Zentralafrikanische Republik

Helfen zwischen Aids, Malaria und Nilpferden

Von Antje Walther
Mit einfachen, doch effektiven Mitteln hat Lena Eggert aus Flensburg ein halbes Jahr als Ärztin ohne Grenzen in der Zentralafrikanischen Republik gearbeitet.

Wasser fließt nicht, Strom lediglich eine Stunde am Tag dank eines Generators, die Erde ist rot. Ab 18 Uhr herrscht Ausgangssperre. Im Februar während ihres halben Jahres in einem Dorf in der Zentralafrikanischen Republik fegen draußen Kugeln durch die Luft aus den Waffen von Rebellen, während Lena Eggert und ihre Kollegen auf dem Boden kauern und bangen. Jetzt ist die 31-jährige Flensburgerin unversehrt aus Batangafo zurückgekehrt, wohin sie die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" auf ihre Bewerbung hin entsandte. Nun arbeitet sie schon wieder als Assistenzärztin in der Chirurgie im St. Franziskus. Die Arbeit im "kleinen Krankenhaus im Busch hat mir wirklich gut gefallen", sagt Lena und strahlt dabei. Freiwillig hat sie sich in Freiheiten einschränken lassen. Die Entbehrungen waren schließlich auf Zeit, winkt sie ab. Doch seien sechs Monate Zentralafrika "lang genug" gewesen, bisweilen "ermüdend" und "emotional". Die junge Ärztin wollte "ursprüngliche Medizin" erfahren. Ohne Röntgengerät oder Computertechnik verlässt sie sich in Batangafo da rauf, was "Stethoskop" und ihre "Hände" über die Kranken erzählen.

Ein Gefühl für Afrika hat sie damals nach dem Abi entwickelt, als sie ein Programm der Kirche für vier Monate ins Haus einer Hebamme nach Tansania führte und sie an der Seite eines afrikanischen Arztes in der Serengeti unterwegs war, der Augenkrankheiten behandelte. "Das hat mir so gefallen, dass ich dachte, das möchte ich später auch gern machen", erinnert sie sich. Medizinstudium in Erlangen und Kiel folgten. Ihre zentralafrikanischen Patienten leiden an Malaria, Tuberkulose, der Schlafkrankheit, Aids. Die Zusammenarbeit mit drei einheimischen Ärzten, die unmittelbaren Patientenkontakte und das stets erneuerte Gefühl, willkommen zu sein, erleichtern ihre Arbeit. Lena berichtet von Dorfbewohnern, die zu ihr eilen, um ihr einen ehemaligen Patienten vom Hals zu halten, der ihr, zwar aus Dankbarkeit, auf dem Weg zur Arbeit nicht von der Seite weichen will. "Andere haben auf einen aufgepasst", lobt Lena lächelnd.

Mit zehn europäischen Kollegen - darunter eine belgische Hebamme, ein norwegischer Verwaltungsfachmann und eine französische Logistikerin - teilt sie ein Haus und einen Alltag. Kurz vor halb acht am Morgen geht sie die 300 Meter hinüber zum Krankenhaus zur Frühbesprechung. Französisch ist die gemeinsame Sprache. Visite in der Inneren, eine Mittagspause, Arbeit in der Notaufnahme, Statistik folgen. "Eindrucksvoll war zu sehen, wie Mütter mit dem Tod ihrer Kinder umgehen", bemerkt die Medizinerin nachdenklich. Sie seien "sehr traurig" gewesen, doch der Tod "gehört auch für sie zum Leben dazu".

Kinder sterben an Aids, an fortgeschrittenen Lungenentzündungen, mit denen sie viel zu spät nach vielen Kilometern das Krankenhaus erreichen. Die Ärzte ohne Grenzen, die im Ort mit 17.000 Einwohnern kostenlos ihre Dienste anbieten (seit 1997 ist die Organisation in der Zentralafrikanischen Republik tätig), konnten dennoch viele retten. "Ihr habt doch nichts zu lachen, warum seid ihr dann so fröhlich?", hat sie sich häufig gewundert, wirkt selbst stets frohgemut. "Vom Land habe ich nichts gesehen", sagt die Ärztin ohne Grenzen. Gelegenheit dazu sei kaum gewesen, die Gefahr hingegen groß.

Kost und Logis sind umsonst, 800 Euro brutto verdient sie. Dafür kauft sie mal Tee auf dem Markt, geht am freien Sonntag am Fluss entlang spazieren, erblickt Nilpferde darin. Abends nach der Ausgangssperre hört sie Musik, solange der Akku mitspielt. Oder sie sitzt mit den Mitbewohnern zusammen, trinkt ein Bier mit ihnen, mal lau, wenn der petroleumbetriebene Kühlschrank ausfällt, mal kühl, wenn er läuft. "Für immer hätte ich das nicht machen wollen", sagt Lena aufrichtig, doch offenbar glücklich und bereichert um Einblicke in Tropenmedizin und das Wissen um die Macht der Hände.