Ebolafieber: Eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit
Ebolafieber ist eine schwere hochansteckende virale Erkrankung, die durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch übertragen wird. Die Sterblichkeitsrate unterscheidet sich je nach Virustyp. Sie ist jedoch mit durchschnittlich 50 Prozent extrem hoch. Wirksame Impfungen und Behandlungsmöglichkeiten sind bislang begrenzt.
Um Ausbrüche einzudämmen, müssen Erkrankte isoliert, Gesundheitspersonal geschützt und strenge Hygienemaßnahmen eingehalten werden.
So helfen wir in der DR Kongo
Am 15. Mai 2026 bestätigte das kongolesische Gesundheitsministerium einen Ausbruch der Ebola-Krankheit in der Provinz Ituri. Dieser ist in seinem Ausmaß inzwischen beispiellos. Er hat sich bereits auf 6 Provinzen im Nordosten der DR Kongo ausgebreitet.
Bis zum 5. September wurden mehr als 6.600 bestätigte Fälle und mehr als 3.100 Todesfälle registriert. Angesichts der sehr hohen Infektionszahlen und begrenzter nationaler Ressourcen leisten wir umfassende Nothilfe in den betroffenen Gebieten. Unseren Einsatz passen wir stetig an das Infektionsgeschehen an. Mehr als 1.700 Mitarbeitende sind direkt an der Ebola-Hilfe beteiligt.
Wir unterstützen die kongolesischen Ebola-Expert*innen, in dem wir: Behandlungszentren errichten, Patienti*innen behandeln, Gesundheitspersonal schulen und tonnenweise Schutzausrüstung sowie Hilfsgüter liefern.
Überlastete Gesundheitseinrichtungen, anhaltende bewaffnete Konflikte und eine hohe Mobilität der Bevölkerung erschweren die Eindämmung des Ausbruchs. Deshalb führen wir auch unsere anderen Projekte fort und stärken das Gesundheitssystem vor Ort.
Maßnahmen bei Ausbruch der Ebola-Krankheit
Wissenswertes über Ebolafieber
Ebolafieber ist ein ansteckendes virales hämorrhagisches Fieber. Das bedeutet, dass Patient*innen zusätzlich zu hohem Fieber eine erhöhte Neigung zu Blutungen, zum Beispiel der Schleimhäute entwickeln. Ebolafieber wird durch Kontakt von Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch übertragen. In der Regel gelten für Infizierte strikte Isolationsmaßnahmen.
Ebolafieber kann von verschiedenen Virenspezies verursacht werden. Nur für eine von diesen Virusspezies, das Ebola-Virus (früher Zaire-Virus), gibt es inzwischen Medikamente und Impfungen, die bei einem Ausbruch gut helfen und vor allem die Sterblichkeit reduzieren. Für andere Virustypen wie das Bundibugyo-Virus gibt es bisher keine zugelassenen Impfstoffe. Die Therapie erfolgt daher symptomatisch. Eine frühzeitige Diagnose und unterstützende medizinische Versorgung verbessern die Überlebenschancen erheblich.
Ebolafieber bzw. die Ebola-Krankheit wird durch verschiedene Spezies der Orthoebolaviren verursacht. Es gibt 6 bisher bekannte Spezies von Orthoebolaviren:
- das Ebola-Virus (früher Ziare-Virus),
- das Sudan-Virus,
- das Bundibugyo-Virus
- sowie Thai Forrest, Bumbali und Reston
Die letzten drei Virustypen sind sehr selten. Die letzten großen Ausbrüche in Westafrika (2014-2016) und der D.R. Kongo (2018-2020) sind durch das Ebola-Virus (früher Zaire-Virus) verursacht worden. Für den Ausbruch in Uganda im September 2022 war der Sudan-Typ verantwortlich. Den jüngsten Ausbruch in D.R. Kongo und Uganda im Mai 2026 verursacht das Bundibugyo-Ebola-Virus. Dies ist der 3. nachgewiesene Ausbruch des Bundibugyo-Typs nach Ausbrüchen in Uganda in den Jahren 2007–2008 und in der D.R. Kongo im Jahr 2012.
