Simbabwe

In der Hitze allein gelassen - Bericht vom Choleraausbruch in Bindura, im Nordosten des Landes

"Wir sind Flüchtlinge im eigenen Land", sagt Blessing, ein junger simbabwischer Mann, als er sich vor Bindura´s Chiwaridzo Klinik umschaut. 71 Cholerapatienten liegen dort in der sengenden Sonne im Dreck. Lokale Behörden haben die Patienten lieber draußen im Hof liegen gelassen, anstatt sie in die direkt vor ihnen liegende, leerstehende Poliklinik zu bringen. Einige Patienten haben zerbrochene Bänke gefunden, auf die sie sich legen, während andere sich unter den Seitenwänden kleiner Zelte verstecken. Das einzige große Zelt ist überfüllt und schmutzig. Die meisten aber haben keine Unterkunft, die sie vor der glühenden Sonne oder dem für diese Jahreszeit üblichen sturzflutartigen Regen schützt.

Die Cholerakrise in Simbabwe ist noch lange nicht vorbei. Die Zahl der Cholerafälle in der Hauptstadt Harare hat zwar abgenommen, es gibt aber weiterhin Ausbrüche in mittelgroßen Städten und auf dem Land. Die Vorhersage, dass Simbabwe mehr als 50.000 Cholerafälle erreichen wird, hat sich schon vor Monaten bewahrheitet und durch die im Land wütende Epidemie haben sich nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation vom März bereits mehr als 89.000 Menschen mit Cholera infiziert. Ärzte ohne Grenzen hat ungefähr 56.000 dieser Patienten mit Hilfe von mobilen Kliniken und Dutzenden von Cholerazentren im ganzen Land behandelt.

Behörden wollten Cholerazentrum schon schließen

Einen der jüngsten Ausbrüche gab es in der Stadt Bindura, im Nordosten von Simbabwe. Noch eine Woche zuvor hatten die lokalen Behörden erwogen, das mit Hilfe von Ärzte ohne Grenzen errichtete Cholerazentrum zu schließen. Die Organisation konnte sie von der Schließung abbringen, da zu dem Zeitpunkt noch immer an die zehn Patienten dort behandelt wurden.

Am 22. Februar kam das mobile Team von Ärzte ohne Grenzen, um das kleine Cholerazentrum zu überprüfen und musste feststellen, dass mit 56 eingewiesenen Patienten ein neues Hoch erreicht worden war. Nach weiteren zwei Tagen waren es bereits 71 Patienten. Die lokalen Behörden haben es den Kranken untersagt, in das verfügbare und leerstehende Klinikgebäude zu ziehen, da sie befürchten, die Klinik nach dem Choleraausbruch nicht wieder gereinigt und desinfiziert zu bekommen. Ärzte ohne Grenzen hat zu Bedenken gegeben, dass eine solche Zahl von Patienten nicht angemessen und menschenwürdig draußen in einem Hof behandelt werden kann.

Im Moment haben weder die Patienten noch die staatlichen Krankenpfleger in diesem behelfsmäßig errichteten Cholerazentrum etwas zu essen. Einige Patienten bekommen von ihren Verwandten Essen gebracht, was wiederum das Infektionsrisiko erhöht, da das Essen an Orten gekocht wird, wo die Cholera ausgebrochen ist. Dennoch haben diese Patienten Glück, andere haben niemanden, der ihnen etwas zu essen bringen könnte oder aber ihre Familien haben einfach selber nichts.

 

Die Moral der Pflegekräfte ist ziemlich schlecht - sie werden nicht bezahlt

Darüber hinaus beeinflusst die Nahrungssituation die Arbeit der medizinischen Helfer. "Die Moral der Pflegekräfte ist ziemlich schlecht", sagt einer der örtlichen Pfleger bei einem Treffen. Und das ist kein Wunder. Nicht nur das die staatlichen Pflegekräfte seit Monaten kein Gehalt bekommen haben, nun bekommen sie nicht einmal Essen während der Arbeit. Nichtsdestotrotz arbeiten die simbabwischen Pfleger unermüdlich Tag und Nacht, um die Patienten am Leben zu erhalten.

Bislang ist die Behandlung unter den schlechten Bedingungen in diesem Zentrum schwierig. Eine 50-jährige Frau starb ein paar Tage nachdem Ärzte ohne Grenzen in Chiwardizo angekommen ist. An dem überfüllten Ort hat es jedoch Stunden gedauert bis die Tote gefunden wurde. Die Verstorbene lag inmitten erschöpfter Cholerakranker. Ein Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen musste den Körper vor den Augen anderer Patienten desinfizieren und abdecken. Es gab keinen anderen Ort, wo er es hätte tun können.

Es gibt keine Leichenhalle, weder im Krankenhaus noch im Lager. Der tote Körper musste in einer Ecke des Camps neben den anderen Patienten und unter sengender Sonne aufbewahrt werden. Es gab einfach keinen anderen Platz. Bevor er davon getragen wurde, vergingen elf Stunden. "Das ist ein Mensch", sagt eine Ärztin von Ärzte ohne Grenzen und schüttelt traurig ihren Kopf. "So etwas sollte einfach nicht vorkommen."