Südsudan

Zehntausende Flüchtlinge ohne ausreichend Trinkwasser - Ein Wettlauf gegen die Zeit

Wettlauf gegen die Zeit: Mehr als 30.000 Flüchtlinge sind in den vergangenen Wochen vor Kämpfen im sudanesischen Bundesstaat Blue Nile in den Südsudan geflohen. An einem Sammelpunkt, an dem sich momentan 16.000 entkräftete Flüchtlinge aufhalten, reicht das Wasser nur noch für eine Woche.

Zehntausenden Flüchtlingen, die aus dem Sudan in die Region Maban im Bundesstaat Upper Nile im Südsudan geflohen sind, droht das Trinkwasser auszugehen. Besonders akut ist der Wassermangel in einem provisorisch errichteten Sammelpunkt mit der Bezeichnung "km18" (18 Kilometer vom Flüchtlingslager Jamam entfernt). Dort befinden sich derzeit etwa 16.000 Flüchtlinge. Die Wasservorräte sind in acht Tagen aufgebraucht. Erste Menschen sind bereits verdurstet. Die Flüchtlinge werden derzeit in ein anderes Lager umgesiedelt - aber das dauert und durch Regenfälle können die Straßen jederzeit unpassierbar werden. Auch in Batil, dem neuen Lager, ist Wasser knapp.

Erna Rijnierse, Medizinerin von Ärzte ohne Grenzen in den Flüchtlingslagern Jamam und "km18": "Ich habe Menschen verdursten sehen. Flüchtlinge sterben, weil sie durch Durchfallerkrankungen ausgetrocknet sind und nicht genug Trinkwasser haben. Sie sind vier bis sechs Tage zu Fuß geflohen - praktisch ohne jede Nahrung und kaum Wasser. Das ist für einen menschlichen Körper kaum zu verkraften."

Ärzte ohne Grenzen bringt derzeit als einzige Organisation Trinkwasser in den Sammelpunkt "km18": 180 Kubikmeter pro Tag. Doch die Menge reicht kaum für das Nötigste. An 4.000 Familien haben die Mitarbeiter außerdem Decken, Wasserkanister, Plastikplanen, Seife und nährstoffreiche Kekse verteilt.

Auch in den Lagern Jamam, Doro und Batil bereitet Ärzte ohne Grenzen, gemeinsam mit anderen Organisationen, Trinkwasser auf. In allen vier Lagern leisten Mitarbeiter der Organisation außerdem medizinische Hilfe. Zwischen dem 11. und 17. Juni haben sie mehr als 5.000 Patienten behandelt und mehr als 11.000 Flüchtlinge gegen Masern geimpft.

Auch andere Organisationen müssen dringend bei der Trinkwasserbereitstellung helfen

Ärzte ohne Grenzen fordert andere Organisationen dazu auf, umgehend Wasser in die Lager "km18", Batil und Jamam zu bringen. Die Flüchtlinge in "km18" müssen zudem so schnell wie möglich an einen Ort gebracht werden, an dem sie nicht nur mit sauberem Trinkwasser, sondern auch mit Nahrungsmitteln und Zelten versorgt werden. Im Lager Batil, wo derzeit fast 18.000 Menschen Schutz suchen, muss die Hilfe aufgestockt werden. An den Straßen sind dringend Reparaturarbeiten erforderlich, damit sie auch bei Regen passierbar bleiben. Außerdem müssen konkrete Pläne ausgearbeitet werden, für den Fall dass weitere Flüchtlinge nach Maban kommen.