Somalia

Leben retten – rund um die Uhr

Der Chirurg Dr. Maslah ist einer von 144 somalischen Mitarbeitern, die im Krankenhaus Süd-Galcayo für Ärzte ohne Grenzen arbeiten.

Der Konflikt in Somalia hat im Jahr 2008 zugenommen, und obwohl die medizinischen Bedürfnisse gestiegen sind, musste Ärzte ohne Grenzen die internationalen Mitarbeiter aus dem Land evakuieren. Seitdem arbeiten nur noch somalische Mitarbeiter in den Projekten, die von einem internationalen Managementteam in Nairobi unterstützt werden. Die internationalen Mitarbeiter versuchen so oft wie möglich, die Projekte zu besuchen. Ohne die Hilfe Hunderter somalischer Mitarbeiter, die im ganzen Land für Ärzte ohne Grenzen arbeiten, würden Tausende Menschen keine lebensrettende Gesundheitsversorgung bekommen.

Dr. Maslah ist einer von 144 somalischen Mitarbeitern, die für Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus in Süd-Galcayo arbeiten. Er ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die chirurgischen Aktivitäten weitergeführt werden. Für Dr. Maslah ist es Routine geworden, nachts zu Notoperationen gerufen zu werden, da das Krankenhaus in Süd-Galcayo das einzige Krankenhaus in der Region ist, das kostenlose Notoperationen anbietet. „Ich operiere jeden Monat etwa 40 Bauchverletzungen", sagt Dr. Maslah. „Es sind Schuss- und Stichwunden, Verletzungen am Dickdarm und von Autounfällen."

Das Ernährungszentrum ist aufgrund der anhaltenden Dürre, der Kämpfe und hohen Nahrungsmittelpreise oft bis aufs Äußerste gefüllt. Jibril, der Stationsleiter, zeigt auf die frustriert schauenden Frauen, die schwache und dehydrierte Babys halten und darauf warten, im Ernährungszentrum aufgenommen zu werden. „Wir nehmen jeden Monat Menschen mit Durchfallerkrankungen, Masern, Dehydration und manchmal auch Meningitis auf“, erklärt er. „Das größte Problem ist im Moment aber die schwere Mangelernährung. Wir behandeln derzeit 90 Patienten in einem Raum, der für 60 Menschen gedacht ist."

Erschöpfung in den Gesichtern der Frauen

Die Erschöpfung in den Gesichtern der Frauen zeugt von der langen Reise, die die meisten auf dem Weg zum Krankenhaus hinter sich haben. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen können aufgrund der anhaltenden Unsicherheit keine Patienten mit dem Auto einsammeln. „Viele in den Dörfern wissen, dass es hier kostenlose Hilfe gibt. Die Reise ist aber ein großes Problem", sagt eine Mutter. „Viele können sie sich nicht leisten und bleiben daher zu Hause. Einige von ihnen sterben im Dorf."  Die Brandmale auf den Körpern einiger kleiner Kinder zeigen, dass die Mütter zuerst bei traditionellen Heilern Hilfe suchen. Das Krankenhaus ist oft ein letzter Ausweg.

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, wie Jibril und Dr. Maslah, arbeiten mit anderen somalischen Kollegen im Krankenhaus in Süd-Galcayo rund um die Uhr. „Die Mitarbeiter in diesem Krankenhaus retten viele Leben", sagt Dr. Maslah. Kostenlose und unabhängige medizinische Hilfe ist in einem Land lebensnotwendig, in dem Gewalt, Leiden und Tod durch vermeidbare Krankheiten alltäglich sind.

Hilfe seit mehr als 17 Jahren

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit mehr als 17 Jahren in Somalia und leistet auch heute noch in acht Regionen des Landes kostenlose medizinische Hilfe. Die Mitarbeiter haben im Jahr 2008 mehr als 720.000 Patienten ambulant und 24.000 stationär behandelt. Mehr als 55.000 Frauen haben Geburtshilfe erhalten. Es wurden mehr als 3.800 Operationen durchgeführt. Darunter waren etwa 1.200 Verletzungen, die auf Gewalt zurückzuführen sind. Es wurden mehr als 1.000 Kala Azar- und 4.000 Malaria-Patienten behandelt und nahezu 1.600 Menschen haben mit einer Tuberkulose-Behandlung begonnen. Etwa 35.000 mangelernährte Menschen wurden versorgt, und mehr als 82.000 Patienten geimpft.