Zuerst Kaschmir und jetzt Darfur

Stefan Hilscher war 2005 für Ärzte ohne Grenzen in Kaschmir, nun ist er unterwegs zu seinem nächsten Einsatz.

Stefan Hilscher hat seinen Job beim Landkreis gekündigt. Für zwei Jahre wird er für die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" arbeiten. (Von Marlies Steffen)

Neustrelitz. Stefan Hilscher wird wieder ein "Arzt ohne Grenzen". Gut zwei Jahre Pause liegen zwischen seinem ersten Einsatz in Kaschmir und dem jetzt anstehenden im Sudan. Einen guten Teil dieser Zwischenzeit hat Hilscher in Mecklenburg-Strelitz als Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes verbracht. Eine Arbeit, die mit der in Krisenregionen dieser Welt nichts gemein hat. Die ihn aber auch hier auf viel Krisenpotenzial treffen ließ. Menschen mit Depressionen, Suizidgefährdung, mit Beziehungsdramen, mit schweren Krankheiten hat er beraten und ein Stück begleitet. Spuren hinterließ der Diplompsychologe auch auf anderen Wegen. In zwei Vortragsreihen in Friedland und Neustrelitz wanderte er fast zwei Dutzend mal auf den Pfaden der Psychologie und das mit nicht geringer Anhängerschaft.

Stefan Hilscher ist aber nicht der Mann, der sich jetzt schon festlegen möchte. Hier in Neustrelitz den Vertrag zu verlängern, wäre eine Option für den 40-Jährigen gewesen. Aber wohl eine mit zu viel Sicherheit.

Am 1. April wird Hilscher nun nach Darfur (Sudan) gehen, in eine Region wo das Wort Sicherheit ein Fremdwort ist, wo er in drei Flüchtlingscamps, in denen 40 000 Menschen leben, eine Basisgesundheitsversorgung mit aufbauen will. Der Neustrelitzer auf dem ständigen Koffer in Berlin wird sich um die psychologische Betreuung der Flüchtlinge kümmern. Angesichts der durch den Terror im Sudan, durch Krieg, Misshandlung, Vergewaltigung, Verwundung traumatisierten Menschen eine Herausforderung, die mehr abverlangen dürfte, als die bloße Neugier auf eine fremde Kultur, auf Afrika und ein bisschen Abenteuer.

Bei seinem Sudan-Auftrag wird Stefan Hilscher mit Sicherheit von seinen Erfahrungen aus 15 Monaten Kaschmir-Einsatz zehren. Dort ging es auch um den Aufbau einer psychotherapeutischen Grundversorgung. In Kaschmir kommen auf 3.5 Millionen Kaschmiri 800 000 Soldaten. Zwei Drittel der Bevölkerung leidet wegen des langen Bürgerkrieges unter psychischen Erkrankungen. Doch Stefan Hilscher hat in Kaschmir auch erlebt, dass der Mensch nicht nur den Menschen zum Feind haben kann. Bei dem starken Erdbeben in Kaschmir im Herbst 2005 war er mittendrin. Vielen Erdbebenopfern konnte damals gar nicht geholfen werden, da sie von der Außenwelt abgeschnitten waren. Zudem gab es über mehrer Monate fast täglich Nachbeben, so dass weder Helfer noch Betroffene zur Ruhe kamen.

Nach dem über zweijährigen Abstand zu den großen Krisengebieten dieser Welt verspürt Stefan Hilscher jetzt ausreichend Kraft, dort erneut ein Multiplikator für Hilfe zu sein. Zwei Jahre will er insgesamt für "Ärzte ohne Grenzen" tätig sein, bevor er nach Deutschland zurückkommt, Ob er dann wieder nach Neustrelitz geht? Ein Vielleicht gibt es als Antwort. Das Danach ist für den Mann wohl jetzt auch ganz und gar nicht wichtig.