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Italien

Lampedusa: Ärzte ohne Grenzen hilft nach Schiffsunglück

Lampedusa/Berlin, 2. Juli 2021 - Nach dem Schiffsunglück vor der italienischen Insel Lampedusa am 30. Juni befinden sich viele der Überlebenden in einem Schockzustand.  Mindestens sieben Menschen waren bei dem Schiffbruch ums Leben gekommen, weitere zehn werden vermisst. Teams von Ärzte ohne Grenzen versorgen viele der Überlebenden medizinisch und psychologisch. Angesichts der steigenden Zahl von Migrant*innen und Geflüchteten, die mit Booten auf Lampedusa ankommen, plant Ärzte ohne Grenzen, während des gesamten Sommers auf der Insel Hilfe zu leisten – in enger Abstimmung mit den örtlichen Behörden.

So werden Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen sowohl an den Anlandestellen als auch im Aufnahmezentrum medizinische und psychologische Hilfe leisten. Ein besonderer Fokus liegt auf der Identifizierung von besonders schutzbedürftigen Menschen, um sicherzustellen, dass sie angemessen versorgt werden.

"In diesen ersten Tagen unseres Einsatzes auf Lampedusa haben wir Überlebende von Schiffsunglücken gesehen, die ihre Angehörigen auf See verschwinden sahen", sagt die medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen Stella Egidi. „Unter ihnen sind schwangere Frauen, allein reisende Kinder, Opfer von physischer und psychischer Gewalt und weitere schutzbedürftige Menschen, die sofortige Hilfe benötigen“, sagt Egidi. „Es ist nicht genug, auf Lampedusa immer wieder Nothilfe zu leisten. Wir brauchen stattdessen ein System, das den Menschen sichere und legale Wege bietet, Europa zu erreichen. Es braucht darüber hinaus ein europäisches Rettungssystem, um inakzeptables Leid und Tod zu vermeiden."

Ärzte ohne Grenzen hat drei Teams in Lampedusa im Einsatz.  Das erste besteht aus eine*r Ärzt*in,  eine*r Krankenpfleger*in und zwei interkulturellen Mediator*innen. Sie arbeiten mit den Ärzt*innen der örtlichen Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten und unterstützen bei der Erstversorgung, der Untersuchung der Menschen auf Covid-19 und der Identifizierung von Patient*innen, die eine Notfallversorgung benötigen.

Das zweite Team – das ebenso wie das erste Team aufgestellt ist – wird in Zeiten hoher Ankunftszahlen auf der Insel oder bei besonderen Bedürfnissen im Aufnahmezentrum stationiert sein. Dieses Team wird die medizinische und psychische Versorgung sicherstellen und dafür sorgen, dass die Patient*innen Zugang zu weiterer medizinischer Hilfe haben und eine kontinuierliche Versorgung gewährleistet ist.

Das dritte Team – bestehend aus Psycholog*innen und interkulturellen Mediator*innen – wird in Bereitschaft sein, um Überlebenden von Schiffsunglücken psychologische Soforthilfe zu leisten.

„Es gab ein Mädchen, das den Schiffbruch überlebte, sie sprach nicht und hielt die Augen geschlossen, als wolle sie die Welt um sich herum ausblenden", berichtet ein Teammitglied von Ärzte ohne Grenzen. „Erst als ich ihr sagte, dass wir für sie da sind, dass sie nicht allein ist und dass sie in Italien ist, öffnete sie ihre Augen, sie leuchteten kurz auf und dann brach sie in Tränen aus. Wahrscheinlich hat sie verstanden, dass sie endlich an einem sicheren Ort angekommen war."

Weitere Aussagen von Überlebenden des jüngsten Schiffsunglücks:

"Ich habe meine beiden Schwestern im Meer verschwinden sehen", sagte eine 40-jährige Frau aus der Elfenbeinküste.

"Eines Tages werde ich an der Reihe sein, mich um euch zu kümmern", sagte ein fünfjähriger Junge aus der Elfenbeinküste zu einem Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen.

"Ich wollte nur ich selbst sein, deshalb bin ich gegangen, aber für uns gibt es keine Alternative zum Meer, auch wenn man weiß, dass man sein Leben riskiert", sagte ein 26-jähriger Mann aus Kamerun.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1999 in Italien, an Anlandestellen, in Aufnahmezentren und in provisorischen Siedlungen, um Geflüchteten und Migrant*innen in verschiedenen Regionen des Landes medizinische, psychologische und humanitäre Hilfe zu leisten – in Kooperation mit den italienischen Behörden. In Palermo arbeitet ein Team von Ärzte ohne Grenzen in einer Spezialklinik für die Rehabilitation von Migrant*innen und Geflüchteten, die Gewalt und Folter überlebt haben, zusammen mit einem Team der lokalen Gesundheitsbehörde. Auf See ist Ärzte ohne Grenzen mit dem Schiff Geo Barents an Such- und Rettungsaktivitäten beteiligt. Es liegt derzeit im Hafen von Augusta, Sizilien.

Für weitere Auskünfte sprechen Sie uns uns an

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Holger Vieth
- Pressestelle