Demokratische Republik Kongo

Nothilfe nach Intensivierung der Gewalt im Osten des Landes

Im Nordosten der Stadt Masisi in der kongolesischen Provinz Nord-Kivu brachen am 18. September schwere bewaffnete Kämpfe aus. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen konnten den Betrieb im Krankenhaus von Masisi aufrechterhalten und Notfall-Chirugie für 17 bei den Kämpfen verletzte Menschen leisten.

Die Einwohner der Stadt Masisi, der benachbarten Dörfer, sowie rund 12.000 Vertriebene, die in nahe gelegenen Camps lebten, flüchteten nach Ausbruch der Kämpfe zunächst nach Masisi und dann in den Busch, als die Kämpfe zunahmen. Auch aus dem Krankenhaus von Masisi flohen zahlreiche Patienten sowie einige Angestellte aus Angst, die Kämpfe würden die Stadt erreichen. Trotz der unsicheren Lage konnte Ärzte ohne Grenzen aber den Krankenhausbetrieb aufrechterhalten, darunter auch ein Ernährungsprogramm mit 54 mangelernährten Kindern. Zu den behandelten Verwundeten gehörten Zivilisten und bewaffnete Männer.

Am Abend des 19. September ließen die Kämpfe nach und viele Vertriebene kehren nun nach und nach in die Stadt zurück. Ärzte ohne Grenzen evaluiert derzeit die Bedürfnisse der Bevölkerung und informiert die Menschen über die Verfügbarkeit von medizinischer Hilfe, besonders angesichts der Berichte über Vergewaltigungen durch Bewaffnete. Ärzte ohne Grenzen ist derzeit die einzige internationale Organisation, die in und um Masisi Hilfe leistet.

Tausende in den vergangenen zehn Tagen vertrieben

"Die Vorfälle sind ein weiteres Beispiel für die Gewalt, die Unsicherheit und die wiederholten Vertreibungen, denen die Bevölkerung Nord-Kivus ausgesetzt ist", erklärt Anna Halford, Projektkoordinatorin in Masisi. "Trotz eines im Januar erreichten Friedensabkommens haben die Kämpfe weiter an Gewalt und Häufigkeit zugenommen. Zivilisten werden erneut dazu gezwungen, vor den Kämpfen zu fliehen." Zusätzlich zu der direkten Gewalt durch körperliche Attacken und Schüsse wurde die Verwundbarkeit der Bevölkerung durch Plünderungen von Gesundheitseinrichtungen, darunter die von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Gesundheitszentren in Kachuga und Bisihe, weiter erhöht.

In den vergangenen zehn Tagen hat die Gewalt in Nord Kivu zur Vertreibung von Tausenden geführt. Ärzte ohne Grenzen wird ein Erkundungsteam nach Ngungu, ein Dorf südlich der Stadt Masisi, entsenden, wo sich angeblich an die 17.000 Menschen aufhalten. Ärzte ohne Grenzen hat zudem seine Hilfsprogramme in Regionen wie Kitchanga verstärkt, wo zahlreiche Menschen Zuflucht gesucht haben, die aus Dörfern in der Nähe der Kämpfe geflüchtet sind. Die Bevölkerung von Kitchanga hat sich in den vergangenen neun Monaten verdoppelt, und Ärzte ohne Grenzen hat zwei zusätzliche Gesundheitszentren eröffnet, um die zusätzliche Zahl von Patienten medizinisch versorgen zu können.

In der Region Minova (Provinz Süd-Kivu, nahe der Grenze zu Nord-Kivu) sind 5.000 bis 10.000 Menschen angekommen, die vor der Gewalt geflohen sind. Ein Team von Ärzte ohne Grenzen evaluiert dort die Lage. Einige der Verletzten suchen Hilfe in dem Krankenhaus von Minova, an das Ärzte ohne Grenzen medizinisches Material und Medikamente geliefert hat.

Einige Patienten aus Sicherheitsgründen umgesiedelt

Seit Anfang September hatte Ärzte ohne Grenzen immer wieder Schwierigkeiten, jene Gebiete in Nord-Kivu medizinisch zu versorgen, die vom Konflikt am stärksten betroffen sind. Ärzte ohne Grenzen musste seine Teams in Nyanzale und Kabizo abziehen und aus Rutshuru teilweise evakuieren. Seit dem Wochenende sind nun wieder ein reduziertes Team in Nyanzale und die vollständigen Teams in Rutshuru und Kabizo im Einsatz. Ein Nothilfeteam leistet medizinische Hilfe für neue Vertriebene in Kanayabayonga. Ärzte ohne Grenzen bietet auch im Mweso-Krankenhaus weiterhin medizinische Hilfe an, obwohl eine große Anzahl von Patienten von dort umgesiedelt werden musste, um sie vor den Kämpfen zu schützen.

Ärzte ohne Grenzen bietet in Nord-Kivu kostenlose allgemeine Gesundheitsversorgung durch Unterstützung der Krankenhäuser und mit mobilen Kliniken in und um Rutshuru, Nyanzale, Kabizo, Kitchanga, Mweso und Masisi an. Die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen besteht auch aus Wasseraufbereitung, der Behandlung von Vergewaltigungsopfern, Ernährungshilfe, Impfkampagnen und der Bekämpfung von Epidemien.