Libanon: Ärzte ohne Grenzen verurteilt Tötung von Rettungskräften
Ärzte ohne Grenzen verurteilt die Angriffe israelischer Streitkräfte auf medizinisches Rettungspersonal im Libanon aufs Schärfste. Zwei Mitarbeitende des libanesischen Zivilschutzes waren am 12. Mai durch einen Drohnenangriff getötet worden, ein weiterer wurde verletzt. Die drei Hilfskräfte wurden attackiert, als sie versuchten, einer Person zu helfen, die bei einem vorangegangenen Angriff verletzt wurde.
Wir sind schockiert über die Tötung von Rettungskräften, die nur ihre Arbeit gemacht haben und dabei enorme Risiken eingegangen sind, um Leben zu retten. Angriffe auf das Gesundheitswesen sind inakzeptabel und dürfen nicht zur Normalität werden
Jeremy Ristord, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Libanon
Am 12. Mai waren auch Rettungskräfte des Najdeh al Schaabiyeh-Krankenhauses ausgerückt, um zu helfen. Sie wurden Zeugen der Tötung ihrer Kolleg*innen und versorgten die verletzte Rettungskraft. Ärzte ohne Grenzen hat in den vergangenen Monaten seine Unterstützung des Najdeh al Schaabiyeh-Krankenhauses hochgefahren und Seite an Seite mit den Rettungshelfer*innen im gesamten Distrikt zusammengearbeitet.
Der Vorfall ist Teil einer besorgniserregenden Entwicklung. In den vergangenen Wochen haben Teams von Ärzte ohne Grenzen im Libanon miterlebt, wie Artilleriefeuer, Luft- und Drohnenangriffe Zivilist*innen, Gesundheitspersonal und Rettungskräfte getötet oder verletzt und Krankenhäuser, Krankenwagen und medizinische Ausrüstung beschädigt haben.
Rettungsteams gezwungen, lebensrettende Maßnahmen zu verzögern
In Nabatieh und im gesamten Südlibanon sehen sich medizinische Rettungsteams zunehmend gezwungen, lebensrettende Maßnahmen zu verzögern oder einzuschränken, weil sie befürchten, ins Visier genommen zu werden. Von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Rettungsteams berichten, dass sie sich aufgrund der Gefahr wiederholter Angriffe nur wenige Minuten an den Explosionsorten aufhalten.
Zu ihrer eigenen Sicherheit müssen sie oft auf den Einsatz von Bergungsequipment verzichten und Evakuierungen hinauszögern. Hierdurch sind Verletzte oft stunden- oder tagelang unter Trümmern gefangen. Ärzte ohne Grenzen hat Patient*innen behandelt, deren Zustand sich durch diese Verzögerungen kritisch verschlechtert hatte, darunter auch solche mit schwersten Verletzungen, an denen sie schließlich starben.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden im Libanon zwischen dem 2. März und 12. Mai 2026 insgesamt 161 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen verzeichnet – mit 110 Toten und 252 Verletzten. Darunter waren 15 Angriffe mit 12 Toten und 21 Verletzten, die nach Inkrafttreten des Waffenstillstands am 17. April stattfanden.
Rettungskräfte und Mitarbeitende des Gesundheitswesens stehen unter dem Schutz des humanitären Völkerrechts. Ihre Tötung ist nicht nur für ihre Familien und Kolleg*innen ein schwerer Schlag, sondern sie schwächt auch das ohnehin schon überlastete Rettungs- und Gesundheitssystem im Libanon weiter.
Unsere Hilfe im Libanon
Neben dem Installieren von sanitären Anlagen leisten wir u.a. medizinische Hilfe und psychologische Betreuung - hier finden Sie Informationen zu unseren Aktivitäten vor Ort.
Für weitere Auskünfte sprechen Sie uns an