5 Fakten über die Wasserkrise im Gazastreifen, die Sie wissen sollten
Im Gazastreifen ist das Wasser knapp: Wir stellen für 1 von 6 Einwohner*innen Wasser bereit – und sind so der zweitgrößte nicht-staatliche Wasserversorger im Gazastreifen.
1. Fast 90 % der Infrastruktur ist zerstört
Die israelische Armee hat fast die gesamte Wasser- und Sanitärinfrastruktur im Gazastreifen beschädigt oder zerstört. Was bleibt, sind Fragmente eines Systems, das Millionen Menschen einmal versorgt hat – und heute kaum noch funktioniert. Die Menschen erhalten ihr Wasser von NGOs oder öffentlichen Einrichtungen.
Private Anbieter haben ihre Trinkwasser-Preise seit Oktober 2023 um ca. 500 % erhöht. 150 Schekel (41 EUR) für 1.000 Liter – das kann sich kaum jemand leisten.
Kommen die Wasserlieferungen aus dem humanitären Sektor nicht an, bleiben nur beschädigte Leitungen oder Bohrlöcher als Wasserquelle. Dieses Wasser kann allerdings durch z.B. Abwasser stark verunreinigt sein. Das ist ein großes Gesundheitsrisiko.
2. Wer Wasser holt, setzt sein Leben aufs Spiel
Gefährlich, aber lebenswichtig: Wiederholt wurden Palästinenser*innen und Helfer*innen bei der Wasserverteilung verletzt oder getötet. Es ist belegt, dass die israelische Armee eindeutig gekennzeichnete Wassertankwagen beschossen hat. Für nahezu die gesamte Bevölkerung ist sauberes Wasser zur damit täglichen Unsicherheit geworden.
Wir brauchen Wasser. Es macht keinen Sinn: Wir bitten die Welt darum, leben zu dürfen.
Ali, Vertriebener in Deir-al-Balah
3. Durst als Kriegsstrategie
Im Gazastreifen fehlt Wasser nicht einfach – die israelische Regierung nutzt den Zugang zu Wasser zur kollektiven Bestrafung der Bevölkerung. Wer mit Wasser versorgt wird und wer nicht, ist kein Zufall. Es ist Teil eines politischen Systems, das einer ganzen Bevölkerung vermeidbares Leid zufügt.
Die gezielte Unterversorgung mit Wasser ist ein wesentlicher Bestandteil des Genozids an den Palästinenser*innen. Um weitere Gesundheitsrisiken zu verhindern, braucht es sofortige und nachhaltige Maßnahmen zur Sicherstellung der Wasserversorgung im Gazastreifen. Mehr Details dazu finden Sie in unserem aktuellen Bericht "Water as a Weapon".
4. Zu wenig Wasser macht krank
Die tägliche Wassermenge reicht kaum zum Trinken oder Kochen – geschweige denn für die eigene Hygiene. Wir stellen gemäß des internationalen Standards in Nothilfesituationen ca. 15 Liter/Tag pro Person zu Verfügung. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 lag der Wasserverbrauch in Deutschland durchschnittlich bei 121 Liter Leitungswasser pro Tag und Person.
Wir haben aufgehört, Geschirr zu spülen und Kleidung zu waschen, um Wasser zu sparen.
Ziyad, Patient
Im Zusammenspiel mit den katastrophalen Lebensbedingungen in überfüllen Zelten und Notunterkünften hat das gesundheitliche Folgen: Offene Wunden entzünden sich und Krankheitserreger breiten sich schneller aus – darunter Bakterien, die z.B. akuten Durchfall verursachen oder Parasiten wie Läuse und Kratzmilben. Ohne die nötigen Medikamente sind diese kaum zu bekämpfen. Durchfallerkrankungen können insbesondere für Kinder oder Schwangere lebensgefährlich werden.
5. Jeden Tag 40.000 Badewannen Wasser
Wasser rettet Leben. Und genau hier setzen wir an: Unsere Teams nutzen große LKWs, um die Menschen im Gazastreifen mit Wasser zu versorgen und unterstützen Partner-Organisationen beim Graben von Brunnen. Außerdem betreiben wir 12 Entsalzungsanlagen, von denen aus wir an über 400 Orten im Gazastreifen Trink- und Haushaltswasser verteilen.
Das haben wir allein im März 2026 geschafft:
- 5.3 Mio Liter Wasser produzierten und verteilten wir täglich im Gazastreifen.
- 407.000 Menschen konnten wir so jeden Tag versorgen.
- 40.000 Badewannen ließen sich damit täglich füllen.
Unsere Hilfe im Gazastreifen und dem Westjordanland
Von Wasserversorgung bis zu chirurgischen Eingriffen - hier finden Sie Informationen zu unseren Aktivitäten vor Ort.
Ihr Engagement macht einen Unterschied!
Wir bieten vielseitige Möglichkeiten, unsere humanitäre Arbeit zu unterstützen.