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Sudan-Konferenz in Berlin: Ärzte ohne Grenzen fordert besseren Schutz der Zivilbevölkerung

  • Hilfszusagen allein reichen nicht aus
  • Humanitäres Völkerrecht muss wieder respektiert werden

Khartum/Berlin, 13. April 2026. Vor der Sudan-Konferenz in Berlin befinden sich die Menschen in dem Land in einer zunehmend verzweifelten Lage. Immer wieder gibt es Angriffe auf die Zivilbevölkerung, zudem steht das Gesundheitssystem vor dem Zusammenbruch und die Versorgungslage ist desaströs. Mehr als 33 Millionen Menschen im Sudan sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, knapp 14 Millionen Menschen wurden vertrieben. Besonders schlimm ist die Situation in der Region Darfur.

Ärzte ohne Grenzen fordert, dass die von der deutschen Bundesregierung am Mittwoch ausgerichtete Konferenz mit möglichst konkreten Ergebnissen endet, durch die die Zivilbevölkerung besser geschützt wird.

„Diese Konferenz darf nicht mit Absichtserklärungen oder der reinen Zusage von Hilfsgeldern enden, auch wenn es dringend nötig ist, dass die internationalen Mittel aufgestockt werden. Die Bundesregierung muss ihre Gastgeber-Rolle nutzen und mit darauf hinwirken, dass die Kriegsparteien die Zivilbevölkerung und medizinische Einrichtungen und deren Personal nicht weiter attackieren”, sagt Parnian Parvanta, Vorstandsvorsitzende von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland.

„Das Humanitäre Völkerrecht im Sudan muss wieder respektiert werden. Außerdem müssen diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden, die Gräueltaten begangen haben.”

Allein im Jahr 2025 behandelten Teams von Ärzte ohne Grenzen im Sudan mehr als 7700 Patient*innen, die körperliche Gewalt erlebt haben, und betreuten mehr als 4200-mal Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, die systematisch als Kriegswaffe eingesetzt wird und unter der vor allem Frauen leiden.

Masern, Hepatitis, Cholera: Immer wieder vermeidbare Krankheitsausbrüche

Darüber hinaus wurden im Jahr 2025 mehr als 15.000 Kinder wegen akuter Mangelernährung behandelt – ein Zustand, der weiter zunimmt. Er erhöht das Risiko für Betroffene, an Krankheiten zu sterben, die unter normalen Umständen gut behandelbar wären.

Durch die mangelhafte internationale Unterstützung wird die ohnehin katastrophale Lage weiter verschlimmert. Immer wieder kommt es etwa zu Ausbrüchen vermeidbarer Krankheiten – von Masern in Darfur über Hepatitis E im Bundesstaat al-Dschasira bis hin zu Cholera in Khartum oder im Bundesstaat Weißer Nil. 

Krieg wird durch Drohneneinsatz noch brutaler

In den vergangenen Monaten hat Ärzte ohne Grenzen eine beunruhigende Veränderung in der Kriegsführung beobachtet. Von beiden Kriegsparteien werden verstärkt Drohnen für Angriffe eingesetzt. Diese sind nicht nur auf militärische Ziele gerichtet. Oft geraten auch Zivilist*innen unter Beschuss. Seit Februar 2026 hat Ärzte ohne Grenzen rund 400 Menschen wegen Verletzungen durch Drohnenangriffe behandelt, nachdem zivile Gebiete im Osten des Tschad sowie in verschiedenen Regionen Darfurs getroffen worden waren.

Seit April 2023 wurden bei 213 Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen im Sudan mehr als 2000 Menschen getötet und 720 verletzt – im Jahr 2025 entfielen laut Weltgesundheitsorganisation 82 Prozent aller weltweiten Todesfälle durch Angriffe auf das Gesundheitswesen auf den Sudan. Allein Ärzte ohne Grenzen hat im selben Zeitraum 100 gewaltsame Vorfälle dokumentiert, die sich gegen ihre Mitarbeitenden oder von ihr unterstützte Einrichtungen richteten.

„Das medizinische Personal und die Freiwilligen im Land zeigen ein außergewöhnliches Engagement und bemühen sich, dort Hilfe zu leisten, wo sie am dringendsten benötigt wird – aller Angriffe und der Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft zum Trotz. Dennoch ist die Lage insgesamt katastrophal“, so Parvanta. „Doch es ist noch nicht zu spät, Millionen Menschen vor weiteren Leiden zu bewahren.”