Tschad

Nahrungskrise - Erfahrungsbericht einer Erkundungsreise

Der Medizinische Koordinator Justin Nyarwangu während der Erkundung in die Region Biltine, wo die Familien unter Dürre und Hunger leiden.

Justin Nyarwangu ist Krankenpfleger und Medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen im Tschad. Er gehörte zum Erkundungsteam, das untersuchte, wie viele Kinder in der Region Biltine mangelernährt sind. Biltine liegt in der Sahelzone und ist derzeit von Dürre und Nahrungsmittelknappheit geplagt. Der Krankenpfleger berichtet:

Bei der Erhebung, die wir in den Dörfern von Biltine durchgeführt haben, mussten wir feststellen, dass eines von vier Kindern unter fünf Jahren an akuter Mangelernährung leidet. Wir haben die Kinder gewogen und ihre Größe gemessen. Sechs Prozent aller untersuchten Kinder sind so schwer mangelernährt, dass sie sofort medizinische Hilfe brauchen. Dieser Prozentsatz ist bereits alarmierend hoch. Die Familien in Biltine bringen sich mit Hirsebrei durch, essen nur ein bis zwei Mal täglich. Ihre Hirsebestände schwinden immer schneller, und viele Familien werden kein Essen haben, um bis zur nächsten Ernte im November durchzukommen.

"Wir haben nur noch Essen für höchstens einen weiteren Monat", sagte ein Dorfältester zu mir. "Und wir sind jeden Tag sieben bis acht Stunden damit beschäftigt, Wasser zu beschaffen. Unser Vieh stirbt, weil Wasser und Futter fehlen, und ich habe keine anderen Möglichkeiten, meine Familie zu ernähren."

Für viele Menschen in den Dörfern der Region Biltine im Tschad ist das derzeit die Realität. Ohne Nahrung, ohne Möglichkeiten für die Familien, Geld zu verdienen und um Essen zu kaufen, ist der Gesundheitszustand - vor allem der Kinder - besorgniserregend. Wenn nichts getan wird, ist jedes fünfte Kind unter fünf Jahren vom Hungertod bedroht. Nach unserer Erhebung Mitte März haben wir ein Ernährungszentrum in Biltine eröffnet. Auch mit mobilen Kliniken ist Ärzte ohne Grenzen im Einsatz, um den Not leidenden Menschen zu helfen.