Liberia

"Sexuelle Gewalt ist ein Schandfleck unserer Gesellschaft." Ein Gespräch mit Projektkoordinatorin Theresa Saday.

Sexuelle Gewalt trifft besonders Kinder.

“Ich treffe jeden Tag die Opfer sexueller Gewalt und ihre Eltern. Sie zu treffen motiviert mich und entfacht meine Leidenschaft, die sexuelle Gewalt zu bekämpfen. Diese Kinder brauchen meine Hilfe, und ich wünsche mir, dass andere Kinder, Frauen und Männer sicher leben können und respektiert werden.” Theresa Saday ist Projektkoordinatorin für Ärzte ohne Grenzen in Monrovia.

Sie hilft den Opfern, die unter einer der andauernden Folgen des in Liberia leiden: der sexuellen Gewalt. Die meisten von ihnen sind Kinder. Die vierzigjährige Liberianerin und Mutter einer 16-jährigen Tochter teilt die Ängste vieler Eltern im Land. Sie macht sich jeden Tag über das Wohlbefinden und die Zukunft ihres Kindes Sorgen.

Deswegen arbeitet sie heute in einem Projekt von Ärzte ohne Grenzen für Opfer sexueller Gewalt in Bushrod Island, einer dicht besiedelten Gegend in der Hauptstadt Monrovia. Seit fünf Jahren leistet sie psychologische und emotionale Hilfe für die Opfer sexueller Gewalt und deren Eltern. Gemeinsam mit den Sozialarbeitern von Ärzte ohne Grenzen hilft sie Überlebenden und ihren Familienangehörigen, den Stress und die Traumata zu verarbeiten. Außerdem möchte sie alle Opfer stärken und ihnen Mut machen, die angebotene Hilfe aufzusuchen.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet auch mit Mitarbeitern der Gesundheitsbehörden und der Polizei zusammen. Damit wird sichergestellt, dass die Fälle von sexuellem Missbrauch sorgfältig dokumentiert werden und die Opfer Zugang zu medizinischer Hilfe und zu Rechtsberatung haben. Eine wichtige Aufgabe ist es, die Opfer und deren Eltern davon zu überzeugen, sexuelle Gewalt anzuzeigen. “Wir treffen täglich Eltern, die unglücklich darüber sind, dass ihre vergewaltigten Kinder zur Polizei gehen. Die Eltern haben Angst um die Sicherheit der Kinder. Sie kommen daher mit ihren Sorgen zu uns und bitten um Unterstützung.”

Zusammen mit ihrem Team von Ärzte ohne Grenzen fordert Theresa zudem die Regierung in Liberia dazu auf, den Opfern sexuellen Missbrauchs freien Zugang zu medizinischer Hilfe zu ermöglichen. Ihre Erfahrung mit der Arbeit für Ärzte ohne Grenzen in zwei Gesundheitszentren und einem Krankenhaus haben ihr den Mut gegeben, offen über den dramatischen Anstieg der sexuellen Gewalt zu sprechen.

”Jede Woche hier ist für mich eine Herausforderung. Die fünf Jahre, die ich jetzt mit Ärzte ohne Grenzen arbeite, haben mich sehr gestärkt. Sexuelle Gewalt ist ein Schandfleck unserer Gesellschaft.“