Haiti

Haiti zwei Wochen nach dem Beben

Nicht nur körperliche Wunden. Haiti zwei Wochen nach dem Beben
Auch zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti ist der medizinische Bedarf unvermindert.

Immer mehr Patienten suchen die Kliniken nun mit Infektionen oder Komplikationen auf, häufig in Folge unzureichender Behandlungen in den ersten chaotischen Tagen der Katastrophe.

Die Anzahl von Patienten mit dem sogenannten Crush-Syndrom hat ebenfalls zugenommen. Dabei können starke Muskelverletzungen unbehandelt zu Nierenversagen und zum Tod führen.

Mithilfe von Dialysen können diese Patienten gerettet werden. Zu den Teams von Ärzte ohne Grenzen gehören daher auch erfahrene Nierenspezialisten.

Infolge des Nachbebens vom vergangenen Mittwoch sind zwei der Krankenhäuser, in denen Ärzte ohne Grenzen arbeitete, einsturzgefährdet. Die Patienten wurden verlegt.
Doch auch wo kein Einsturz droht – wie im Choscal-Krankenhaus –, bleiben die Menschen aus Angst vor weiteren Nachbeben lieber in Zelten vor dem Gebäude.

In dem aufblasbaren 100-Betten-Krankenhaus - hier während des Aufbaus auf einem Fußballfeld in Port-au-Prince - operiert Ärzte ohne Grenzen seit Montag in zwei neu eingerichteten OP-Sälen.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen arbeiten Tag und Nacht. Durchschnittlich 130 Operationen führten die Chirurgen in der vergangenen Woche täglich durch.

Hinter jeder dieser Zahlen verbirgt sich ein persönliches Schicksal - wie das von Aristide Louissain, 25 Jahre alt. Sie stand kurz vor ihrem Diplom. Zusammen mit ihrer Mutter, die Stickerei unterrichtete, befand sie sich in der Schule, als die Erde zu beben begann. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Dach auf uns fallen würde. Es ging so schnell.“

„Ich hatte Glück, nur mein Handgelenk ist gebrochen“, sagt sie. Doch ihr Haus ist zerstört, und sie hat ihre Mutter in den Trümmern der Schule verzweifelt gesucht, ohne Erfolg. “Ich weiß nicht, wie es ohne sie weitergehen soll.“

Jonas François befand sich während des Erdbebens auf der Straße. Durch eine Explosion erlitten er und seine Frau, Hélène Remy, schwere Verbrennungen. Ärzte ohne Grenzen behandelte sie beide, doch seine Frau erlag ihren Verletzungen. Für seinen 14-jährigen Sohn, den er nun allein versorgen wird,  muss Jonas François schnell wieder gesund werden.

Auch außerhalb der Hauptstadt suchen die Teams die Gebiete auf, in denen medizinische Hilfe noch fehlt. In Jacmel ist das Krankenhaus zerstört, hier die ehemalige Kinderstation.

Das Erdbeben und seine verheerenden Auswirkungen hinterlassen nicht nur körperliche Wunden. Ärzte ohne Grenzen hat begonnen, psychologische Hilfe für die traumatisierten Menschen anzubieten.

Spezialisten kümmern sich nicht nur um Patienten, sondern auch um Mitarbeiter, die die Katastrophe miterlebt haben.