Sudan: Ein Ende von Leid und Gewalt ist nicht in Sicht

Liste der schwersten zehn humanitären Krisen 2008

Im Vertriebenenlager Kalma

Der Sudan erlebte im Jahr 2008 wie in den Vorjahren gleich zwei schwere humanitäre Krisen: Den anhaltenden akuten Konflikt in Darfur und die Konsequenzen des Bürgerkriegs, der jahrzehntelang im Süden des Landes tobte.

Darfur blieb Schauplatz des größten humanitären Hilfseinsatzes der Welt, mit mehr als 80 beteiligten Organisationen und 15.000 Mitarbeitern - darunter 2.000 von Ärzte ohne Grenzen. Trotz internationaler Bemühungen sind fünf Jahre nach Beginn der Darfur-Krise Hunderttausende Menschen von jeglicher Hilfe abgeschnitten. Weitere Tausende laufen Gefahr, den Zugang zu Hilfe im Zuge instabiler Fronten, wechselnder Allianzen zwischen verschiedenen bewaffneten Gruppen, gezielter Angriffe auf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und zunehmender Restriktionen für die Helfer zu verlieren. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) wurden im Jahr 2008 in Darfur elf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen getötet und 189 entführt. Auch Ärzte ohne Grenzen wurde Opfer gewalttätiger Angriffe und Plünderungen.

Viele der Vertriebenen suchen Zuflucht in Darfurs großen Lagern, doch auch dort ist Sicherheit nicht garantiert: Im Kalma-Camp mit mehr als 90.000 Menschen musste Ärzte ohne Grenzen in diesem Jahr nach Kämpfen im Camp 65 Patienten mit Schusswunden behandeln. Mehr als die Hälfte davon waren Frauen und Kinder.

Im Südsudan sind laut Schätzungen der UN 1,2 Millionen Menschen nach 20 Jahren Bürgerkrieg nach Hause zurückgekehrt. Doch sie fanden ihre Heimat praktisch ohne Infrastruktur und Gesundheitseinrichtungen vor. Trotz eines Friedensabkommens bleiben die regionalen Spannungen explosiv. Im Dezember brachen erneut Kämpfe aus, die zu neuen Vertreibungen führten.

Neben den gewalttätigen Angriffen gibt es schwere Gesundheitsprobleme im Südsudan: Mangelernährung ist stark verbreitet, die Müttersterblichkeit zählt zu den höchsten der Welt, und Tuberkulose, Kala Azar sowie große Ausbrüche von Meningitis, Masern, Cholera und Malaria stellen eine weitere Bedrohung für die Bevölkerung dar. Dazu kommt ein Mangel an humanitärer Hilfe, nachdem einige wichtige Geber Gelder abgezogen haben und die Zahl der humanitären Organisationen vor Ort abnimmt. Im Jahr 2008 leisteten 1.500 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe im Südsudan.