Zentralafrikanische Republik

Zentralafrikanische Republik: Neue Welle der Vertreibung in Bouca

In der Stadt Bouca im Nordwesten der Zentralafrikanischen Republik ist es nach Zusammenstößen zwischen bewaffneten Gruppen zu einer neuen Welle der Vertreibung gekommen. In der letzten Novemberwoche brachen zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten Kämpfe zwischen ehemaligen Séléka-Kräften und Anhängern der Anti-Balaka aus. Etliche Menschen wurden verletzt und getötet. Etwa die Hälfte der 700 Menschen, die seit September Zuflucht auf dem Gelände der katholischen Mission der 15.000-Einwohner-Stadt suchten, ist erneut geflohen. Ärzte ohne Grenzen ist extrem besorgt um die Vertriebenen. Die Vereinten Nationen und andere humanitäre Akteure müssen umgehend helfen.

„Die Kämpfe in Bouca zeigen, wie entsetzlich sich die Welle der Gewalt über die Zentralafrikanische Republik ausbreitet“, sagt Sylvain Groulx, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. „Wir sind extrem besorgt über die Lebensbedingungen der Vertriebenen, die teilweise in überfüllten Kirchen, Moscheen und Schulen hausen – oder für unsere Augen unsichtbar in den umliegenden Wäldern, ohne Zugang zu Medizin, Nahrung und Wasser, bedroht von Seuchen. Es muss hier viel mehr geholfen werden – und es muss sofort geholfen werden.“

Hunderte Häuser niedergebrannt

Der jüngsten Gewaltwelle waren bereits im September Kämpfe vorangegangen, bei denen in Bouca etwa 100 Zivilisten getötet wurden. 700 Häuser wurden niedergebrannt und tausende Menschen vertrieben. Seitdem leben die Menschen in der Region in einem Klima der Angst und Einschüchterung. 700 Menschen, die Schutz in der katholischen Mission von Bouca suchen, erhielten das Ultimatum, den Ort zu verlassen.

„Mehr als die Hälfte der 700 Schutzsuchenden in der katholischen Mission sind erneut geflohen“, sagt Matthieu Amiraux, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Bouca. „Die Situation spitzt sich mehr und mehr zu, muslimische Familien verlassen die Stadt in Scharen. Man sieht nur noch Bewaffnete.“

Auch im benachbarten Bossangoa sind rund 35.000 Vertriebene weiter auf Hilfe angewiesen. Seit Mitte November arbeitet Ärzte ohne Grenzen hier mit mobilen Kliniken, um jenen Menschen zu helfen, die sich außerhalb der Stadt versteckt halten. Auch hier erhalten die Menschen bislang nicht ausreichend Hilfe.

400.000 Menschen vertrieben

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen (UN) wurden seit dem Staatsstreich im März 400.000 Menschen innerhalb der Zentralafrikanischen Republik vertrieben, das entspricht zehn Prozent der Bevölkerung.

Ärzte ohne Grenzen fordert von den Vereinten Nationen und anderen humanitären Organisationen die Präsenz in der Region zu verstärken und auf diese vernachlässigte Krise angemessen zu reagieren.

Nach Jahrzehnten politischer und militärischer Instabilität steckt die Zentralafrikanische Republik in einer tiefen humanitären und medizinischen Krise. Ärzte ohne Grenzen ist seit 1997 im Land aktiv. Aktuell laufen sieben reguläre Projekte in Batangafo, Boguila, Carnot, Kabo, Ndele, Paoua und Zemio. Im März dieses Jahres wurden zusätzlich Notfalleinsätze in Bossangoa, Bouca und Bria gestartet. Ein mobiles Notfallteam steht speziell für die Hilfe in Gegenden zur Verfügung, die besonders von Gewalt betroffen sind. Es war bislang in Bouar, Mbaiki und Yaloké tätig.