Haiti

Hilfe nach Cholera-Ausbruch in den Norden des Landes ausgeweitet

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen behandeln in St. Marc, in der Region Arbonite, Cholera-Patienten.

Angesichts des Cholera-Ausbruchs in Haiti weiten die Teams von Ärzte ohne Grenzen ihre Hilfe weiter aus. In der besonders betroffenen Region Artibonite unterstützen sie zwei Krankenhäuser des haitianischen Gesundheitsministeriums. In der Hauptstadt Port-au-Prince sind Mitarbeiter in fünf Gesundheitseinrichtungen der Organisation auf Patienten mit Cholera-Symptomen eingestellt. Andere Teams haben mit der Unterstützung Erkrankter im Norden des Landes begonnen. In dem Ort Gonaives bauen sie ein Cholera-Behandlungszentrum auf. In rund einem Dutzend anderer Orte erkunden sie den Bedarf an Hilfe. Insgesamt sind derzeit rund 560 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen wegen des Cholera-Ausbruchs im Einsatz. Seit Beginn des Ausbruchs haben sie rund 3.600 schwere und akute Fälle von Durchfall behandelt.

Im St. Nicholas Krankenhaus in der Stadt St. Marc (Region Artibonite) werden täglich rund 170 Patienten mit Cholera-Symptomen aufgenommen. Im staatlichen Krankenhaus der weiter südlich gelegenen Stadt Petite Riviere sind es täglich 150 Menschen.

In Port-au-Prince, wo Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen Tagen einige Dutzend Menschen mit schwerem Durchfall behandelte, stehen in Cholera-Behandlungszentren 300 Betten zur Verfügung. Diese können im Falle einer Ausweitung des Ausbruchs schnell auf 800 Betten aufgestockt werden. Auch in der Stadt Leogane, wo Ärzte ohne Grenzen ein Krankenhaus betreibt, wurde ein Behandlungszentrum mit 20 Betten eingerichtet.

"Für eine effektive Behandlung von Cholera ist es entscheidend, eigene Behandlungszentren zu haben, in denen die Patienten isoliert werden können", sagt Jean Pletinckx, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Haiti. "Cholera lässt sich ausgesprochen gut behandeln und vermeiden, vor allem wenn die Patienten in einer kontrollierten Umgebung, wie sie ein Cholera-Behandlungszentrum bietet, behandelt werden. Solche Behandlungszentren in einem von einem Ausbruch betroffenen Gebiet können den Druck auf die vorhandenen Gesundheitseinrichtungen stark senken und das Risiko einer Ausbreitung auch außerhalb der Einrichtung enorm verringern."

Erkundungen im Norden des Landes

In Gonaives im Norden Haitis wird derzeit ein Cholera-Behandlungszentrum mit 30-Betten vorbereitet. In den Orten Port de Paix, Pont Sonde, Dessaline, Villard, La Chapelle und Lester führen Teams Erkundungen durch, um festzustellen, ob eine Intervention notwendig ist. Auch in Archaie, Cabaret und Verrettes, südlich und östlich von St. Marc, finden Erkundungen statt. In Montrouis hat Ärzte ohne Grenzen dem örtlichen Gesundheitszentrum Behandlungsmaterial und Cholerabetten zur Verfügung gestellt. Weitere Erkundungen sind in Gros Morne, Bassin Bleu, and Saint Michel de L'attalaye geplant.

In allen Gegenden, wo Ärzte ohne Grenzen arbeitet, leisten die Teams auch Aufklärungsarbeit in Bezug auf Infektionsvermeidung und Behandlung. "Cholera und ähnliche Symptome können sehr rasch auftreten und lebensbedrohlich werden. Todesfälle können jedoch relativ einfach vermieden werden, wenn es in der Nähe von betroffenen Regionen Gesundheitseinrichtungen gibt, die über das richtige Material und ausgebildetes Personal verfügen", erklärt David Olson, Cholera-Experte von Ärzte ohne Grenzen in Haiti.

Weitere Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in Haiti

Während der Cholera-Einsatz ausgeweitet wird, laufen alle anderen Hilfsprogramme von Ärzte ohne Grenzen in Haiti ohne Unterbrechung weiter.

Mehr als 3.000 haitianische und internationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen leisten derzeit Hilfe für die haitianische Bevölkerung. Sie betreiben sieben Krankenhäuser, in denen kostenlose medizinische Hilfe angeboten wird und unterstützen zwei staatliche Krankenhäuser in Port-au-Prince mit insgesamt fast 1.000 Betten. Die angebotenen Leistungen reichen von Notfallmedizin, Geburtshilfe, Mutter-Kind-Gesundheit bis zu orthopädischer Hilfe. Außerdem leistet Ärzte ohne Grenzen psychologische Hilfe und behandelt und berät Opfer sexueller Gewalt.

Außerhalb der Hauptstadt Port-au-Prince unterstützt Ärzte ohne Grenzen Krankenhäuser mit knapp 200 Betten in den Städten Leogane und Jacmel. Zusätzlich hat Ärzte ohne Grenzen im Oktober dieses Jahres in Leogane ein Container-Krankenhaus mit 120 Betten eröffnet.

Von Mitte Januar bist Ende September haben die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen mehr als 339.000 Menschen behandelt, über 15.700 Operationen durchgeführt und rund 9.900 Geburten betreut.