Kenia

Brennpunkte der Auseinandersetzungen wechseln - mobile Nothilfe ist wichtig

Die Lage ist noch immer angespannt in Rift Valley, im Westen Kenias, sowie in der Hauptstadt Nairobi. Während der Demonstrationen im vergangenen Monat kam es in Städten und Dörfern immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Dabei wurden zahlreiche Menschen verwundet, andere versuchten zu fliehen. Da die Situation so instabil ist und sich schnell verändert, setzt Ärzte ohne Grenzen vor allem mobile Teams ein, um die Verwundeten zu behandeln.

Am Morgen nach der Bekanntgabe der Präsidentschaftswahlen kam es im Armenviertel Mathare in Nairobi zu ersten Gewaltszenen. 400.000 Menschen leben in diesem Slum. Der Gewaltpegel schlug mal mehr, mal weniger aus, je nachdem, wie die Unterstützer und Gegner von Präsident Mwai Kibaki sich bekämpften. Hinzu kamen Streitereien innerhalb der Wohnviertel. Am 30. Januar nahmen die Teams von Ärzte ohne Grenzen neun Verwundete in ihre Nothilfestation in Mathare auf. Eine Woche später mussten sie 19 Verletzte an einem Tag behandeln. In nur zwei Wochen versorgte das Team 134 Gewaltopfer in Mathare.

Verletzungen durch Messer, Macheten und Stöcke

Anfangs wurden die Verwundeten in der "Blue House"-Klinik in Mathare behandelt, wo Ärzte ohne Grenzen seit 2001 ein HIV/Aids- und Tuberkuloseprojekt betreut. Um die vielen Verletzten gut versorgen zu können, eröffneten die Teams eine neue Nothilfestation in Huruma, nahe dem Armenviertel Mathare. Dort leisten Mediziner und Krankenschwestern Erste Hilfe für die Verwundeten, die bei Demonstrationen oder Konfrontationen mit den Sicherheitskräften verletzt wurden, aber auch bei gewalttätigen Streitereien unter Zivilisten.

Ärzte ohne Grenzen behandelt auch Patienten, die Verletzungen durch Macheten, Messer oder Stöcke davongetragen haben: Brüche und tiefe Schnitte in den Kopf oder in die Gliedmaßen sind oft die Folge. Einige Opfer wurden verstümmelt. Sobald sich ihr Zustand wieder stabilisiert hat, werden diese Patienten für weitere Untersuchungen und Operationen in ein Krankenhaus nach Nairobi gebracht. Ärzte ohne Grenzen bietet zudem psychologische Beratung an, so dass die Patienten von ihren Gewalterfahrungen erzählen können. Wenn es nötig ist, helfen die Teams auch dabei, die Patienten wieder mit ihren Familienangehörigen zu vereinen.

Zahlreiche Gewaltherde

Gewalt und Gerüchte nähren die Ängste der Menschen. Die Unsicherheit ist überall im Land zu spüren. Straßenblockaden wurden errichtet, die manchmal so schnell wieder verschwanden wie sie aufgebaut worden waren. Wenn in den Straßen Gruppen junger Leute mit Messern auftauchen, fliehen die Bewohner oft in improvisierte Camps.

In Naivasha, etwa 70 Kilometer nordwestlich von Nairobi, kam es am 26. und 27. Januar plötzlich zu Spannungen. Als ein Team von Ärzte ohne Grenzen am nächsten Morgen im Krankenhaus eintraf, befanden sich dort 30 Verletzte, die geschlagen oder angeschossen worden waren. Aufgrund der großen Unsicherheit konnten viele Krankenhausangestellte allerdings nicht zur Arbeit kommen. Ärzte ohne Grenzen flog daher per Hubschrauber ein Team aus Nairobi ein: einen Anästhesisten, eine Krankenschwester und einen Arzt. Sie brachten außerdem Medikamente und medizinisches Material mit. Auf dem Rückflug in die Hauptstadt nahm der Helikopter zwei Schwerverletzte mit, die sofort dort operiert werden mussten. Vier andere Patienten, die ebenfalls schwer verletzt waren, mussten bis zum nächsten Tag warten, ehe sie in einem Krankenwagen nach Nairobi gebracht werden konnten.

Tausende Vertriebene

Die Gewalt in Naivasha hat Tausende Bewohner der Stadt in die Flucht getrieben. Mehr als 3.000 Menschen suchten in einem Gefängnis Zuflucht, etwa 1.500 Einwohner in einer Polizeistation. Auch in den folgenden Tagen flohen viele Naivasher in die Vertriebenenlagern, die unter Polizeischutz standen. Dort leisten zwei Ärzte, eine Krankenschwester und ein Logistiker medizinische Nothilfe. Außerdem kümmern sie sich in den Lagern um die Trinkwasser- und sanitäre Versorgung.

Weiter westlich nahe der Stadt Kericho ist ein anderes mobiles Team unterwegs. Dort haben sich zwischen 500 und 2.500 Vertriebene versammelt. Die Mitarbeiter halten Sprechstunden ab und impfen Kinder mit Zustimmung des Gesundheitsministeriums gegen Masern und Polio.

Das Nothilfeteam von Ärzte ohne Grenzen in Kenia, das derzeit 16 Mitarbeiter umfasst, wird noch verstärkt, um möglichst flexibel auf die sich schnell ändernde Lage reagieren zu können.