Covid-19: Unregulierter Markt für Schutzausrüstung gefährdet Menschenleben

Schutzausrüstung ist essenziell um unser Personal, wie diese Mitarbeiterin im griechischen Flüchtlingslager Moria auf Lesbos, zu schützen.

Paris/Berlin, 28. Mai 2020. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert dringend eine Regulierung des außer Kontrolle geratenen weltweiten Marktes für Schutzausrüstung. Seit Beginn der Covid-19-Pandemie hat die Konkurrenz auf dem Markt für medizinische Ausrüstung ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht, und in vielen Ländern wurden Ausfuhrverbote und andere protektionistische Maßnahmen erlassen. Das hat zu hohen Preisen und Lieferengpässen insbesondere für Schutzausrüstung für Gesundheitsmitarbeiter geführt. Die Verteilung müsse transparent und gerecht erfolgen.

„Im Moment ist der Markt für Schutzausrüstung intransparent. Es ist unklar, was wo in welcher Qualität produziert wird, wie hoch die Lagerbestände sind und wie sie verteilt werden“, sagt Thierry Allafort-Duverger, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Frankreich. „Länder, die mit Lieferengpässen zu kämpfen haben, wurden nur bruchstückhaft und einmalig unterstützt. Das sorgt für Unsicherheit, Chaos und eine ungerechte Verteilung. Dabei brauchen die Gesundheitssysteme in Zeiten von Covid-19 Berechenbarkeit mehr denn je.“

In vielen Ländern gelingt es den Gesundheitsbehörden und anderen medizinischen Anbietern kaum, eine verlässliche Versorgung mit Schutzausrüstung für medizinisches Personal sicherzustellen, dazu gehören unter anderem FFP2-Masken, Schutzbrillen und Kittel. Auch Ärzte ohne Grenzen hat Schwierigkeiten, die Versorgung mit Schutzausrüstung für die Projekte weltweit zu planen. Das behindert nicht nur den Kampf gegen Covid-19, sondern auch andere medizinische Hilfe wie etwa Operationen oder die Behandlung von Infektionskrankheiten wie Masern oder Tuberkulose.  

„Wir müssen unbedingt verhindern, dass Krankenhäuser die Epidemie noch befeuern“, sagt Christine Jamet, Leiterin der Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen in Genf. „Deshalb muss das medizinische Personal effektiv geschützt werden, auch dort, wo sich das Virus bislang noch nicht stark ausgebreitet hat. Zu viele Mitarbeiter des Gesundheitswesens sind derzeit weltweit Covid-19 schutzlos ausgeliefert.“

Wenn sich Krankenhäuser zu Zentren für die Ausbreitung der Krankheit entwickeln, dann wird eine Mischung aus Angst, Erkrankungen des Gesundheitspersonals und einem organisatorischen Zusammenbruch die reguläre Gesundheitsversorgung der Menschen zum Erliegen bringen. In einigen Einsatzländern ist dies schon der Fall. Im Jemen nimmt etwa das Unfallkrankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Aden immer mehr Patienten auf, nachdem andere Kliniken schließen mussten. In Kenia muss Ärzte ohne Grenzen womöglich in einigen Wochen die lebensrettende Hilfe in einigen der ärmsten Slum-Gebiete Nairobis beenden, wenn die Teams keine Schutzausrüstung bekommen können.