Myanmar

Noch keine Entwarnung für Überlebende des Zyklons - Hilfe für die Menschen im Irrawaddy-Delta

Rund drei Monate nachdem der Zyklon Nargis das Irrawaddy-Delta in Myanmar verwüstet hat, arbeiten die Teams von Ärzte ohne Grenzen weiterhin daran, die Versorgung der Bevölkerung mit medizinischer Hilfe und sauberem Wasser zu sichern. Ein Schwerpunkt ihrer Aktivitäten liegt inzwischen bei der psychologischen Unterstützung für die Überlebenden der Katastrophe. Seit Mitte Juli 2008 konnten zahlreiche andere Hilfsorganisationen ihre Arbeit im Delta aufnehmen. Daher kann Ärzte ohne Grenzen einen Großteil seiner Programme zur Verteilung von Nahrungsmitteln an andere Helfer übergeben.

Im Juli 2008 hat Ärzte ohne Grenzen die medizinische Versorgung im Irrawaddy-Delta ausgeweitet. Mehr als 270 Mitarbeiter der Organisation haben dort seit dem 3. Mai 2008 über 35.000 Konsultationen durchgeführt. Die Teams versuchen, mit stationärer wie mobiler medizinischer Hilfe bis zu 350.000 Menschen in der am stärksten betroffenen Regionen des Deltas zu erreichen. Wegen der unzureichenden Wasserqualität, mit der Durchfallerkrankungen
einhergehen, werden Wasser- und Sanitärexperten von Ärzte ohne Grenzen zudem weiterhin Wasserbassins und Brunnen in Stand setzen bzw. neu anlegen.

Größere Ausbrüche übertragbarer Krankheiten wurden bisher nicht registriert, allerdings haben Mitarbeiter in den vergangenen Wochen (insbesondere im Gebiet um Ngapudaw) eine zunehmende Zahl von Dengue-Fieber-Fällen gemeldet. Wie auch Malaria tritt diese Krankheit in der Region zwar regelmäßig auf, dieses Jahr könnte sie sich
aufgrund der erhöhten Anfälligkeit verschiedener Bevölkerungsgruppen allerdings weiter ausbreiten. Ärzte ohne Grenzen wird Vorbeugemaßnahmen treffen und erkannte Fälle in einigen Regionen behandeln.

Schwerpunkt psychologische Hilfe

Viele Menschen in der Deltaregion haben traumatisierende Erlebnisse hinter sich - etwa den Verlust von Familienangehörigen oder Freunden. In verschiedenen Gebieten (speziell in der Umgebung von Bogaley,
Ngapudaw und Labutta), haben unsere Teams festgestellt, dass bis zu 30 Prozent der Patienten unter psychischen Problemen leiden. Zu der wachsenden Zahl von Symptomen gehören neben Bluthochdruck und Herzrasen, Lethargie, Schwermut und Depressionen, Angstzustände und Schlafschwierigkeiten. Bereits im Juni bildeten Spezialisten von
Ärzte ohne Grenzen daher lokale Teams von städtischem Gesundheitspersonal und psychologischen Beratern aus, die Konsultationen anbieten und konkret auf die Bedürfnisse der Betroffenen zugeschnittene Maßnahmen durchführen. Sie sensibilisieren die Menschen dafür, dass psychische Probleme auftreten können und bieten Beratungen an.

"Wir können davon ausgehen, dass die Menschen aus der Deltaregion noch viele Monate lang sehr verletzlich bleiben. Bereits vor dem Zyklon bestand dort, wie auch im übrigen Land, ein hoher Bedarf an medizinischer Hilfe. Ganz ohne Zweifel wird diese Situation auch nach der Phase der Katastrophenhilfe Bestand haben. Von staatlicher Seite wird in Myanmar nur sehr wenig in das Gesundheitssystem investiert, weshalb der Bevölkerung nur ein sehr eingeschränktes Angebot an bezahlbaren Gesundheitsleistungen zur Verfügung steht", so Phillip Humphris, Programmmanager von Ärzte ohne Grenzen.

Ernährungszustand unter Beobachtung

"Wir behalten die Bedürfnisse der Menschen genau im Auge, um auf aktuelle Entwicklungen angemessen und wirksam reagieren zu können", erklärt Joe Belliveau, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen. So beobachten die Teams vor allem in entlegenen Gebieten mit schwierigem Zugang zu Nahrungsmitteln den Ernährungszustand der Bevölkerung sehr genau. Dies betrifft vor allem Kinder unter fünf Jahren. Schwere Mangelernährung wurde bislang nur in wenigen Fällen ausgemacht und versorgt. Menschen mit mäßiger Mangelernährung und andere Risikogruppen wie Schwangere und stillende Mütter versorgen die Teams mit speziellen Nahrungsergänzungsmitteln. Der Anteil von Kindern, bei denen ein Risiko besteht, an Mangelernährung zu erkranken, wächst allerdings in bestimmten Gebieten - in Bogaley beispielsweise ist er von 9 auf 13 Prozent gestiegen.