Mitarbeiterinnenporträt Nicole Langer, Psychologin

Psychosoziale BeraterInnen

Kurzprofil

Einsatzland: Pakistan
Alter: 36

Letzte Arbeitsstelle in Deutschland:

Krankenhaus Rüdersdorf, Psychiatrische Abteilung

Ausbildung:

Diplompsychologin

Projekte mit Ärzte ohne Grenzen:

2009/2010 in Pakistan

Ein Buch, das mich während meines letzten Einsatzes begleitet hat:

"Three cups of tea"von Mortenson. Das Buch handelt von der Geschichte des Höhenbergsteigers Greg Mortenson, der sein Leben dem Aufbau von Schulen in Pakistan gewidmet hat.

Musik, die ich gehört habe:

Unter anderem Billy Talent, Pennywise, Kaotiko, Seeed. Das war ein guter Ausgleich zur indischen Popmusik und pakistanischen Folklore, die ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit hören durfte.

Wie sah dein Berufsalltag im letzten Projekt mit Ärzte ohne Grenzen aus?

Als Mental Health Officer arbeitete ich in zwei Projekten in Pakistan: in Kuchlak und Chaman. Dort war ich war als Supervisor zuständig für die psycho-sozialen Berater und für die Kollegen, die Gesundheitsaufklärung gemacht haben. Die Kliniken beider Orte sind vorrangig auf die Behandlung von (schwangeren) Frauen ausgerichtet. In Kuchlak gibt es darüber hinaus eine medizinische Ambulanz für Männer.

Jeden Morgen bin ich von Quetta zusammen mit unseren pakistanischen Mitarbeitern in die Klinik nach Kuchlak gefahren. Wir fuhren in zwei Minibussen, Männer und Frauen voneinander getrennt. Die Vormittage habe ich mit einem oder zwei Beratern verbracht und ihre Beratungsgespräche verfolgt. Die Vormittage konnten sehr anstrengend sein, da die Patienten vor allem in den ersten drei Stunden nach Öffnung des Krankenhauses kamen. Es kam immer wieder vor, dass die Berater zwischen den einzelnen Gesprächen kaum Pause hatten, und es so auch für mich schwieriger war, ihnen Feedback zu geben und den weiteren Behandlungsverlauf zu besprechen. Neben diesen Betreuungsaufgaben verbrachte ich auch Zeit im Wartebereich der medizinischen Ambulanz, um einen Einblick in die Arbeit der Kollegen zu bekommen, die dort die Gesundheitsaufklärung durchgeführt haben. Dies war nicht immer so einfach, da der Wartebereich meistens überfüllt und die wartenden Patienten mehr an mir interessiert waren als am Thema, das gerade erläutert wurde. Die Nachmittage waren gefüllt mit Fortbildungen für meine nationalen Kollegen und natürlich auch mit einigen Teammeetings, bis es dann an der Zeit war, mit allen zusammen nach Quetta zurück zu fahren. Nach der Arbeit in der Klinik habe ich dann in Quetta noch im Büro weitergearbeitet, um z.B. Fortbildungen vorzubereiten, E-Mails zu beantworten und Berichte zu schreiben.

Was hast du in deiner Freizeit gemacht?

Da meine anderen internationalen Kollegen und ich aus Sicherheitsgründen in der Freizeit das Haus und Grundstück nicht verlassen durften, habe ich versucht, mich mit Yoga und einem Hometrainer fit zu halten. Den größten Teil der Zeit habe ich mit lesen, schreiben und Musik hören verbracht oder ich habe an den Abenden mit den anderen auf unserem Dach gesessen und entspannt.

Was hast du am meisten geschätzt während deines letzten Projektaufenthalts?

Beeindruckend fand ich die Freundlichkeit und Offenheit, mit denen unsere pakistanischen Mitarbeiter jeden neuen Kollegen aufgenommen haben. Die Herzlichkeit unseres Teams machte es mir leichter, mich in diesem unsicheren Kontext für neun Monate aufzuhalten.

Was hat dir am meisten von Zuhause gefehlt?

Mir hat am meisten die Freiheit gefehlt, mich auf den Straßen frei und ohne Begleitung bewegen zu können.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich möchte sobald wie möglich wieder mit Ärzte ohne Grenzen unterwegs sein.

Was ist die schönste Erinnerung an die Projektarbeit?

Ich hatte die Möglichkeit, mein Wissen weiterzugeben und gleichzeitig jeden Tag etwas Neues über die Kultur und Gesellschaft von meinen pakistanischen Kollegen und Patienten lernen zu können.