Haiti

Demonstration gegen Cholera-Behandlungszentrum in St. Marc behindert Hilfsmaßnahmen

Cholera ist eine gut behandelbare Krankheit, für deren wirksame Eindämmung Behandlungszentren essentiell sind. Diese Zentren stellen kein Risiko für die Bevölkerung dar.

Aufgrund der Demonstration gegen ein Cholera-Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt St. Marc mussten am Dienstag, 26. Oktober, Maßnahmen zur Eindämmung der Cholera sowie die Behandlung bereits erkrankter Patienten unterbrochen werden.

Die Errichtung des Cholera-Behandlungszentrums mit 400 Betten war fast fertig gestellt, als eine Gruppe Menschen gewalttätig gegen die Eröffnung der Einrichtung demonstrierte. Mehrere Zelte auf dem Gelände wurden niedergebrannt. Zugleich warteten Patienten bereits darauf, aus dem Krankenhaus St. Nicholas, in dem sie derzeit unter weniger guten Bedingungen behandelt werden, in das Cholera-Behandlungszentrum überwiesen zu werden. Während der Demonstration kam es zu keinen schweren Verletzungen.

"Aufgrund der Demonstration können wir nicht mehr mit der größtmöglichen Effektivität und unter den bestmöglichen Bedingungen auf den Cholera-Ausbruch in der Region Artibonite reagieren", sagt Francisco Otero, Leiter des Noteinsatzes von Ärzte ohne Grenzen in St. Marc. "Das Behandlungszentrum war unabkömmlich, um die hohe Auslastung im Krankenhaus St. Nicholas zu reduzieren und eine schnelle Behandlung der kritischen Fälle sicherzustellen."

Aufbau von Cholera-Behandlungszentren geht weiter

Die Lage eines Cholera-Behandlungszentrums in der Nähe einer Gemeinde birgt keine zusätzlichen Risiken für die Bevölkerung. Im Gegenteil: Liegt ein Cholera-Behandlungszentrum in einem Gebiet, das von Cholera betroffen ist, ermöglicht es eine schnelle Behandlung und wenn nötig lebensrettende Maßnahmen. Zudem wirkt dies einer weiteren Ausbreitung der Krankheit entgegen. Durchfall und Erbrechen setzen bei einer Cholera-Infektion sehr schnell ein, unbehandelt kann die Krankheit in weniger als 24 Stunden zum Tod führen.

"Cholera ist eine behandelbare Krankheit, und wir sind bereit, unsere Expertise bestmöglich einzusetzen, um Opfer der Epidemie zu behandeln", sagt Otero. "Wir werden mit den Behörden und den Vertretern der Gemeinden zusammenarbeiten, um eine Lösung zu finden, die die Effektivität des Noteinsatzes nicht beeinträchtigt. Ärzte ohne Grenzen arbeitet weiterhin daran, Cholera-Behandlungszentren aufzubauen, um die bestmögliche Behandlung sicherzustellen und die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen."

Das haitianische Gesundheitsministerium hat empfohlen, das Cholera-Behandlungszentrum abzubauen, das zuvor auf einem Fußballfeld in der Nähe des Krankenhauses errichtet wurde, um Spannungen mit der Gemeinde zu lösen, und der Bevölkerung erneut zu versichern, dass durch das Zentrum kein Risiko für sie besteht. Die haitianischen Behörden haben erklärt, dass sie einen anderen Ort für das Cholera-Behandlungszentrum vorschlagen werden. Die Behörden hatten zuvor den Aufbau des Zentrums auf dem Fußballfeld genehmigt.

Immer noch treffen viele Patienten im Krankenhaus St. Nicholas ein

Seit dem Cholera-Ausbruch in St. Marc haben Teams von Ärzte ohne Grenzen im öffentlichen Krankenhaus St. Nicholas gearbeitet, in dem schnell viele Patienten Hilfe suchten. Die Cholera-Patienten zu isolieren, um so das Infektionsrisiko für die anderen Patienten und das Krankenhauspersonal zu minimieren, war daher eine große Herausforderung. Ein funktionales Cholera-Behandlungszentrum hätte die Situation im Krankenhaus entspannt. Zudem wäre dort eine optimale Kontrolle der hygienischen Bedingungen möglich, die für die Behandlung von Cholera essentiell sind.

Nach wie vor treffen viele Patienten im Krankenhaus St. Nicholas ein. Teams von Ärzte ohne Grenzen haben dort am Sonntag und Montag jeweils ca. 450 Patienten behandelt. Darüber hinaus ist Ärzte ohne Grenzen derzeit in acht Einrichtungen in der Region Artibonite sowie in der Hauptstadt Port-au-Prince und deren Umgebung auf die Behandlung von Cholera vorbereitet.

Ärzte ohne Grenzen hat bereits in zahlreichen Ländern Cholera-Behandlungszentren aufgebaut und erfolgreiche Noteinsätze durchgeführt. Allein in diesem Jahr haben Teams von Ärzte ohne Grenzen auf Cholera-Ausbrüche in Kamerun, dem Tschad, Niger, Nigeria, Pakistan, Papua Neuguinea und Sambia reagiert und medizinische Hilfe geleistet.