Für das Bundibugyo-Ebola-Virus gibt es bisher weder zugelassene Behandlungen noch Impfstoffe, und auch die Diagnostik stellt eine besondere Herausforderung dar.
Die aktuelle Sterblichkeitsrate bei dem Ausbruch des Bundibugyo-Virus in der DR Kongo liegt bei fast 50% und damit höher als bei vorherigen Ausbrüchen des Virus. Gründe dafür sind u.a. das viele Erkrankte gar nicht oder erst spät in die Behandlungszentren kommen. Das verschlechtert ihre Überlebenschancen deutlich. Eine frühzeitige intensive unterstützende Behandlung mit fiebersenkenden Mitteln, Rehydrierung und der Behandlung der Symptome verbessert die Überlebenschancen.
Bei vorherigen Ausbrüchen des Bundibugyo-Ebola-Virus lag die Sterblichkeitsrate zwischen 25 und 40% und damit niedriger als bei Ausbrüchen, die durch das Ebola-Virus (früher: Zaire-Virus) verursacht wurden.
Das Ausmaß und die Todeszahlen bei diesem Ausbruch der Ebola-Krankheit sind beispiellos. Das Land ist mit dem schlimmsten Ebola-Ausbruch seiner Geschichte konfrontiert. In den ersten 3 Monaten gab es bereits 6-mal so viele Fälle wie in den ersten 3 Monaten der großen Epidemie 2014-2016 in Westafrika.
Die geleistete Hilfe reicht bei Weitem nicht aus, um den massiven Bedarf zu decken.
- Große Lücken in der Diagnose, Überwachung und Kontaktverfolgung sowie der Einbindung der betroffenen Communitys erschweren die Gegenmaßnahmen. Auch unsere Teams vor Ort sind voll ausgelastet und nicht immer in der Lage, z.B. auf neue Fallmeldungen in neuen Orten zu reagieren. So können Fälle unentdeckt oder unbestätigt bleiben. Das tatsächliche Ausmaß des Ausbruchs kann nicht vollständig erfasst werden.
- Der Ebola-Ausbruch findet in einem komplexen Kontext statt: Menschen sind in der teils schwer zugänglichen Region – DR Kongo, Südsudan, Uganda - viel unterwegs. Eine schwere humanitäre Krise und anhaltende bewaffnete Konflikte haben Millionen Menschen vertrieben. Andere sind im Bergbau tätig und pendeln zwischen den Minen und zuhause, wieder andere unterhalten Handelsbeziehungen. Das kann die Übertragung des Virus beschleunigen und die Eindämmung des Ausbruchs erschweren.
- Viele Gesundheitseinrichtungen waren schon vor dem Ebola-Ausbruch überlastet und unterfinanziert: Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle stehen in vielen Gesundheitseinrichtungen vor der Herausforderung, dass die Ressourcen zu knapp sind, um Ebola-Fälle zu bewältigen und Übertragungsketten effektiv nachzuverfolgen.
- Eine der größten Herausforderungen ist das Misstrauen von Teilen der Bevölkerung gegenüber den aktuellen Maßnahmen zur Bekämpfung des Ausbruchs. Mit möglichst großer Transparenz und Offenheit versuchen wir, den Menschen ihre Ängste und Sorgen zu nehmen und Falschinformationen entgegenzuwirken.
Vor dem aktuellen Ausbruch hat die DR Kongo seit 1976 bereits 16 Ausbrüche der Ebola-Krankheit erlebt. Die kongolesischen Gesundheitsbehörden, das lokale Gesundheitspersonal, Forscher*innen und die Gemeinden haben umfangreiches Fachwissen und Erfahrung im Umgang mit der Ebola-Krankheit aufgebaut.
Orthoebolaviren wie das Ebola-Virus oder das Bundigugyo-Virus übertragen sich
- von Mensch zu Mensch durch den direkten Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten.
- über Oberflächen, die Infizierte mit dem Ebola-Virus kontaminiert haben.
Vor allem für Gesundheitspersonal besteht ein hohes Ansteckungsrisiko, denn sie arbeiten eng mit infizierten Patient*innen. Die Mitarbeiter*innen in Gesundheitszentren müssen daher immer eine persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen.
