Sudan

Erzwungener Abzug internationaler Mitarbeiter aus Hilfsprojekten in Darfur gefährdet medizinische Versorgung

Nach einer Anordnung der sudanesischen Regierung, internationale Mitarbeiter aus Hilfsprojekten in Darfur abzuziehen, ist Ärzte ohne Grenzen sehr beunruhigt, dass die Bevölkerung der betroffenen Regionen nun ohne Gesundheitsversorgung alleingelassen wird.

Die sudanesische Regierung hat Ärzte ohne Grenzen dazu aufgefordert, bis zum 4. März 2009 alle internationalen Mitarbeiter aus mehreren Projekten in West- und Süddarfur abzuziehen. Die betroffenen Projekte in Zalingei, Niertiti, Muhajariya und Kalma bieten Vertriebenen und der lokalen Bevölkerung medizinische und allgemeine humanitäre Hilfe. Die Erklärung der Regierung für diese Maßnahme lautet, dass die Sicherheit der Mitarbeiter angesichts der erwarteten Ankündigung des Internationalen Strafgerichtshofes, die juristische Verfolgung des sudanesischen Präsidenten aufzunehmen, nicht garantiert werden kann.

Der Abzug der Ärzte ohne Grenzen-Mitarbeiter wird eine Erhöhung der Verwundbarkeit der Bevölkerung Darfurs zur Folge haben. In einigen Gebieten, in denen Ärzte ohne Grenzen der einzige Anbieter medizinischer Hilfe ist, werden die Menschen nach dem Abzug überhaupt keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung haben. In Muhajariya, wohin Ärzte ohne Grenzen kürzlich nach wochenlangen Kämpfen zurückkehren konnte, mussten bereits alle Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen eingestellt und das Krankenhaus geschlossen werden. In Niertiti wird Ärzte ohne Grenzen die medizinische Hilfe in Folge des angeordneten Abzugs aller medizinischer Mitarbeiter ebenfalls einstellen müssen - zu einem Zeitpunkt, wo in Niertiti und dem Kalma-Camp, in dem 90.000 Vertriebene temporär Zuflucht gefunden haben, Meningitis-Fälle bestätigt wurden.

Ärzte ohne Grenzen betont zum wiederholten Mal, dass die Organisation vollkommen unabhängig vom Internationalen Strafgerichtshof ist und mit diesem weder kooperiert, noch Informationen an ihn bereitstellt. Es ist unerlässlich, dass humanitäre Hilfe unabhängig und unparteiisch bleibt, um sicherzustellen, dass lebensnotwendige medizinische Hilfe jene erreicht, die diese benötigen. Ärzte ohne Grenzen fordert alle Konfliktparteien dazu auf, unsere Arbeit zu respektieren und zu ermöglichen, und eine umgehende Rückkehr sowie einen sicheren Aufenthalt unserer internationalen Mitarbeiter zu gewährleisten.