Angola

Vertriebene Kongolesen leiden unter Gewalt und Erniedrigungen

Mehr als 30.000 aus Angola vertriebene Kongolesen wurden seit dem 26. Mai bei Kahungula (Provinz Bandundu) in den Südwesten der Demokratischen Republik Kongo zurückgeführt. Ein Team von Ärzte ohne Grenzen reagierte auf einen Hilferuf der kongolesischen Behörden und versorgte die Vertriebenen medizinisch und schätzte ihre Situation ein.

Das Notfall-Team, bestehend aus einem Koordinator, einem Arzt und einer Krankenschwester, leistete den Bedürftigen erste Hilfe. Außerdem befragten sie die täglich über die Grenze ausgewiesen 600 bis 700 Kongolesen nach ihren Erlebnissen. "Allem Anschein nach sind die Vertreibungen Teil eines groß angelegten Plans in Angola", erklärte Bertrand Perrochet, Koordinator des Teams. "Die Menschen sind aus den Provinzen Malanje und Lunde Norte. Die meisten kommen aus Lagern nahe den Diamantenminen, die sie unter Zwang verlassen mussten, andere sind freiwillig aus städtischen Gegenden weggegangen."

Nach Zeugenaussagen umstellt die angolanische Armee die Diamantenminen, in denen viele kongolesische Emigranten illegal graben, und fordert sie zum Gehen auf. Die Männer werden sofort weggeführt, zu Fuß oder auf Lastwagen zunächst in geschlossene Lager gebracht und von dort aus in Gruppen zu mehreren Hundert über die kongolesische Grenze ausgewiesen.

Patienten klagen über alle Arten körperlicher Gewalt

Die Vertriebenen, denen Ärzte ohne Grenzen in dieser Region geholfen hat, sind zu 80 Prozent Männer und keine Opfer systematischer sexueller Gewalt, wie es 2007 der Fall war. Dennoch wird von einigen Fällen körperlicher Gewalt und erniedrigenden Untersuchungen des Anal- oder Vaginalbereiches durch angolanische Soldaten während der Vertreibungen berichtet. "Ziel dieser Untersuchungen ist es, den Kongolesen Wertsachen, wie Geld oder Diamanten, wegzunehmen bevor sie Angola verlassen", erläuterte Perrochet. "Manche Patienten klagen außerdem über Schläge oder Verletzungen durch Messer oder Macheten, die ihnen von angolanischen Soldaten oder manchmal sogar von der angolanischen Bevölkerung zugefügt wurden - immer mit der Absicht, sie zu bestehlen oder auszurauben. Ein Mann, den das Team getroffen hat, war von Zivilisten geschlagen worden, weil er sich geweigert hatte, seinen Gürtel abzugeben. Er starb in Kahungula an seinen Verletzungen."

Ärzte ohne Grenzen wird die Situation der Vertriebenen weiter genau beobachten. Jeden Tag sprechen Mitarbeiter des Notfallteams in Kinshasa und in Lubumbashi mit ihren Kontaktpersonen in Tembo und Kahungula (Provinz Bandundu) und in Kamonya und Kamako nahe der Grenze (Provinz Kasai). Denn auch über Kamako wurden 2.600 Kongolesen aus Angola vertrieben.

Bereits im Dezember 2007 hatte Ärzte ohne Grenzen den systematischen Einsatz von Vergewaltigungen und körperlicher Gewalt durch die angolanische Armee bei der Vertreibung kongolesischer Emigranten, die in Diamantenminen in der angolanischen Provinz Lunda Norte arbeiten, offengelegt.