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Ukraine

Ukraine: Versorgung von Krankenhäusern wird zum Wettlauf gegen die Zeit

Lwiw, 11. März 2022. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fürchtet, dass viele Krankenhäuser in Kiew und anderen von der militärischen Einschließung bedrohten Städten bald von medizinischem Nachschub abgeschnitten sein werden, während die Zahl der Verletzten steigt. Die Organisation hat in den vergangenen Tagen weitere Hilfstransporte mit Medikamenten und chirurgischem Material in die Ukraine gebracht. In Lwiw und Odessa haben Mitarbeiter*innen das Krankenhauspersonal darin geschult, mit einem massenhaften Zustrom an Verletzten umzugehen. In Lwiw ist ein erstes chirurgisches Team von Ärzte ohne Grenzen eingetroffen. Außerdem hat die Organisation Tausende Schlafsäcke und Decken sowie Thermounterwäsche, Fleecepullover und Hygieneartikel für die Flüchtenden in der Kälte nahe der Grenze zur Verfügung gestellt. 

„Da die Krankenhäuser im Osten mit der steigenden Zahl von Verletzten überfordert sind, geht ihnen langsam das medizinische Material aus", sagt Anja Wolz, Nothilfekoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in der Ukraine. „Und wir wissen nicht, wie lange es dauern wird, bis Kiew von der Versorgung abgeschnitten sein wird. Zerstörung, Bombardierung aus der Luft, schwerer Artilleriebeschuss, Panzergefechte, eingekesselte Städte, erste Kampfhandlungen im Stadtgebiet, Menschen in Bunkern und Kellern, Mangel an Nahrung, Wasser und Strom – all das passiert gerade. Und es wird immer schlimmer. Die humanitäre Hilfe muss in großem Umfang und schnell erfolgen." 

Am Samstag, den 5. März, hat Ärzte ohne Grenzen drei Lastwagen mit 120 Kubikmetern medizinischer Hilfsgüter in die Ukraine auf den Weg gebracht. Ein Drittel davon, vor allem chirurgisches Material und Medikamente, wurde sofort mit dem Zug nach Kiew weitergeschickt. Die Hilfsgüter wurden vom Gesundheitsministerium in Kiew entgegengenommen und an die Krankenhäuser verteilt, die in der Hauptstadt und in den weiter östlich gelegenen Kriegsgebieten Verletzte behandeln. In den vergangenen Tagen sind weitere medizinische Hilfsgüter im Lager der Organisation in der Ukraine eingetroffen, und neue Lieferungen werden in den kommenden Tagen und Wochen folgen. 

Ärzte ohne Grenzen hat sich bisher vor allem auf chirurgisches, notfallmedizinisches und intensivmedizinisches Material und Medikamente konzentriert. Doch allmählich zeichnet sich ein breiterer Bedarf an anderen wichtigen medizinischen Gütern ab: Insulin für Diabetespatient*innen und Medikamente für Patient*innen mit anderen chronischen Krankheiten wie Asthma, Bluthochdruck oder HIV. Einige dieser Medikamente müssen gekühlt transportiert werden, was den Transport noch schwieriger macht. 

Es ist eine Herausforderung, die Hilfsgüter dorthin zu bringen, wo sie benötigt werden. Die Züge, die große Mengen an Material transportieren können, fahren größtenteils noch. Aber die Teams von Ärzte ohne Grenzen suchen auch nach anderen Möglichkeiten, medizinische Hilfsgüter sicher durch das Land zu transportieren. „Wir befürchten, dass es immer schwieriger wird, medizinische Hilfsgüter und medizinisches Personal dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden, und deshalb ist es dringend notwendig, jetzt schnell zu handeln", sagt Wolz. 

Daneben müssen auch die Menschen, die aus ihren Häusern geflohen sind, vor Temperaturen von aktuell bis zu minus sieben Grad Celsius geschützt werden. Hunderttausende sind nach Lwiw geflüchtet oder machen sich auf den Weg zur ungarischen, polnischen oder slowakischen Grenze. Ärzte ohne Grenzen stellt dort weitere 160 Kubikmeter Hilfsgüter zur Verfügung: darunter mehr als 2.000 Schlafsäcke, mehr als 3.500 Fleece-Wärmedecken, Tausende Sets Thermounterwäsche, Fleece-Pullover, Mützen, Regenjacken und andere Kleidungsstücke, mehr als 500 Zelte sowie Hygieneartikel wie Zahnpasta, Zahnbürsten, Seife und Handtücher.  

Das erste chirurgische Team von Ärzte ohne Grenzen ist zunächst in Lwiw eingetroffen. „Die Entscheidung, in Gebiete zu gehen, die näher bei den Kampfhandlungen sind, um direkte medizinische Hilfe zu leisten, kann nicht leichtfertig getroffen werden", sagt Wolz. „Wir wägen mehrere Standorte und Optionen ab und werden in den kommenden Tagen  Entscheidungen treffen." 

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Holger Vieth
- Pressestelle

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