Sri Lanka

Kranke und Verwundete erreichen das Krankenhaus von Vavuniya

Zahlreiche Menschen in der Region Vanni versuchen zu fliehen.

Nachdem das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) und die Vereinten Nationen (UN) am 29. Januar 226 kranke und verwundete Zivilisten aus der srilankischen Region Vanni evakuierten, kamen vom Abend bis in die frühen Morgenstunden im von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Krankenhaus in Vavuniya Patienten an. Einige waren bei den jüngsten Kämpfen verletzt worden, andere litten an entzündeten Verletzungen, die bereits zwei bis drei Wochen alt waren. Unter den evakuierten Kranken und Verwundeten waren 51 Kinder. Viele Patienten hatten durch Schrapnell und Granaten Gliedmaßen verloren.

„Ich sah einen Mann, der ein Bein und einen Arm verloren hatte, einen Jungen, dem beide Arme fehlten und unzählige andere Verwundete,“ berichtet Lisabeth List, die stellvertretende Einsatzleiterin von Ärzte ohne Grenzen. „Die meisten von ihnen wurden von Schrapnell getroffen. Ein Junge erzählte, dass all seine Geschwister durch eine Granate ums Leben kamen.“

Psychologische Unterstützung für die traumatisierten Patienten

Ärzte ohne Grenzen unterstützt das Krankenhaus in Vavuniya medizinisch und logistisch und wird dort auf Bitte des Krankenhauses hin einen Chirurgen einsetzen. Ärzte ohne Grenzen bietet in der Klinik auch psychologische Unterstützung für die von den Kämpfen traumatisierten Patienten an. Die Menschen stehen unter Schock und sind extrem in Sorge um die Verwandten, die sie zurücklassen mussten. Die meisten verloren alles und konnten mit nichts als den Kleidern am Körper fliehen.

Ungefähr 250.000 Menschen sind weiterhin inmitten schwerer Kämpfe in einem immer kleiner werdenden Gebiet im Norden Sri Lankas gefangen. Ärzte ohne Grenzen hat erfahren, dass in dem von den Rebellen kontrollierten Gebiet in kleinen Kliniken seit Anfang Januar etwa 600 Zivilisten mit Konflikt bedingten Verletzungen behandelt wurden. Die Krankenhäuser sind überfüllt und benötigen dringend Medikamente und medizinisches Personal. Ärzte ohne Grenzen bereitet den Einsatz mobiler Kliniken vor, um in der Vanni Region und außerhalb Hilfe leisten zu können falls der Bedarf besteht.

300 bis 400 Verwundete müssen dringend nach Vavuniya evakuiert werden

Berichten zufolge sind noch 300 bis 400 verwundete Patienten im Krankenhaus in Puthukkudiyiruppu, im Norden Vannis, die dringend nach Vavuniya gebracht werden müssen. Viele Menschen versuchen sich weiterhin auf dem Gelände des Krankenhauses in Puthukkudiyiruppu in Sicherheit zu bringen.

Die humanitäre Hilfe in Vanni war extrem eingeschränkt worden, nachdem die Regierung im September 2008 alle Nichtregierungsorganisationen und UN-Organisationen gezwungen hatte, die Region zu verlassen. Obwohl die UN die Erlaubnis erhielten, Nahrungsmittel in das Gebiet zu senden, konnte die Menge den Bedarf der Bevölkerung nicht decken.

Schwer mangelernährte Kinder erwartet

„Wir erwarten, dass mehr schwer mangelernährte Kinder nach Vavuniya kommen werden,“ sagt Lisabeth List. „Wir hoffen, dass wir alle Kinder im Krankenhaus auf ihren Ernährungszustand untersuchen und die mangelernährten Kinder in unser Ernährungsprogramm aufnehmen können.“

Derzeit leistet Ärzte ohne Grenzen in Vavuniya psychologische Hilfe und unterstützt das Labor des Krankenhauses. Bis März 2008 arbeitete außerdem ein chirurgisches Team von Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus. Mitarbeiter der Organisation betreiben in der Region außerdem ein ambulantes Ernährungsprogramm. Ärzte ohne Grenzen arbeitet auch im Krankenhaus von Point Pedro auf der Halbinsel Jaffna, an der nördlichen Spitze Sri Lankas. Das dortige Team leistet allgemeinmedizinische und chirurgische Hilfe, kümmert sich um die Mutter/Kind-Gesundheitsversorgung und führt Trainings für Mitarbeiter des Krankenhauses durch.