Welt-Malaria-Tag 2008: Kommentar von Ärzte ohne Grenzen

75 % der Malaria-Patienten im Krankenhaus in Gondama sind Kinder unter fünf Jahren.

Am Welt-Malariatag begrüßt Ärzte ohne Grenzen die Nachricht, dass die Verbreitung von Malaria in einigen der ärmsten Länder der Welt abgenommen hat. Die Verteilung schützender und mit Insektiziden imprägnierter Moskitonetze hat die Todesfälle durch Malaria in Ländern wie Ruanda und Äthiopien laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verringert. Ärzte ohne Grenzen hat ebenfalls einen Rückgang der schwerwiegenden Malariafälle in den Ländern festgestellt, die neue Strategien eingeführt haben, Malaria erfolgreich zu diagnostizieren und zu behandeln.

Aber bedauerlicherweise zeigt sich Ärzte ohne Grenzen ein anderes Bild in den Gebieten, die von Krieg, Vertreibung oder korrupten Regierungen betroffen sind. In Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo sind viele Menschen gezwungen worden, ohne Behausung in Wäldern zu leben. In diesen Gegenden sind wenige Gesundheitseinrichtungen oder ausgebildetes Gesundheitspersonal vorhanden, die Malaria-Medikamente anbieten.

Malariabehandlung muss auch Menschen in Konflikten erreichen

Weil sie die Transportkosten nicht bezahlen können, müssen Mütter oft 10 bis 20 Kilometer mit ihren kranken Kindern in der heißen Sonne an gefährlichen Straßen entlang laufen. Dann warten sie für Stunden in einer überfüllten Gesundheitsstation, die eventuell nicht in der Lage ist, das Problem des Kindes genau zu diagnostizieren und eine geeignete Behandlung anzubieten. Vielerorts sind abgelaufene und zunehmend wirkungslose Medikamente wie Chloroquin die einzigen verfügbaren Malaria-Mittel.

Trotz der Tatsache, dass viele afrikanische Regierungen offiziell dem Wechsel zu einer neuen Medikamentenfamilie zugestimmt haben, der Kombinationstherapie auf Basis des Wirkstoffs Artemisinin (ACT), erreichen diese Malaria-Mittel viele der Orte nicht, an denen sie dringend benötigt werden. Auch wenn große Geberinstitutionen die ACT-Behandlung in den vergangenen Jahren maßgeblich finanziell gefördert haben, sieht Ärzte ohne Grenzen nicht, dass diese Medikamente angewendet werden.

Falsche Behandlung durch fehlende Tests

Schwieriger wird die Situation dadurch, dass unerfahrene oder schlecht ausgebildete Gesundheitshelfer, die keinen Zugang zu einfachen Malariatests haben, geneigt sind, bei jedem Kind mit Fieber Malaria zu diagnostizieren. Diesem Kind wird dann irrtümlicherweise ein Medikament gegen Malaria gegeben, obwohl das Fieber eigentlich aufgrund einer völlig anderen, eventuell ernsthafteren Erkrankung entstanden ist.

Selbst wenn die Diagnose für das Kind richtig ist und eine wirkungsvolle Malariabehandlung in der Klinik möglich, ist die Familie wahrscheinlich nicht in der Lage, sie zu bezahlen. "Kostendeckungsprogramme", bei denen Patienten für medizinische Versorgung zahlen müssen, haben sich nach Untersuchungen von Ärzte ohne Grenzen als bedeutende Barriere für Menschen gezeigt, adäquate medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen.

Obwohl Ärzte ohne Grenzen den Fortschritt nicht schmälern möchte, der in der Bekämpfung von Malaria erreicht wurde, ist noch ein weiter Weg zu gehen. Moskitonetze, Diagnose-Tests und wirkungsvolle Medikamente müssen die am meisten gefährdeten Bevölkerungen erreichen, die durch Konflikte, Vertreibung und Armut isoliert sind, bevor wir mit Zuversicht beginnen können, über die Ausrottung von Malaria zu sprechen.

Moskitonetze müssen an die arme Landbevölkerung verteilt werden, die in den Gebieten leben, wo die Moskitos sehr wahrscheinlich brüten und deren Behausung nicht von einem Einfall der Moskitos geschützt werden kann. Die Netze müssen kostenlos verteilt und Empfängern müssen die genauen Informationen über die richtige Nutzung gegeben werden. Sie müssen eingesetzt werden, um die von Malaria am meisten gefährdeten Menschen zu schützen: schwangere Frauen und Kinder.

Schnelle Diagnose-Tests müssen in Gegenden ausgeliefert werden, in denen hochwertige Mikroskopie für die Gesundheitsstationen nicht verfügbar ist. Diese schmalen Plastikstreifen ermöglichen, die tödliche Malariaart schnell, wirksam und einfach nur mit einem Blutstropfen vom Finger des Patienten zu diagnostizieren. Wenn der Test negativ ausfällt, kann der Gesundheitshelfer genauer nach der wahren Diagnose des Problems suchen.

Wirksame Behandlung erreicht zu wenige Patienten

Die ACT-Behandlung muss viel mehr Patienten erreichen. Es gibt geschätzte 500 Millionen Fälle von Malaria jedes Jahr und es gibt immer noch nicht genug Medikamente, um den Bedarf zu decken. Ein aktueller Report von UNICEF stellt fest, dass nur sechs Prozent der Kinder mit Malaria eine ACT-Behandlung bekommen. Teilweise immune Erwachsene können mit wirkungslosen Medikamenten überleben, aber ungeschützte Kinder und schwangere Mütter haben ein hohes Todesrisiko.

Wenn die ACT-Behandlung Hand in Hand mit wirksamen Diagnosegeräten genutzt wird, hat sie das Potential, Hunderttausenden das Leben zu retten. Es ist entscheidend, dass die Weltgemeinschaft bei der Entwicklung von Medikamentenresistenzen aufmerksam bleibt und Systeme zur Früherkennung und Handhabung derartiger Resistenzen aufbaut. Nur auf diesem Weg können wir garantieren, dass wir keine Wiederholung eines Misserfolgs wie mit Chloroquin sehen, wenn wachsende Resistenzen gegen das Mittel in einem Wiederaufleben der Krankheit enden.

"Malaria-Ehrenamtliche" helfen in entlegenen Gebieten

Schlussendlich werden wir einfallsreiche Projekte entwickeln müssen, um den Zugang zu wirksamer Malariabehandlung in entlegenen Gebieten zu verbessern. Ärzte ohne Grenzen unterhält einige Pilotprojekte, in dem die Organisation Laien zu "Malaria-Ehrenamtlichen" im Dorf ausbildet, die grundlegende Malariatests und -behandlung ausführen können. In Sierra Leone und Mali haben wir Vertreter der Gemeinden ausgebildet, in ihren Dörfern Malaria zu untersuchen und zu behandeln. Wir haben Gesundheitshelfer in der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo ausgebildet, die Patienten zu behandeln, die zu verängstigt sind, ihre Zufluchtsstätte im Wald zu verlassen. Ähnliche Modelle werden in Äthiopien, Tschad und Kambodscha genutzt, um entlegene oder isolierte Gebiete zu erreichen.