angespannte humanitäre Lage in der Grenzregion zwischen dem Tschad und dem Sudan zusätzlich. Die Kämpfe in Darfur haben tausende Menschen ins Nachbarland vertrieben, vielerorts fehlt es am Nötigsten.
Ärzte ohne Grenzen reagiert auf den Zustrom von Verletzten
Gesundheitseinrichtungen in der Region arbeiten am Limit. Die Ressourcen sind knapp, während immer mehr Verletzte eintreffen. In Koordination mit den tschadischen Behörden reagiert Ärzte ohne Grenzen auf den Zustrom von Verletzten. Notfallpatient*innen werden weiter im Krankenhaus in Tiné im Tschad behandelt, das auf der anderen Seite der Grenze zum sudanesischen Tina liegt. Besonders schwer Verletzte werden bei Bedarf in andere Einrichtungen, etwa nach Abéché, verlegt.
Zivilist*innen dürfen niemals zur Zielscheibe eines Konflikts werden. Die Bevölkerung muss geschützt werden. Verwundete brauchen schnell und sichere medizinische Versorgung. Auch Deutschland steht in der Pflicht.
Dazu sagt Valentine Burkart, politische Referentin von Ärzte ohne Grenzen: „Die Bundesregierung hat sich auf der Sudan-Konferenz mit teilnehmenden Staaten und Organisationen klar zum Schutz von Zivilist*innen verpflichtet. Es darf nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben. Jetzt braucht es spürbaren diplomatischen Druck, um die Angriffe an der Grenze zum Tschad zu beenden und humanitären Zugang durchzusetzen.“
Seit Beginn des Kriegs im Sudan im April 2023 haben mehr als 900.000 Sudanesinnen und Sudanesen im Osten des Tschad Zuflucht gefunden. Als Reaktion auf diese Krise hat Ärzte ohne Grenzen die Hilfe ausgeweitet und unterstützt in mehreren Orten im Osten des Landes die medizinische Versorgung von Geflüchteten und Aufnahmegemeinschaften.
Unsere Hilfe im Sudan
Von chirurgischen Eingriffen bis zu psychologischer Unterstützung - hier finden Sie Informationen zu unseren Aktivitäten vor Ort.
Für weitere Auskünfte sprechen Sie uns an