Haiti

Haiti: Teams arbeiten in zehn Operationssälen rund um die Uhr – psychologische Hilfe hat begonnen

Dialysebehandlung im General Hospital für Erbebenopfer, die am so genannten Crush-Syndrom leiden, bei dem starke Muskelverletzungen zu Nierenversagen und zum Tod führen können.

Während die Teams von Ärzte ohne Grenzen ununterbrochen Patienten behandeln, die in langen Warteschlangen auf Hilfe warten, erschütterte am Morgen ein schweres Nachbeben Port-au-Prince. Im Choscal Krankenhaus arbeiten vier Teams seit Tagen abwechselnd rund um die Uhr in zwei Operationssälen, um Menschen mit schweren Verletzungen zu helfen. Dort ängstigten sich die Patienten durch das neue Beben derart, dass sie aus dem Gebäude wieder nach draußen in Zelte gebracht werden mussten. Zurzeit werden in zehn Operationssälen rund 130 Patienten am Tag operiert.

Im Krankenhaus in Carrefour hat das Team mit der psychologischen Unterstützung für Patienten mit amputierten Gliedmaßen und deren Familien begonnen. Die Mitarbeiter sind dabei, intensivmedizinische nachoperative Behandlungsmaßnahmen aufzubauen – in einem weiteren Krankenhaus hat die Physiotherapie für Patienten mit Verbrennungen bereits begonnen. Im großen General Hospital geht die Dialysebehandlung von Menschen weiter, die am so genannten Crush-Syndrom leiden, bei dem starke Muskelverletzungen zu Nierenversagen und zum Tod führen können. Dieses Syndrom tritt häufig nach Erbeben auf. Sechs Patienten haben bereits Dialyse erhalten. Das Team untersucht mit einem speziellen Test weitere Patienten auf das Syndrom und behandelt sie daraufhin intensivmedizinisch.

Zehn Operationssäle sind in Betrieb

Jeder funktionstüchtige Operationssaal wird Tag und Nacht genützt. Gleichzeitig bauen Logistiker unter Hochdruck neue auf oder setzten beschädigte wieder in Gang. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben in den vergangenen Tagen rund 130 Operationen am Tag durchgeführt. Da weitere Kollegen und Kolleginnen die Arbeit aufnehmen, wird sich diese Zahl weiter erhöhen. Zehn Operationssäle sind jetzt in Betrieb, von denen sich sieben in Port-au-Prince befinden (im Choscal, Trinité, Carrefour und Chancerelle Krankenhaus) und drei in den Städten Leogane and Jacmel im Westen der Hauptstadt. Zudem wechseln die Teams in weiteren kleineren Operationssälen im Trinité- und im Pacot Krankenhaus Verbände.

Um baldmöglichst noch mehr Kapazitäten zu schaffen, werden weitere Operationssäle in Port-au-Prince und im Westen in Leogane und Grand-Goave für die Arbeit vorbereitet. Ein aufblasbares Krankenhaus mit zwei Operationssälen und hundert Betten wird auf einem freistehenden Gelände in Port-au-Prince aufgebaut. Das Aufbauteam geht davon aus, dass es am Freitagmorgen funktionstüchtig sein wird.