Hunderttausende Vertriebene durch Konflikt in dramatischer Lage

Somalia

Sicherheitslage erschwert Hilfe

Speziell im Gebiet um Mogadischu sieht sich Ärzte ohne Grenzen aufgrund der schlechten Sicherheitslage immer wieder daran gehindert, noch mehr Bedürftige zu erreichen. Im August hatte die Organisation bereits alle am Konflikt beteiligten Parteien aufgerufen, die Sicherheit des medizinischen Personals bei humanitären Hilfeleistungen in und um Mogadischu zu gewährleisten. In den Krankenhäusern der Organisation von Kismayo bis Galcayo leisten die internationalen Teams medizinische Hilfe auf allen Bereichen bis hin zum chirurgischen Eingriff. Zu den alltäglichen Aufgaben gehört die Behandlung von Mangelernährung, Kala Azar (Leishmaniose) und Tuberkulose sowie die medizinische Versorgung für Mütter und Kinder.

Leben auf der Straße vor den Toren der Hauptstadt Mogadischu

Ärzte ohne Grenzen ist in Mogadischu und anderen Orten des Landes seit Beginn dieses Jahres verstärkt präsent. So hat die Organisation im April in Afgooye vor den Toren der Hauptstadt ein Projekt gestartet. Rund 200.000 Menschen aus Mogadischu haben in der Region Zuflucht gesucht. Die Menschen leben dort unter härtesten Bedingungen, ohne ausreichend Wasser und Nahrung, praktisch auf der Straße. Viele der Menschen, die in Mogadischu geblieben sind, hausen nur noch in Notunterkünften, nur noch mit Kunststoffplanen und zerrissenen Stoffen als Schutz. Sie sind einem hohen Maß an Gewalt ausgesetzt. Das Land ist vom 16 Jahre währenden Konflikt schwer gezeichnet, es herrschen erbärmliche Hygienebedingungen und die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt nur 47 Jahre. Nur wenigen internationalen Hilfsorganisationen ist es dort gelungen, unabhängige Hilfsprogramme wirksam in die Tat umzusetzen. Ärzte ohne Grenzen, bereits seit 1991 vor Ort, hat seine Bemühungen im laufenden Jahr weiter verstärkt und leitet derzeit Projekte in zehn der elf Regionen in Süd- und Zentralsomalia.
Die Gewalt in Somalia hat im vergangenen Jahr das wohl schlimmste Ausmaß der vergangenen 15 Jahre erreicht; die durch den Konflikt Vertriebenen befinden sich in einer dramatischen Situation. Dennoch hat es den Anschein, als würden sowohl die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit als auch die humanitäre Hilfe für die Menschen vor Ort allmählich abflauen. Äthiopische Truppen und Truppen der Übergangsregierung, unterstützt von internationalen Partnern wie den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union, bekämpften sich mit verschiedenen bewaffneten Gruppierungen, darunter Anhänger der Union Islamischer Gerichte. Die Auseinandersetzungen forderten bereits ungezählte Opfer unter der Zivilbevölkerung und führten zur Vertreibung Hunderttausender aus der Hauptstadt Mogadischu.