Angola

Aus der Reihe "Das sind Wicherns Erben":Christian Katzer, Berlin: Ärzte ohne Grenzen

Chirurgenmantel, Schürze, Maske, Brille, Kopfschutz, Handschuhe und Gummistiefel, auf dem Rücken ein Kanister mit hochprozentiger Chlorlösung - kein Wunder, dass die Einheimischen Christian Katzer für einen Außerirdischen halten. März 2005, in Angola grassiert das Marburg-Fieber. Eine hochansteckende Krankheit, unheilbar, es gibt schon mehr als 100 Tote. In einem Provinzkrankenhaus säubern Christian Katzer und sein Team die verseuchte Notaufnahme, bauen eine Isolierstation auf, räumen und desinfizieren die überfüllte Leichenhalle. Und dann müssen die Toten in der Stadt eingesammelt werden, gegen den verzweifelten Widerstand ihrer Angehörigen. Unvorstellbar, was der Bauingenieur, der bei diesem Einsatz von "Ärzte ohne Grenzen" der Logistiker war, gesehen und erlebt hat. Und das eigene Risiko? "Ist kalkulierbar", sagt Katzer. "Wenn man sich auf die eigene Erfahrung und die seiner Organisation verlassen kann. Das sind alles sehr verantwortungsbewusste Leute, da fühlt man sich sicher." Was treibt ihn überhaupt in die schlimmsten Krisengebiete der Welt? "Es ist doch ein normaler menschlicher Impuls, helfen zu wollen." Diesen Impuls spürte Katzer spätestens seit einem Praktikum beim Neubau einer Schule in Guatemala. Das nächste Mal, das wurde ihm klar, würde er dahin gehen, wo "Nothilfe" gefragt war, "wo die Menschen einen am dringendsten brauchen, und zwar sofort". Gleich nach dem Studium heuerte er bei "Ärzte ohne Grenzen" an, projektweise, sein Geld verdiente er zwischen den Einsätzen als Fahrer für eine Berliner Filmproduktionsfirma. Dann wieder Gabun, Liberia, Osttimor, Afghanistan - mal drei Wochen, mal fünf Monate. Sein Job: den medizinischen Helfern helfen. Funkgeräte und Fahrzeuge beschaffen, Reparaturen organisieren, den Medikamentennachschub sichern, für sauberes Wasser und funktionierende Isolierstationen sorgen. Heute arbeitet er in der Berliner Zentrale der Organisation und ist mitverantwortlich für die Helfer in fünf Ländern.