DR Kongo: Zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs muss Hilfe schneller und flexibler sein
Bunia/Berlin, 21. August 2026. Der Ausbruch der Ebola-Krankheit in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) dauert bald 100 Tage an. Ärzte ohne Grenzen warnt, dass die Hilfe für die betroffenen Gebiete nicht ausreicht, um die Krankheit unter Kontrolle zu bringen. Der Ausbruch ist mittlerweile zum größten in der Geschichte des Landes geworden, mit einer so hohen Zahl von Todesfällen wie noch nie.
Die Krankheit breitet sich weiterhin mit alarmierender Geschwindigkeit aus. Dabei trifft sie auf eine Bevölkerung, die bereits unter den Folgen von bewaffneten Konflikten, Vertreibung, Hunger und anderen gesundheitlichen Krisen leidet.
Dringend benötigt werden mehr Schulungen für das Gesundheitspersonal und Gemeindevorsteher*innen zur Fallerkennung und Überweisung von Erkrankten an Gesundheitseinrichtungen sowie verstärkte Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle.
Jede halbe Stunde stirbt ein Mensch an Ebolafieber
In der vergangenen Woche wurde im Schnitt halbstündlich ein Ebola-Todesfall gemeldet. Von Beginn des Ausbruchs bis zum 16. August wurden mehr als 5000 bestätigte Fälle und über 2300 Todesfälle gemeldet.
Diese Epidemie breitet sich mit einer Geschwindigkeit aus, mit der die Hilfe nicht mithalten kann. Behandlungszentren sind unverzichtbar, um Leben zu retten, aber es braucht mehr als zusätzliche Betten. Wichtig sind auch eine bessere Erkennung, sichere Isolier- und Beobachtungsstationen für Erkrankte und ihre Kontaktpersonen, aber auch mehr Unterstützung für das Gesundheitspersonal. Auch Menschen, die aus anderen Gründen eine Gesundheitseinrichtung aufsuchen, müssen vor einer Ansteckung geschützt werden. Entscheidend ist, dass die Maßnahmen gemeinsam mit der Bevölkerung erarbeitet werden und nicht an ihr vorbei.
Javid Abdelmoneim, der internationale Präsident von Ärzte ohne Grenzen
So waren im Vertriebenencamp Rho bei Drodro in der Provinz Ituri Gemeindevorsteher*innen gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen im Einsatz, um Menschen zu ermutigen, sich bei Symptomen frühzeitig testen, isolieren und behandeln zu lassen. Sie machten außerdem auf die Wichtigkeit von Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle aufmerksam. In dem überfüllten Camp leben fast 50.000 Menschen auf engem Raum. Die gemeinsamen Bemühungen trugen dazu bei, die Ausbreitung von Ebola einzudämmen und die Sterblichkeitsrate zu senken.
Viele Menschen sterben weit entfernt von medizinischen Einrichtungen
Seit der offiziellen Bekanntgabe des Ausbruchs wurden mehr als 60 Prozent der Ebola-Todesfälle in der DR Kongo außerhalb der Ebola-Behandlungszentren verzeichnet. Das bedeutet, dass viele Menschen zu Hause oder in ihrem Dorf sterben, ohne eine Behandlung erhalten zu haben. So kann sich das Virus unbemerkt weiter ausbreiten. Besorgniserregend ist, dass die Fallzahlen auch außerhalb des Epizentrums Ituri rapide ansteigen. In der Provinz Nord-Kivu sind sowohl die Sterblichkeitsraten als auch das Misstrauen gegenüber den Hilfsmaßnahmen besonders hoch.
Ärzte ohne Grenzen ist aktuell in den Provinzen Ituri, Nord-Kivu, Süd-Kivu, Tshopo und Haut-Uélé im Einsatz. Dort leiten die Teams sechs Ebola-Behandlungszentren und mehrere Isolier- und Beobachtungsstationen. Insgesamt sind mehr als 1400 Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen im Einsatz. Seit Beginn des Ausbruchs haben Teams der Organisation mehr als 2000 Patient*innen aufgenommen, von denen bei mehr als 800 die Ebola-Krankheit bestätigt wurde.
Mehr Anstrengungen erforderlich
Ärzte ohne Grenzen fordert dringend zusätzliche Anstrengungen von allen Akteuren – von der WHO über andere UN-Organisationen und Hilfsorganisationen bis zu den kongolesischen Gesundheitsbehörden.
Mit Blick auf die Bundesregierung mahnt Ärzte ohne Grenzen, dass diese ihr finanzielles Engagement ausweiten soll. Darüber hinaus muss sie sich dafür einsetzen, die Koordinierung nationaler und internationaler Akteure zu verbessern. Sie muss außerdem ihren Einfluss und ihre Expertise nutzen, damit zugesagte Gelder vor Ort noch effektiver und schneller eingesetzt werden können.
Gemeindevorsteher wie Emery Guba Mateso, der im Vertriebenencamp Rho lebt, teilen ihre Erfahrungen mit dem Ziel, die Menschen zu ermutigen, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Er verlor seinen Sohn durch Ebolafieber und steckte sich später selbst an.
„Als jemand, der selbst an Ebola erkrankte und wieder gesund wurde, kann ich es nicht genug betonen: Bei ersten Symptomen ist es von größter Wichtigkeit, unverzüglich medizinische Hilfe aufzusuchen, denn eine frühzeitige Behandlung erhöht die Heilungschancen enorm,“ so Guba Mateso.
Ebola inmitten von Unsicherheit und Gewalt
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