UNICEF veröffentlicht Impfpreise – Großer Einfluss auf Markt in ärmeren Ländern erhofft

Genf/Berlin, 27. Mai 2011. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) hat beschlossen, die Preise zu veröffentlichen, die es an die Hersteller von Impfstoffen zahlt. Damit folgt UNICEF dem Gebot der Transparenz und fördert die Konkurrenz zwischen einzelnen Herstellern, um die Preise für Impfungen in ärmeren Ländern zu senken.

„Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn bisher war es für die Länder schwierig herauszufinden, wie viel eine Herstellerfirma für bestimmte Impfungen verlangt“, sagt Daniel Berman, stellvertretender Leiter der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Vollkommene Preistransparenz erleichtert den Wettbewerb und ermöglicht es den Käufern die beste Entscheidung für ihre Impfprogramme zu treffen.“

UNICEF ist einer der größten Abnehmer von Impfstoffen und hat alleine im Jahr 2010 insgesamt 750 Millionen Dollar für diese ausgegeben. Bis Januar 2011 veröffentlichte UNICEF lediglich gewichtete Durchschnittspreise und keine Liste der spezifischen Preise einzelner Hersteller. Das machte es für Regierungen schwierig nachzuvollziehen, ob die von den Impfstoffherstellern geforderten Preise angemessen waren.

Bereits Anfang des Jahres wurde ein Berichtssystem für die Preise, die UNICEF in den vergangenen zehn Jahren bezahlte, auf freiwilliger Basis etabliert. Trotz anfänglichen Widerstands gaben die meisten Unternehmen nun grünes Licht für die Veröffentlichung der Preisbewegungen der vergangenen Jahre. Von jetzt an werden die Preise der Unternehmen systematisch und routinemäßig veröffentlicht.

„Der Zugang zu diesen Informationen ermöglicht es Käufern von der steigenden Kapazität der Schwellenländer zu profitieren, die immer mehr in der Lage sind, qualitativ hochwertige Impfstoffe zu entwickeln und zu deutlich geringeren Kosten zu produzieren“, sagt Berman.

Auch die GAVI Allianz, ein wichtiger Geldgeber für Impfungen in Ländern mit geringem Einkommen, könnte zu einer Preissenkung beitragen. Ärzte ohne Grenzen drängt GAVI schon lange dazu, seine Marktmacht zu nutzen, um die Konkurrenz zu stimulieren und einen Anreiz für Produzenten aus Schwellenländern zu setzen und so die Entwicklung kostengünstiger und angepasster Versionen von Impfstoffen zu beschleunigen.

„Ärmere Länder würden von Impfstoffen profitieren, die leichter zu lagern und auch ohne eine geschlossene Kühlkette zu transportieren sind. Auch eine einfachere Verabreichung – oral oder mithilfe eines Pflasters, die keine Nadeln benötigt, wäre sehr vorteilhaft. GAVI sollte das Gewicht seiner großen Kaufkraft in die Waagschale werfen, um die Produzenten auf diesen Weg zu bringen”, sagt Berman.