Das Ebola-Virus oder das Bundibugyo-Virus können zudem auch durch den direkten Kontakt mit an Ebolafieber Verstorbenen übertragen werden. Bestattungen müssen daher ebenfalls mit Schutzausrüstung durchgeführt und die Leichen keinesfalls direkt berührt werden. Dies widerspricht jedoch oft kulturellen Praktiken und dem menschlichen Bedürfnis, von Angehörigen Abschied zu nehmen.
Deshalb sind die Aufklärung und Einbindung der Bevölkerung entscheidend für die Eindämmung eines Ausbruchs.
Die frühen Symptome sind unspezifisch und ähneln einem grippalen Infekt:
- Schmerzen im Oberbauch
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall
Im weiteren Krankheitsverlauf können nach etwa 10 Tagen auftreten:
- Rötung durch Bindehautentzündung
- Kopf- und Brustschmerzen
- Gelenk- und Muskelschmerzen
- Atemnot und Delirium
- Störungen des zentralen Nervensystems
- innere und äußere Blutungen, die zum Tod führen können
Aufgrund der unspezifischen Frühsymptome ist die Diagnose der Infektion mit Orthoebolaviren schwierig. Bei Verdacht auf eine Infektion sind folgende Maßnahmen angezeigt:
- Ein Labortest bestätigt die Diagnose. PCR-Tests sind in vielen Kontexten allerdings oft nicht ohne weiteres verfügbar.
- Patient*innen werden isoliert gepflegt, um das Infektionsrisiko für Angehörige und Betreuer*innen zu minimieren.
- Expert*innen des öffentlichen Gesundheitswesens müssen über den Verdacht der Infektion mit Orthoebolaviren benachrichtigt werden.
- Für das Ebola-Virus (früher: Zaire-Virus) gibt es neuere, sehr viel schnellere PCR-Tests.
Für Ebolafieber, das vom Ebola-Virus verursacht wird, gibt es zugelassene Medikamente: Die Therapeutika Inmazeb® (REGN-EB3) und 2020 Ebanga (mAB114) sind seit Oktober 2020 für die Behandlung von Infektionen mit dem Ebola-Virus (früher Zaire-Virus) zugelassen. Allerdings sind sie in Ländern, in denen Ebolafieber endemisch ist, kaum verfügbar, da die USA die vorhandenen Dosen der Medikamente horten. Einen weltweiten Notvorrat gibt es bislang nicht.
In Ausbrüchen, die durch einen anderen Virustyp, wie z.B. das Bundibugyo-Virus, verursacht werden, werden experimentelle Therapieoptionen untersucht bzw. die Krankheit symptomatisch behandelt.
Die symptomatische Behandlung beinhaltet unterstützende Maßnahmen.
- Symptome wie Fieber und Übelkeit mit Fieber- und Schmerzmitteln lindern
- Flüssigkeitshaushalt mit Trinklösungen regulieren (Rehydrierung)
- Zusätzliche Krankheiten wie Malaria oder Sepsis behandeln
- Patient*innen bei der Ernährung unterstützen
- Isolation der Patient*innen, um eine Ansteckung anderer zu verhindern
- Psychologische Hilfe für Betroffene und ihre Familien
Von zentraler Bedeutung ist, die Übertragung des Virus zu vermeiden.
- Patient*innen werden in speziellen Behandlungszentren mit strengen Vorschriften zur Infektionskontrolle versorgt.
- Alle Kontaktpersonen der Ebola-Infizierten sollten gefunden werden, um Infektionsketten zu durchbrechen und Leichen sicher zu bestatten.
- Expert*innen klären in Gesundheitskampagnen über das Virus auf und versorgen die Menschen mit Informationen, wie sie sich vor der Infektion mit einem Ebola-Virus schützen können und was sie tun sollen, wenn Krankheitssymptome auftreten.
Es gibt bislang nur 2 Impfstoffe für den Ebola-Virus-Typ (früher: Zaire-Virus):
- Der Lebendimpfstoff rVSV-ZEBOV (ERVEBO) wird einmalig intramuskulär ab 18 Jahren verabreicht. Die vorläufige geschätzte Impfwirksamkeit beträgt bis zu 10 Tage nach der Impfung 97,5 bis 100 %. Die Dauer der Schutzwirkung ist bislang unbekannt. Bei Personen, die trotz Impfung erkrankten, wurde ein in der Regel milderer Krankheitsverlauf beobachtet. Die Impfung kann also selbst noch einen gewissen Schutz bieten, wenn Menschen bereits Kontakt mit dem Virus hatten. Eine Studie von Ärzte ohne Grenzen (2024) hat belegt, dass die Impfung (rVSV-ZEBOV) das Sterberisiko bei infizierten Personen halbiert.
- Der 2-Dosen-Kombinationsimpfstoff Ad26.ZEBOV/MVA-BN-Filo wird im Abstand von etwa 8 Wochen zweimal verabreicht. Er wirkt ausschließlich präventiv und ist auch für Kinder ab dem 1. Lebensjahr zugelassen. Von Ad26.ZEBOV/MVA-BN-Filo erhofft man sich eine länger anhaltende Schutzwirkung.
Bisher gibt es keine zugelassenen Impfstoffe gegen andere Orthoebolaviren.
- Gegen den Sudan-Typ gibt es einen Impfstoffkandidaten und eine antivirale Behandlung, die sich noch im Versuchsstadium befinden.
- Im aktuellen Ausbruchsgeschehen des Bundibugyo-Virus hat die Regierung der DR Kongo angekündigt, dass der gegen das Ebola-Virus entwickelte Impfstoff ERVEBO zum Einsatz kommen wird. Nach Angaben der afrikanischen CDC gibt es Hinweise darauf, dass der Impfstoff zumindest Todesfälle verhindert, wenn er auch die Symptome nicht lindert.
- Weitere Impfstoffe, Therapien und Medikamente zur Postexpositions-Behandlung werden derzeit geprüft.
Die Ebola-Krankheit ist bisher ausschließlich auf dem afrikanischen Kontinent südlich der Sahara aufgetreten. Es gab eine geringe Zahl von Menschen, die das Virus ohne bereits Symptome zu haben, in die USA und Europa mitgebracht haben.
Zum ersten Mal brach die Ebola-Krankheit im Jahr 1976 im Norden von Zaire aus, der heutigen DR Kongo. Die Erkrankung breitete sich zunächst in Yambuku aus, 100 km entfernt vom Ebolafluss (Legbala). Die meisten Menschen starben, die damit in Berührung kamen.
Seitdem trat die lebensbedrohliche Krankheit in mehreren afrikanischen Ländern auf, wie z.B. im heutigen Südsudan, in Gabun, der Elfenbeinküste, der Republik Kongo, der DR Kongo sowie in Guinea, Liberia, Sierra Leone und Uganda.
Die größten Epidemien ereigneten sich bislang in Westafrika von 2014 bis 2016 und der DR Kongo von 2018 bis 2020.
Ärzte ohne Grenzen beteiligt sich an der PARTNERS-Studie als klinischer Studienstandort im unterstützten Elikya Ebola-Behandlungszentrum in Bunia, DR Kongo. Dort informieren wir geeignete Patient*innen über die Studie und ermöglichen eine freiwillige Teilnahme.
Die PARTNERS-Studie ist eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstützte internationale klinische Studie. Das Studiendesign und das Protokoll leiten die WHO und ihre Forschungspartner*innen. Sie untersucht, ob die Medikamente MBP134 und Remdesivir bei der Bundibugyo-Viruskrankheit sicher und wirksam sind. Wenn sich die Behandlungen bewähren, könnten sie künftig bei Ebola-Ausbrüchen breiter eingesetzt und die Versorgung von Patient*innen verbessert werden.
Die Studie wird von der WHO gefördert und vom Institut National de Recherche Biomédicale (INRB) in der DR Kongo, dem Institut für Tropenmedizin in Belgien und der Universität Oxford im Vereinigten Königreich koordiniert – in Zusammenarbeit mit internationalen Forschungs-, klinischen und humanitären Partner*innen, darunter Ärzte ohne Grenzen, und mit Unterstützung der Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC).
So können Sie helfen
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